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Großbritannien

Kurzzusammenfassung

Großbritannien, offiziell United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland (Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland), Inselstaat und konstitutionelle Monarchie im Nordwesten Europas, Mitglied der Europäische

Fachbereich: Erdkunde
Sprache: Deutsch
Wörter: 24015
Note: n.v.

Großbritannien

Großbritannien, offiziell United Kingdom
of Great Britain and Northern Ireland (Vereinigtes Königreich
Großbritannien und Nordirland), Inselstaat und konstitutionelle Monarchie
im Nordwesten Europas, Mitglied der
Europäischen
Union und des
Commonwealth of
Nations. Großbritannien ist die
größte der Britischen Inseln. Der Name Großbritannien entstand
als Gegenbegriff zu der im Englischen als Little Britain
(Kleinbritannien) bezeichneten französischen Region
Bretagne.
Großbritannien umfasst neben zahlreichen kleineren Inseln, darunter die
Isle of
Wight,
Anglesey, die
Scilly- und
Orkney-Inseln,
die
Shetland-Inseln
und die
Hebriden, die
früher eigenständigen Länder
England und
Schottland
sowie das Fürstentum
Wales.
Nordirland,
auch als Ulster bezeichnet, umfasst den nordöstlichen Teil der ansonsten
eigenstaatlichen Insel
Irland (mit
der Republik
Irland). Das Vereinigte Königreich grenzt im
Süden an den Ärmelkanal, der es vom europäischen Festland trennt,
im Osten an die Nordsee und im Westen an die Irische See und den Atlantischen
Ozean. Die einzige Landgrenze des Staatsgebiets ist die Grenze zwischen
Nordirland und der Republik Irland. Die Landesfläche Großbritanniens
beträgt
242 429 Quadratkilometer.
Die Hauptstadt und zugleich größte Stadt ist
London.
Die Isle of
Man und die
Kanalinseln
unterstehen direkt der britischen Krone und gehören nicht zum Vereinigten
Königreich. Sie verfügen über eigene Parlamente und ein eigenes
Rechtswesen. Der britischen Regierung unterstehen sie nur in der Außen-
und Verteidigungspolitik. Die verschiedenen abhängigen Gebiete
(dependent territories) unterstehen in den Bereichen Landesverteidigung,
Außenpolitik, innere Sicherheit und öffentliche Dienste ebenfalls der
britischen Regierung, die im Allgemeinen durch einen vom Königshaus
ernannten Gouverneur vertreten wird. Zu diesen abhängigen Gebieten
gehören Anguilla, die
Bermuda-Inseln,
das British Antarctic
Territory, das
British Indian Ocean
Territory, die British Virgin Islands
(Jungferninseln),
die
Cayman-Inseln,
die
Falkland-Inseln,
Gibraltar,
Hongkong,
Montserrat,
Sankt Helena
und zugehörige Gebiete
(Ascension
und Tristan da
Cunha),
Südgeorgien
und die Südsandwich-Inseln sowie die
Turks- und
Caicos-Inseln. Alle diese Gebiete sind selbstverwaltet
und haben sich aus verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Gründen
dafür entschieden, unter britischer Oberhoheit zu verbleiben. Ausnahmen
hierzu bilden nur das British Antarctic Territory sowie das British Indian Ocean
Territory; die dazu gehörigen
Chagos-Archipele,
insbesondere Diego Garcia, sind an die USA verpachtet und beherbergen wichtige
Stützpunkte der amerikanischen Seestreitmacht. Die Kronkolonie Hongkong
wurde 1997 an China zurückgegeben.
Land


Die maximale Flächenausdehnung
Großbritanniens beträgt
1 264 Kilometer;
der nördlichste Punkt ist Out Stack, vor Unst auf den
Shetland-Inseln,
der südlichste ist Saint Agnes auf den
Scilly-Inseln.
Die maximale Breite beträgt 670 Kilometer
zwischen Lough Melvin im Südwesten Nordirlands und
Lowestoft in
Suffolk.
Infolge der stark zergliederten Küste ist kein Ort der Inseln weiter als
etwa 120 Kilometer vom Meer
entfernt.
Gemessen an der Größe des Staatsgebiets ist
die Landschaft überaus abwechslungsreich und weist oft scharfe Kontraste
auf engstem Raum auf. Diese Vielfalt spiegelt zum Teil das geologische Fundament
wider; es reicht von den alten präkambrischen Bergen der schottischen
Highlands bis
zu den jüngeren, aus dem Quartär stammenden Ablagerungen im Gebiet der
Fens in Ostengland. Das gesamte Gebiet Großbritanniens mit Ausnahme des
Bereichs südlich der Mündungen von
Themse und
Severn in
England war während der Eiszeiten im Pleistozän von Gletschern
überzogen; diese sind auch für die Entstehung der faszinierendsten
Landschaften des Landes verantwortlich, einschließlich des englischen
Lake
District, der Seen Nordirlands, der Täler von
Wales und des Großteils der schottischen Landschaft mit ihren Seen. Auch
der Einfluss des wirtschaftenden Menschen hat seinen Teil zur Umgestaltung der
Landschaft beigetragen. Dies zeigt sich vor allem im Flachland Südenglands,
in den Norfolk
Broads, in den Fens und in den Mooren
Nordschottlands.
Physische Geographie
Gewöhnlich unterteilt man die britische Hauptinsel
geographisch in zwei Hauptregionen, das Hochland und das Tiefland; die
Trennungslinie verläuft von der Mündung des Flusses Exe in Devon in
nordöstlicher Richtung zur Mündung des Flusses
Tees.
Schottland und Wales liegen im Hochlandbereich, ebenso der Norden, Nordwesten
und Südwesten Englands. Schottland ist in drei geographische Räume
gegliedert: die Highlands, die gebirgigste Region im Vereinigten
Königreich, in der auch dessen höchster Gipfel, der
Ben Nevis
(1 343 Meter),
liegt, ferner das schottische Tiefland (Central Lowlands) und die Southern
Uplands. Wales wird hauptsächlich von den
Cambrian
Mountains eingenommen, in denen der höchste
Gipfel in England und Wales, der Mount
Snowdon
(1 085 Meter),
liegt. England besteht aus drei großen Hochlandregionen und den zwei
Tieflandgebieten East Anglia und dem Südwesten, zwischen denen sich
landwirtschaftlich genutzte, im Allgemeinen fruchtbare Ebenen erstrecken. Das
Hochland im Südwesten umfasst
Dartmoor,
Exmoor (Exmoor Nationalpark) und Bodmin Moor, im Norden liegen die
Pennines und
im Nordwesten die Cumbrian
Mountains des Lake District.
Das Sperrin- und das Antrim-Gebirge im Norden und
Nordosten Nordirlands stellen die Fortsetzung der schottischen Highlands dar.
Das dazugehörige Massiv der Mourne Mountains, in dem der höchste
Gipfel Nordirlands, der Slieve Donard (852 Meter)
liegt, grenzt an eine Tieflandregion in der Umgebung des
Lough Neagh
(396 Quadratkilometer), des größten
Süßwassersees im Vereinigten Königreich.
Klima, Böden und Wälder


Das Klima Großbritanniens ist gemessen an der Lage
des Landes recht mild. Seine geographische Breite entspricht der Labradors in
Kanada; das milde Klima entsteht durch die Meeresnähe, vor allem durch den
Einfluss des warmen
Golfstromes.
Die vorherrschenden Winde aus Südwest, die im Winter einen mildernden
Einfluss auf die Temperaturen ausüben und die Tiefdruckgebiete
heranführen, beeinflussen das tägliche Wetter der Insel. Die westliche
Flanke des Landes ist tendenziell wärmer als der Osten, und der
südliche Landesteil ist durch mildere Temperaturen als der Norden
gekennzeichnet. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei
6 °C im hohen Norden Schottlands und
beträgt etwa 11° C im Südwesten
Englands. Im Winter fallen die Temperaturen selten unter
–10 °C, die Sommertemperaturen
übersteigen selten 32 °C. Die
Meereswinde bringen reichlich Feuchtigkeit; die durchschnittliche jährliche
Niederschlagsmenge beträgt mehr als
1 000 Millimeter.
Regen fällt grundsätzlich das gesamte Jahr hindurch, vor allem in
Schottland, Wales und Nordengland. Der Westen des Vereinigten Königreiches
ist weitaus niederschlagsreicher als der Osten; die durchschnittliche
Niederschlagsmenge variiert zwischen
5 000 Millimetern
in den westlichen schottischen Highlands und unter
500 Millimetern in Teilen East
Anglias.
Die Böden im Vereinigten Königreich reichen
von den dünnen, oft sauren Böden der Highlands bis zu den fruchtbaren
Lehmerden East Anglias. Insgesamt sind etwa drei Viertel der Landesfläche
des Königreiches für die Landwirtschaft geeignet. Circa
40 Prozent davon eignen sich zum Ackerbau; diese
Böden konzentrieren sich vor allem in Ost- und Südmittelengland sowie
Ostschottland. Der restliche, größere Teil ist Grasland, das als
Weideland genutzt wird. Milchvieh und Schafe werden hauptsächlich in den
schottischen Highlands und in den Hügel- und Moorgegenden von Wales,
Nordirland und Nord- und Südwestengland gehalten.
Waldbestände bedecken etwa
7 Prozent der Fläche Englands,
15 Prozent in Schottland,
12 Prozent in Wales und
5 Prozent in Nordirland. Seit der Gründung
einer Waldkommission (Forestry Commission) 1919 hat sich die
Waldfläche verdoppelt. Bei dieser Kommission handelt es sich um ein
Regierungsressort, das für den Schutz und die Entwicklung der
Waldbestände im Vereinigten Königreich zuständig ist.

Flora und Fauna
Die Pflanzenwelt des Vereinigten Königreiches ist
so vielfältig wie seine Landschaften. Jahrhunderte menschlicher Besiedlung
haben die Vegetation stark geprägt. Weite Landesteile, mit Ausnahme der
Berge und Moorgebiete im Norden und Westen sowie der Sumpfgebiete, waren
früher in dichten, von Eichen dominierten Laubwald gehüllt. Heute sind
nur noch Reste dieses ursprünglichen Waldes zu sehen, vorwiegend im
Süden Großbritanniens.
Etwa ein Viertel des Staatsgebiets, hauptsächlich
in Schottland, Südwestengland, Wales und Nordirland, weist Heide- und
Moorland auf. Diese Gegenden mögen zwar wild und unberührt erscheinen,
wurden aber durch Weidetätigkeit und Brandrodungen geprägt und bilden
nun einen natürlichen Lebensraum für Federwild. Zu den Pflanzen dieser
Gegenden gehören Heidekraut, Ginster, Torfmoos, Vogelbeere und Blaubeere.
Mit der Trockenlegung der großen Sumpfgebiete des Landes, wie den Fens in
East Anglia und den Somerset Levels, wurde schon vor über
200 Jahren begonnen. Allmählich wurden sie
in Weide- und Ackerland umgewandelt. Kleinere Feuchtgebiete wie die Marschen,
Sumpfwiesen und Flussmündungsgebiete entgingen bis 1945 solchen
Veränderungen. Seither führte jedoch ein erhöhter Bedarf an
Ackerland und Baugebieten auch hier zu umfangreichen
Eingriffen.
Rothirsche in den schottischen Highlands und in Exmoor
sowie Rehe in den Wäldern Schottlands und Südenglands sind die
einzigen wild lebenden Großsäugetiere in Großbritannien.
Daneben trifft man in Exmoor, auf den Shetland-Inseln und im
New Forest
noch auf halbwilde Ponys. Wildschweine und Wölfe waren früher
zahlreich, wurden jedoch durch die Jagd restlos ausgerottet. Andere heimische
Säugetiere sind Fuchs, Dachs, Otter, Hermelin, Wiesel, Luchs, Marder,
Iltis, Baummarder, Eichhörnchen, Igel, Maulwurf, Wanderratte und Feldhase.
Einige dieser Tiere sind recht selten geworden oder vom Aussterben bedroht.
Luchse findet man nur noch in einigen Teilen Schottlands, Otter noch im
Südwesten Englands und das rote Eichhörnchen fast nur auf der
Isle of Wight
und in Schottland. In den restlichen Gegenden wurde es vom Grauhörnchen
verdrängt, einer ursprünglich nicht heimischen Art. Weitere vom
Menschen eingeführte Arten sind Kaninchen, Hausratte, Bellhirsch, Wallaby
und Nerz.
Die Britischen Inseln bieten zahlreichen Vögeln
verschiedenartige Lebensräume und liegen im Zentrum eines Netzes von
Vogelzugrouten. Rund 200 Arten sind hier das
gesamte Jahr über heimisch, die häufigsten sind Sperling, Amsel,
Buchfink und Star, weitere Arten sind Rotkehlchen, Königsfischer,
Zaunkönig, Specht, Krähe und die verschiedenen Meisenarten. Schwalbe,
Mauersegler und Kuckuck zählen zu den Arten, die man im Sommer auf den
Britischen Inseln antreffen kann. In den Flussmündungsgebieten haben viele
Entenarten, Gänse und andere Wasservögel ihr
Winterquartier.
Die häufigsten Süßwasserfische sind
Lachs, Forelle, Plötze, Flussbarsch und Hecht. Zahlreiche Fische fielen
jedoch der Wasserverschmutzung zum Opfer; Speisefische kommen vorwiegend von
Fischfarmen. Die Hauptfangsorten an Meeresfischen sind Kabeljau, Schellfisch,
Seeteufel, Scholle, Makrele, Meerhecht, Weißling und Hering.

Bevölkerung

Die Mehrheit der Bevölkerung Großbritanniens
ging aus den vielen Völkern hervor, die die Inseln in den zwei
Jahrtausenden bis zur normannischen Eroberung 1066 besetzten und besiedelten,
vor allem
Kelten,
Römer,
Angeln,
Sachsen,
Skandinavier und Normannen. Im Lauf der Jahrhunderte haben sich jedoch auch
Menschen vieler anderer Volksgemeinschaften im Königreich niedergelassen,
z. B. Juden, Chinesen, Mittel-, Ost- und
Südeuropäer sowie, vor allem seit den fünfziger Jahren unseres
Jahrhunderts, Einwanderer aus der Karibik und Südasien.
Großbritannien ist unter den größeren
Nationen der Welt einer der am stärksten urbanisierten Staaten. Mehr als
90 Prozent der Bevölkerung lebt in
Großstädten oder mittleren und kleinen Städten. So konzentrieren
sich ungefähr 40 Prozent der
Bevölkerung Großbritanniens in den sieben großen
städtischen und industriellen Ballungszentren der Insel. Diese erstrecken
sich im Umfeld der Städte London,
Manchester,
Liverpool,
Sheffield,
Birmingham,
Newcastle upon
Tyne und
Leeds. Alle
außer London wuchsen im ersten Jahrhundert der industriellen Revolution zu
bedeutenden Zentren der verarbeitenden Industrie, des Bergbaus oder des Handels
heran. Die Konzentration von zwei Dritteln der walisischen Bevölkerung in
den Tälern im Süden und von drei Vierteln der schottischen
Bevölkerung im zentralen schottischen Tiefland rund um
Glasgow und
Edinburgh hat
ähnliche Wurzeln. Die meisten dieser Ballungsräume müssen heute,
angesichts des Niedergangs der Industrien, auf denen ihr Wohlstand aufbaute,
lernen, mit den veränderten Bedingungen zurechtzukommen. Im
20. Jahrhundert konnte der Süden und vor
allem der Südosten Englands seine geschichtlich fundierte Rolle als
Kerngebiet des wirtschaftlichen Wohlstands und des Bevölkerungswachstums im
Vereinigten Königreich behaupten.
Großbritannien hat etwa
58 Millionen Einwohner. Daraus errechnet sich
eine Bevölkerungsdichte von durchschnittlich
240 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die
Bevölkerung Englands macht 80 Prozent der
Gesamtbevölkerung im Königreich aus, zugleich ist England mit einer
durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von
372 Einwohnern pro Quadratkilometer der am
dichtesten besiedelte Teil des Gesamtstaates.
Nach den Ergebnissen der regelmäßigen
Volkszählungen besteht die britische Bevölkerung zu
80 Prozent aus Engländern;
10 Prozent sind Schotten,
4 Prozent Iren (Nordirland) und
2 Prozent Waliser. Hinzu kommen
1 Prozent Inder und sonstige Einwanderer
(3 Prozent). Die Angehörigen der ethnischen
Minderheiten leben hauptsächlich in den städtischen und industriellen
Ballungszentren Englands, besonders im Südosten und in den
Midlands.
Wichtige Städte
Hauptstadt, Regierungssitz und zugleich
größte Stadt Großbritanniens ist London (etwa
6,93 Millionen Einwohner, einschließlich
der Randbezirke). London ist zugleich die Hauptstadt von England. Die
schottische Hauptstadt ist Edinburgh (etwa
442 000 Einwohner),
die Hauptstadt von Wales ist
Cardiff (etwa
299 000 Einwohner)
und von Nordirland
Belfast (etwa
297 000 Einwohner).
Abgesehen vom schottischen Glasgow (etwa
682 000 Einwohner)
liegen alle anderen Großstädte des Königreiches in England,
darunter Birmingham (etwa 1,01 Millionen
Einwohner) im Herzen des industriellen Ballungszentrums der Midlands, Leeds
(725 000 Einwohner),
Sheffield
(532 000 Einwohner),
Manchester
(432 000 Einwohner),
das sich zum Zentrum der verarbeitenden Industrie und des Bergbaus in
Nordengland entwickelte, und schließlich die Hafenstädte
Liverpool
(477 000 Einwohner)
und Bristol
(398 000 Einwohner).

Sprache
Die Amtssprache Großbritanniens ist Englisch. Als
gesprochene Sprache ist das Englische jedoch keineswegs homogen.
Ausgeprägte regionale und lokale Dialekte unterscheiden Sprecher aus
verschiedenen Landesteilen des Königreiches, wenn auch die früher
vorhandenen, über ein eigenes Vokabular verfügenden Dialektformen des
Englischen heute weitgehend abgeschwächt sind. Die keltischen Sprachen der
ursprünglichen Bevölkerung werden heute noch in Schottland und vor
allem in Wales gesprochen. In jüngster Zeit erlebten sie sogar eine Art
Renaissance, die mit dem Wiederaufkommen nationalistischer Tendenzen in beiden
Ländern in Verbindung steht. In Wales sprechen etwa
19 Prozent der Einwohner Walisisch, das nach wie
vor die Muttersprache der meisten Bewohner des Nordens und Westens von Wales
ist. Viele Schulen bieten neben Englisch auch Walisisch als Unterrichtssprache.
Auch das Fernsehen bietet ein walisischsprachiges Programm an. Nach
jahrzehntelangen Kampagnen der Nationalisten ist das Walisische nun seit 1993
neben Englisch Amtssprache. In Schottland gibt es (vor allem auf den Hebriden)
noch rund
80 000 Menschen,
die Gälisch sprechen. Siehe auch
keltische
Sprachen;
Englisch;
Schottisch;
kornische
Literatur;
Drama;
englische
Literatur;
gälische
Literatur;
irische
Literatur,
schottische
Literatur;
walisische
Literatur.
Religion
Die Glaubensfreiheit wird im Vereinigten Königreich
durch mehrere zwischen dem 17. und frühen
20. Jahrhundert verabschiedete Gesetze
gewährleistet. Seit dem 18. Jahrhundert
spielt die Religion in der Politik des Staates kaum noch eine Rolle. Allerdings
wurden in Nordirland die politischen und kulturellen Gegensätze zwischen
den Nachfahren der ursprünglichen irischen Bevölkerung und der
englischen und schottischen Siedler anhand des vordergründigen
religiösen Gegensatzes offengelegt. Diese in Wahrheit ausschließlich
politisch motivierten Konflikte entladen sich seit den siebziger Jahren des
20. Jahrhunderts in Gewalttaten und
terroristischen Akten von katholischen und protestantischen Terrorgruppen.
(siehe Nordirland:
Geschichte). Die Nachfahren der englischen und
schottischen Einwanderer, welche die Bevölkerungsmehrheit in Nordirland
bilden, sind fast ausschließlich protestantisch und befürworten den
Verbleib Nordirlands beim Vereinigten Königreich. Die ursprüngliche
irische Bevölkerung ist überwiegend katholisch und mehrheitlich
für den Anschluss an die Republik Irland.
Im Vereinigten Königreich sind fast alle
größeren Religionen der Welt vertreten. Das Christentum stellt die
weitaus größte Glaubensgemeinschaft dar. Es gibt zwei Staatskirchen,
die anglikanische
Kirche (Church of England) und die
presbyterianische schottische Staatskirche (Church of Scotland). Rund
57 Prozent der Bevölkerung gehören nach
eigener Aussage der anglikanischen Glaubensgemeinschaft an, die vor allem durch
die Church of England vertreten wird, zu der jedoch auch die Church of
Wales, die Scottish Episcopal Church und die Church of Ireland
gehören. 1993 entschied die Jahressynode der anglikanischen Kirche, Frauen
für das Priesteramt zuzulassen und beschwor damit für kurze Zeit die
Gefahr einer Kirchenspaltung herauf. Da sowohl Gläubige als auch Priester
die Entscheidung ablehnten, kam es zu einem Kompromiss, der jedoch nicht
verhindern konnte, dass anlässlich der Priesterweihe der ersten
Priesterinnen im März 1994 136 anglikanische Geistliche zum Katholizismus
konvertierten. Von der Church of Wales wurde die Frauenordination 1994
abgelehnt, von der Church of Scotland hingegen
angenommen.
15 Prozent gehören
anderen protestantischen Kirchen an (davon
4 Prozent der presbyterianischen Kirche). Rund
13 Prozent der Gesamtbevölkerung im
Vereinigten Königreich sind römisch-katholisch und
1 Prozent gehört den Methodisten an. Etwa
3 Prozent der Bevölkerung sind Muslime,
daneben gibt es große Hindu-, Sikh- und jüdische Gemeinden. Die
jüdische Gemeinde im Vereinigten Königreich zählt
300 000 Mitglieder
und ist damit die zweitgrößte Europas. Weiterhin gibt es kleinere
Gemeinden des Jainismus, des Zoroastrismus und des Bahaismus. Die am
stärksten anwachsenden Glaubensgemeinschaften des Königreiches sind
der Islam und das evangelische Christentum. Ein wachsender Prozentsatz der
Bevölkerung bekennt sich zu keiner Religion und ist beispielsweise Mitglied
in Körperschaften wie der British Humanist Association (Britische
humanistische Gemeinschaft) und der National Secular Society (Nationale
weltliche Gesellschaft).
Soziales
Medizinische Leistungen nimmt die große Mehrheit
der Briten nach wie vor vom staatlichen Gesundheitsdienst (NHS: National
Health Service) in Anspruch. Er wurde 1948 gegründet und wird
vorwiegend aus allgemeinen Steuermitteln finanziert, wobei der Anteil der
Sozialversicherungsbeiträge rund zehn Prozent der Gesamtkosten deckt. Der
Gesundheitsdienst bietet vollständige medizinische Betreuung, die meist
unentgeltlich oder gegen geringe Gebühren geleistet wird. Einige
Personengruppen sind grundsätzlich von Gebühren befreit: Kinder,
Frauen während der Schwangerschaft und im ersten Jahr nach der Geburt,
Empfänger von Arbeitslosenunterstützung oder anderen staatlichen
Hilfen und Menschen mit bestimmten chronischen oder lebensbedrohlichen
Krankheiten. Sie zahlen keine Gebühren für Verschreibungen,
Zahnbehandlung und Zahnersatz, Sehtests und Brillen sowie von den lokalen
Behörden angebotene Leistungen wie Impfungen. Die Gebühren für
die nicht befreiten Leistungsempfänger sind seit den siebziger Jahren
beständig angestiegen und entsprechen inzwischen in manchen Fällen den
vollen Kosten der medizinischen Behandlung. Krankenhausaufenthalte sind jedoch
nach wie vor gebührenfrei. Die meisten allgemeinmedizinischen Ärzte im
Vereinigten Königreich sind Mitglieder des staatlichen Gesundheitsdienstes,
einige haben allerdings daneben auch Privatpatienten; dasselbe gilt für die
meisten Apotheker sowie Fachärzte wie Chirurgen und
Krankenhausfachärzte, Radiologen und Physiotherapeuten. Die Zahl der
Zahnärzte, die im Rahmen des staatlichen Gesundheitsdienstes tätig
sind, ist jedoch in den späten achtziger Jahren dramatisch
zurückgegangen, was auch auf die Reduzierung der staatlichen Zahlungen an
die Zahnärzte des NHS zurückzuführen ist.
Ein 1990 von den Konservativen verabschiedetes Gesetz
zum NHS und Gesundheitswesen brachte tief greifende und oft äußerst
umstrittene Änderungen in der Verwaltung des NHS und in der
Patientenversorgung. Die Gesundheitsbehörden vor Ort wurden zu
„Einkäufern“ von Gesundheitsdiensten für die Patienten
umfunktioniert; sie erhielten staatliche Finanzmittel, um durch Verträge
mit Hospitälern und anderen medizinischen Einrichtungen des
öffentlichen oder privaten Sektors medizinische Leistungen einkaufen zu
können. Krankenhäuser werden direkt bezuschusst, die Höhe der
Geldmittel richtet sich nach der Anzahl der behandelten Patienten. Die
Krankenhäuser können außerdem beantragen, in selbstverwaltete
Treuhandgesellschaften – unabhängig von den lokalen
Gesundheitsbehörden, jedoch nach wie vor innerhalb des staatlichen
Gesundheitsdienstes – umgewandelt zu werden. Allgemeinärzte, die in
größeren Arztpraxen beschäftigt sind, können selbst
Empfänger staatlicher Fonds werden; sie erhalten dann ein jährliches
Budget direkt von der Gesundheitsbehörde, mit dem sie bestimmte
medizinische Leistungen von Krankenhäusern für ihre Patienten erwerben
können. Das Ziel dieser Gesundheitsreform war, die Effizienz des
Gesundheitswesens durch die Einführung eines freien Wettbewerbs zu
erhöhen und die Versorgung und Auswahlmöglichkeiten der Patienten zu
verbesssern. Hierzu wurde auch eine Patientencharta erlassen, in der Richtlinien
über maximale Wartezeiten für Krankenhausbehandlungen in nicht
dringenden Fällen festgelegt sind. Außerdem versuchte die Regierung
durch die Reformen, die Patienten verstärkt zum Abschluss privater
Krankenversicherungen zu ermuntern. Kritiker sehen jedoch die Gefahr, dass durch
die Reform ein Zweiklassengesundheitsdienst entsteht, der Patienten in Praxen
mit staatlichem Budget rascher zu einer Behandlung verhilft als Patienten in
traditionellen Praxen. Gegen die neu gegründeten
Krankenhaus-Treuhandgesellschaften wurde vorgebracht, dass sie nicht ausreichend
für ihre Ausgaben und ihre Praxis der Aufnahme von Patienten zur
Verantwortung gezogen werden können.
Das nationale Sozialversicherungssystem, das 1948 in
vollem Umfang in Kraft trat, umfasst Leistungen im Falle von
Arbeitsunfällen, Krankheit und Arbeitslosigkeit, Mutterschaftsgeld,
Unterhalt für Kinder in bestimmten Situationen, Beihilfen für
Personen, die als Vormund tätig sind, Witwengeld, Renten sowie
Beerdigungskosten. Rentenanspruch besteht zurzeit für Männer ab
65 Jahren und Frauen ab
60 Jahren. Eine Angleichung des weiblichen
Rentenalters auf 65 Jahre ist jedoch geplant und
soll stufenweise ab dem Jahr 2010 umgesetzt werden. Kindergeld wird für
alle Kinder bis zum Alter von 16 Jahren bzw. bis
zur Beendigung der Schulzeit gezahlt. Das Sozialversicherungssystem leistet
Bedürftigen Unterstützung in Form von wöchentlichen
Geldzuschüssen und bietet besondere Leistungen für Behinderte. Der
Großteil der genannten Leistungen wird zum Teil über wöchentlich
entrichtete Pflichtbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert
und zum Teil aus Mitteln des allgemeinen Steueraufkommens; nahezu alle
Leistungen sind einkommensabhängig. Die Ausgaben für das Sozialwesen
und den staatlichen Gesundheitsdienst betragen über ein Drittel des
gesamten jährlichen Finanzhaushalts der Regierung.
Bildung und Kultur

Im Verlauf seiner Geschichte hat das britische
Bildungswesen im Ausland vor allem durch den Ruf der so genannten Public
Schools, privater Elitegymnasien mit Internat, ein hohes Ansehen erlangt.
Viele dieser Schulen wurden im Mittelalter zunächst als wohltätige
Einrichtungen zur Erziehung und Ausbildung der häufig mittellosen Knaben
einer Gemeinde gegründet (daher der Name Public Schools, was
eigentlich öffentliche Schule bedeutet, obwohl es sich heute durchweg um
Privatschulen handelt). Schulen wie das
Eton College,
die Harrow School und Rugby School entwickelten sich jedoch schließlich zu
Institutionen, die gegen Schulgebühren fast nur noch Jungen aus den
wohlhabendsten Schichten des Vereinigten Königreiches und des Auslands
unterrichteten. Daneben bieten die meisten dieser Schulen jedoch auch Stipendien
für begabte Kinder aus sozial schwächer gestellten Familien
an.
Tatsächlich besuchen jedoch nur etwa sieben Prozent
der Kinder im Vereinigten Königreich eine Privatschule, die große
Mehrheit besucht staatliche Schulen. Das staatliche Schulsystem weist in
siehe
England und
Wales die
gleiche Grundstruktur auf, verfügt aber in den beiden Ländern
über unterschiedliche Entstehungsgeschichten und zeigt den jeweiligen
kulturellen Einfluss der beiden Volksgruppen. Auch siehe
Nordirland
besitzt ein ähnliches staatliches Schulsystem. Das Schulsystem siehe
Schottlands
hingegen ist deutlich anders strukturiert.
Das britische Schulwesen weist einige Eigenwilligkeiten
auf: Auf die freiwillige Vorschule (Nursery School) folgen die Infant
(5.-8. Lebensjahr) und die Junior School
(8.-12. Lebensjahr). Alternativ existiert die
First School (6.-9., manchmal auch bis zum
11. Lebensjahr), die von der Middle School
gefolgt wird. In der Sekundarstufe überwiegt die differenzierte
Comprehensive School (mit oder ohne Oberstufe bzw. einem dem deutschen
Abitur vergleichbaren Abschluss). Die Secondary Modern School entspricht
in etwa der deutschen Hauptschule. Daneben gibt es in Schottland und Nordirland
noch einige weitere Schultypen mit unterschiedlicher Ausrichtung und
Altersstaffelung.
Neben dem mit zahlreichen berühmten Namen
verbundenen traditionsreichen Hochschulwesen
(Oxford,
Cambridge
etc.) wurde in den sechziger Jahren mit den Polytechnics ein der
deutschen Fachhochschule entsprechender Ausbildungszweig geschaffen.
Demgegenüber ist die berufliche Bildung wenig bis überhaupt nicht in
allgemein verbindlichen Ausbildungswegen organisiert. Betriebe unterhalten
häufig eigene Ausbildungseinrichtungen oder entsenden ihre Mitarbeiter auf
private Berufsschulen. Staatliche Initiativen wie das 1983 ins Leben gerufene
Youth Training Scheme (YTS), Fortbildungs- und Umschulungsprogramme
(Job Training Scheme, JTS) versuchen in neuerer Zeit, die Defizite
abzubauen. Einen hohen Stellenwert nimmt vor diesem Hintergrund die
Erwachsenenbildung (Further Education) ein, die, zum Teil über
Fernunterricht,
qualifizierte Abschlüsse vermittelt.
Kunst
Das reiche kulturelle Erbe der Briten und ihr Reichtum
an Traditionen locken jedes Jahr mehr als
19 Millionen Besucher aus dem Ausland ins
Vereinigte Königreich. Zu den Hauptattraktionen gehören die
zahlreichen Theater, Museen, Kunstgalerien und historischen Gebäude, die
man in allen Teilen des Königreiches vorfinden kann, aber auch
Kunstfestivals sowie der Hofstaat des britischen Königshauses. Die
wachsende Tourismusbranche konnte gerade im Bereich der vielen vom
wirtschaftlichen Niedergang betroffenen, traditionellen Erwerbstätigkeiten
einen neuen Weg weisen; so wurden seit den achtziger Jahren mehr und mehr
„lebende“ Museen gegründet, in denen die ländliche und
industrielle Vergangenheit des Landes anschaulich dargestellt wird. Dieser
explosionsartig angewachsene Zweig der Tourismusindustrie trägt im
Englischen die Bezeichnung British heritage (etwa: britisches
Kulturerbe).
Die größte Konzentration an Theatern,
Orchestern und Galerien findet sich in London. So erscheint London oft als die
moderne britische Kulturhauptstadt schlechthin. Dabei sollte man jedoch nicht
vergessen, dass auch Schottland, Wales und Nordirland sowie die Regionen
Englands über ein lebendiges kulturelles Erbe verfügen und heute wie
in der Vergangenheit ihren Teil zur Kultur im Vereinigten Königreich
beitragen. Auch die Traditionen und Leistungen der verschiedenen ethnischen
Minderheiten spiegeln sich in der modernen britischen Gesamtkultur wider, vor
allem in den Bereichen Musik und Literatur. Bei Festivals wie dem Notting Hill
Carnival im Westen Londons wird dies besonders deutlich.
Die Künste haben in allen Ländern des
Vereinigten Königreiches ihre eigene lange Tradition und Geschichte. Unter
den frühesten Manifestationen der bildenden Künste im Vereinigten
Königreich war die Ornamentenkunst bedeutend. Sie zeigte häufig
Einflüsse skandinavischer Holzschnitzereien. Die Malerei beschränkte
sich während und nach der Christianisierung des Landes hauptsächlich
auf die Illustration von Handschriften. Nordirland hatte zu dieser Zeit Anteil
an der Blüte keltisch-christlicher Kunst in Irland. Auch im Bereich der
Metallbearbeitung und Bildhauerei fand reges künstlerisches Schaffen statt,
von der Bildhauerei zeugen vor allem noch die Steinkreuze aus Northumbria und
dem Südwesten Schottlands. Vom 12. bis zum
16. Jahrhundert entstanden die romanischen und
gotischen Kathedralen Englands als herausragende Kunstwerke ihrer Zeit. Im 17.
und 18. Jahrhundert führten Architekten wie
Inigo Jones
und Sir Christopher
Wren die Renaissance- und Barockarchitektur in England
ein.
Die Malerei des Vereinigten Königreiches war wie
die Architektur stark von den Entwicklungen auf dem europäischen Festland
beeinflusst. So wurden die herausragendsten Gemälde Englands vor dem
18. Jahrhundert von Ausländern geschaffen,
wie dem deutschen Maler Hans Holbein
dem Jüngeren im 16. und dem flämischen Maler
Sir Anthonis van
Dyck im
17. Jahrhundert. Im
18. Jahrhundert begann sich allmählich ein
eigenständiger britischer Stil in der Malerei herauszubilden, der sich vor
allem in den Werken der Porträtmaler
William
Hogarth, Sir
Joshua Reynolds,
Thomas
Gainsborough und
George Romney
in England sowie Sir Henry Raeburn in Schottland manifestierte. Gainsborough
trug zusammen mit den Malern John
Crome aus East Anglia und
Richard
Wilson aus Wales auch zur Entstehung der
Landschaftsmalerei Entscheidendes bei, die ja für die britische Malerei
besonders typisch ist. Spezifisch englische Stilrichtungen entstanden im
18. Jahrhundert aber auch im Bereich der
Möbel- und Porzellanmanufaktur. Sie fanden ihre gelungensten Darstellungen
im jeweiligen künstlerischen Schaffen von
Thomas
Chippendale,
Thomas
Sheraton und
Josiah
Wedgwood. Zur selben Zeit praktizierte
Capability
Brown einen naturalistischen Stil in der
Landschaftsgärtnerei, der als English style berühmt und in ganz
Europa nachgeahmt wurde.
Die erste Hälfte des
19. Jahrhunderts war die Schaffensperiode zweier
herausragender britischer Landschaftsmaler;
John
Constable und
J. M. W. Turner.
1848 gründeten mehrere Künstler eine Gruppe, die sich den Namen
Präraffaeliten gab. Ihre Mitglieder lehnten die inspirationslose britische
Malerei des mittleren 19. Jahrhunderts ab und
suchten Anregungen in der Kunst des Mittelalters und der frühen
Renaissance. Führende Künstler dieser Gruppe waren die Maler
William Holman
Hunt, Dante
Gabriel Rossetti und
Sir John Everett
Millais. Einflüsse der Kunst des Mittelalters
zeigten sich auch im Kunsthandwerk und der Gestaltung von
Gebrauchsgegenständen, vor allem im künstlerischen Schaffen von
William
Morris, dessen Textilien mit ihren Mustern nach wie
vor beliebt sind. Das von Morris gegründete
Arts and Crafts
Movement (1861) war die wichtigste Inspirationsquelle
des
Jugendstils,
der um die Jahrhundertwende aktuell war. In Schottland waren führende
Vertreter des Jugendstils in der Glasgower Schule zusammengeschlossen, darunter
die Architekten und Designer Arthur H. Mackmurdo
und Charles Rennie
Mackintosh. Das von Mackintosh entworfene Gebäude
der Glasgow School of Art ist eines der bekanntesten Beispiele dieses
Stils.
Kennzeichnend für die Kunst im
20. Jahrhundert ist die Abkehr vom Naturalismus
und Hinwendung zur Abstraktion, die zunehmende internationale Bedeutung
britischer Kunst und die Wiederentdeckung der Bildhauerei und Skulptur.
Jacob
Epstein,
Barbara
Hepworth,
Henry Moore
sowie in jüngerer Zeit Elisabeth Frink zählen zu den britischen
Bildhauern, die international berühmt wurden. Britische Maler, die vor dem
2. Weltkrieg Bedeutung erlangten, waren vor allem
Paul Nash,
Sir Stanley Spencer und Graham
Sutherland. Seit 1945 konnten beispielsweise Ben
Nicholson, Victor Pasmore, Francis
Bacon, David
Hockney und
Lucian Freud
auf sich aufmerksam machen.
Weitere Informationen zu Kunstgeschichte und Architektur
im Vereinigten Königreich siehe
angelsächsische Kunst und
Architektur;
keltische
Kunst; Kirche
(Gebäude);
elisabethanischer
Stil;
Georgian
Style;
gotische Kunst und
Architektur;
Neoklassizismus;
Hepplewhite-Stil;
Jacobean
Style;
normannische
Architektur;
Queen-Anne-Stil;
Präraffaeliten;
Regency;
romanischer
Stil;
St.-Ives-Schule;
Tudorstil;
viktorianischer
Stil.
Die Entwicklung der darstellenden Künste im
Vereinigten Königreich war in der Neuzeit hauptsächlich von den
Beiträgen Englands geprägt. Während der Regierungszeit
Elisabeths I. entstanden die ersten
öffentlichen Theater, die ein Sprachrohr für Dramenautoren wie
William
Shakespeare und
Christopher
Marlowe schufen. Das Londoner
Globe
Theatre, in dem auch Stücke von
Ben Jonson
aufgeführt wurden, war eine der ersten kommerziellen Bühnen im
Vereinigten Königreich. Es wurde zwar im
17. Jahrhundert vollkommen zerstört, wird
aber derzeit am Südufer der Themse, dem Originalstandort, als exakte
Nachbildung wieder aufgebaut. Im 16. Jahrhundert
tat sich auch eine Gruppe von Komponisten, vor allem
John
Taverner,
Thomas Tallis
und William
Byrd, hervor; sie schrieben unvergessliche sakrale
Musik und begründeten die Chormusik, die innerhalb der englischen Musik
seither über eine ausgeprägte Tradition verfügt. Auch die
weltliche Musik erlebte zu dieser Zeit eine Blüte. Hier ist erneut William
Byrd sowie die Komponisten John
Dowland,
Thomas Morley
und Orlando
Gibbons zu nennen.
Die Restaurationsepoche in England ab 1660 brachte neue
Entwicklungen im Bereich des Theaters, die sich bis ins
18. Jahrhundert hinein fortsetzten. Die aus
Irland stammenden Dramatiker George
Farquhar,
Oliver
Goldsmith und
Richard Brinsley
Sheridan schrieben geistreich-witzige, oft von
beißendem Humor durchzogene Gesellschaftskomödien, die zum Inbegriff
des Restoration Drama wurden. Der führende englische Dramatiker
dieser Epoche war William
Congreve. Im späten
17. Jahrhundert entstanden die ersten Opern im
Vereinigten Königreich, deren gelungenste, Dido and Aeneas, von
Henry Purcell
stammt, dem einzigen bedeutenden britischen Komponisten jener Zeit. Der aus
Deutschland stammende Komponist Georg
Friedrich Händel ließ sich 1712 in London
nieder und beherrschte mit seinen Opern und Oratorien die Musikszene des
18. Jahrhunderts.
Im 19. Jahrhundert
entstanden nennenswerte Leistungen in den Bereichen Theater und Musik erst nach
1870: Im damaligen Victoria-Theater wurde die Sittenkomödie nach Vorlagen
von Sir Arthur Wing
Pinero und
Oscar Wilde
zu neuem Leben erweckt, und Sir Arthur
Sullivan und
Sir William
Gilbert produzierten unvergessliche komische Opern. Zu
Beginn unseres Jahrhunderts entstanden auch zwei spezifisch britische Formen des
Boulevardtheaters, die Music Hall und die Pantomime. Die Music Hall war ein
Varieté mit komischen Einlagen, artistischen Nummern und häufig
anzüglichen Liedern. Sie starb nach dem
2. Weltkrieg aus, ihr Einfluss ist aber nach wie
vor in der Pantomime und in manchen gegenwärtigen Formen der britischen
Komödie spürbar. Die Pantomime geht ursprünglich auf die
italienische Commedia
dell’arte zurück, mit der sie jedoch
inzwischen nichts mehr gemeinsam hat. Sie wird eigentlich nur in der
Weihnachtszeit aufgeführt und ist eine Darstellung von Märchenstoffen
mit den Mitteln von Lied, Tanz und Slapstick, mit aufwendiger Kostümierung
und unter Einbeziehung des Publikums. Für viele britische Kinder ist die
Pantomime der erste Kontakt mit dem Theater.
Die berühmtesten britischen Komponisten um die
Jahrhundertwende waren Sir Edward
Elgar und
Frederick
Delius, in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts traten
Ralph Vaughan
Williams und
Sir William
Walton hervor. Nach 1945 bekannt gewordene britische
Komponisten sind u. a.
Sir Peter Maxwell
Davies,
Richard Rodney
Bennett und
Sir Harrison
Birtwistle. Im
20. Jahrhundert erlebte auch die Oper im
Vereinigten Königreich im künstlerischen Schaffen von
Sir Michael
Tippett und
Benjamin
Britten eine neue Blüte. Im späteren
20. Jahrhundert war das Vereinigte
Königreich auch ein Nährboden der Pop- und Rockmusik, beginnend mit
den Beatles
und den Rolling
Stones in den sechziger Jahren. Das musikalische Werk
Sir Andrew Lloyd Webbers machte das Musical in den ausgehenden achtziger und
frühen neunziger Jahren zur beliebtesten Form des Musiktheaters im
Vereinigten Königreich.
Auch das Interesse an klassischer Musik, Oper und Tanz
hat seit 1980 merklich zugenommen. Das Vereinigte Königreich unterhält
zahlreiche professionelle Orchester. Führend sind das London
Philharmonic, das London Symphony, das Royal Liverpool
Philharmonic, das Hallé in Manchester, das City of
Birmingham Symphony sowie das Ulster und das Royal Scottish
Orchestra. Berühmte Kammerorchester sind das English Chamber
Orchestra, die Academy of Saint Martin-in-the-Fields und die
Bournemouth Sinfonietta. Der britische Fernsehsender
British Broadcasting
Corporation (BBC) unterhält sechs Orchester und
ist Sponsor eines äußerst populären, jährlich
stattfindenden Musikereignisses, der Promenade Concerts in der
Royal Albert
Hall. Neben dem Ensemble des Royal Opera House mit
Sitz in Covent Garden in London hat jedes Land des Vereinigten Königreiches
ein nationales Opernensemble, das vorwiegend auf Englisch singt. Die in Leeds
angesiedelte Opera North gibt Gastspiele im Norden Englands. Jeden Sommer
findet in Glyndebourne (East Sussex) ein Opernfestival statt, an dem
internationale Stars teilnehmen. In der Sommersaison 1994 wurde ein für
33 Millionen Pfund Sterling erbautes Auditorium
eröffnet.
Das Royal
Ballet, das Birmingham (früher
Sadler’s Wells) Royal Ballet, das English National Ballet
und das Northern Ballet Theatre zählen zu den führenden
Tanztheatern der Welt. Das Ballet
Rambert ist die erste Truppe des Vereinigten
Königreiches im modernen Tanz. Weitere renommierte Ensembles sind
Diversions mit Sitz in Cardiff, Adzido Pan African Dance Ensemble
und Shobana Jeyasingh Dance Company.
Das Theater der frühen zwanziger Jahre wurde vom
Revuetheater sowie den Komödien
Sir Noël
Cowards beherrscht. Seit dem
2. Weltkrieg zeigt sich im britischen Theater
eine Tendenz zum Sozialrealismus, die erstmals in den Stücken
John Osbornes
zum Ausdruck kam. Aber auch die Tradition der witzig-geistreichen
Verwechslungskomödie fand im Werk
Alan
Ayckbourns ihre Fortsetzung. Weitere namhafte
Dramatiker der Nachkriegszeit sind
Harold
Pinter,
Arnold
Wesker, John
Arden, Tom
Stoppard,
Peter Shaffer
und Caryl
Churchill. Das literarische Schaffen dieser Dramatiker
hat in Verbindung mit den darstellerischen Leistungen berühmter britischer
Bühnenschauspieler wie etwa Lord Olivier,
Sir Alec
Guinness, Sir
John Gielgud, Dame Sybil Thorndike, Dame Judi Dench,
Dame Maggie Smith, Sir Ian McKellen,
Kenneth
Branagh,
Vanessa
Redgrave und Emma Thompson dazu beigetragen, das
Vereinigte Königreich seit 1945 zu einem der weltweit interessantesten
Theaterschauplätze zu machen. Gegenwärtig gibt es über 300
professionelle Theater im Vereinigten Königreich, davon allein 100 in
London und hiervon wiederum fast die Hälfte im Stadtteil West End. Des
Weiteren gibt es 300 professionelle Theatergruppen, manche mit festen
Aufführungsstätten, andere vorwiegend als Wandertruppen aktiv. Die
bekanntesten Schauspielhäuser des Landes sind das
Royal National
Theatre, Royal Court und
Old Vic in
London; das Crucible Theatre in Sheffield; das Bristol Old Vic
Theatre; das Nottingham Playhouse; das Citizen’s Theatre
in Glasgow; das Royal Exchange in Manchester; und das Festival
Theatre in Chichester. Die Royal
Shakespeare Company tritt im
Barbican Arts
Centre in London und im Royal Shakespeare
Theatre in
Stratford-upon-Avon
auf.
Im Vereinigten Königreich finden jährlich rund
650 Kunstfestivals statt, die über vier
Millionen Besucher anlocken. Neben dem Edinburgh Festival und dem Mayfest finden
auch in Belfast, Brighton, Buxton, Chichester, Harrogate, Llangollen, Malvern,
Pitlochry, Salisbury und York Festivals der Künste statt. Speziell im
Bereich der Musik sind das Three Choirs Festival, das Cheltenham Festival und
das Aldeburgh Festival zu nennen, letzteres wurde von Benjamin Britten und dem
englischen Tenor Sir Peter Pears ins Leben gerufen. Viele Städte richten
darüber hinaus ihre eigenen Festivals mit Darbietungen von
Amateurkünstlern aus.
Siehe auch
Kirchenmusik;
frühe
Musik.
Medien
Die Rechte zur Ausstrahlung von Fernseh- und
Radioprogrammen liegen bei der britischen Fernsehgesellschaft
BBC
(British Broadcasting Corporation), der unabhängigen
Fernsehbehörde ITC (Independent Television Commission) und der
Rundfunkbehörde (Radio Authority), allesamt
öffentlich-rechtliche Einrichtungen. Insgesamt besitzt das Vereinigte
Königreich vier Erdsendestationen und knapp
200 Radiostationen. Außerdem gibt es eine
Reihe von Satellitenfernsehsendern mit Sitz im Vereinigten Königreich sowie
eine wachsende Zahl von Kabelfernsehgesellschaften.
Die BBC wurde 1922 gegründet und wird auf der
Grundlage einer königlichen Charta geführt. Sie betreibt zwei
landesweite Fernsehprogramme sowie fünf nationale und rund 38 lokale
Radiosender. Finanziert wird sie vorwiegend über Lizenzgebühren und
zusätzliche Einkünfte aus Gewerbetätigkeiten. Die BBC
unterhält außerdem eine Vielfalt an Sendediensten im Ausland. Der
World Service, 1932 als Sender für das Empire gegründet und von der
öffentlichen Hand finanziert, bietet Programme in mehr als
38 Sprachen an und wird von einem Publikum von
schätzungsweise 120 Millionen Menschen
empfangen. 1991 gründete die BBC mit der World Service Television
ein Tochterunternehmen für den Betrieb des Satellitenfernsehens. Die
königliche Charta der BBC wird in regelmäßigen Abständen
erneuert, wobei meist intensive Gespräche zwischen der Gesellschaft und der
Regierung über Fragen der Finanzierung und andere Themen vorausgehen. Die
gegenwärtige Charta enthält auch die Empfehlung, die BBC noch
mindestens bis zum Jahr 2001 primär über Lizenzgebühren zu
finanzieren und in der Zwischenzeit nach Bedarf die Möglichkeiten einer
ganzen oder teilweisen Pivatisierung genauer zu untersuchen.
Die ersten regelmäßigen, unabhängigen
Fernsehprogramme wurden 1955 in London unter der Aufsicht einer
unabhängigen Fernsehbehörde (Independent Television Authority,
ITA) ausgestrahlt. 1972 erhielten die ersten unabhängigen Radiostationen
ihre Sendeerlaubnis, und die ITA wurde durch die Independent Broadcasting
Authority (IBA) ersetzt, die nun sowohl den Fernseh- als auch den
Radiobetrieb überwachte. Heute werden das vierte und fünfte Programm
des nationalen Fernsehens von unabhängigen Sendern ausgestrahlt; das dritte
Programm (ITV) wird von 15 regionalen Fernsehsendern und einem
Frühstücksfernsehsender gestaltet; das vierte Programm,
Channel 4, das 1984 gestartet
wurde, hat die Ausstrahlung von Sendungen für diverse Minderheitengruppen
zur Aufgabe. In Wales sendet über diesen Programmkanal ein
walisischsprachiger Anbieter, SC4. Er wird größtenteils mit
öffentlichen Mitteln finanziert, darüber hinaus finanziert sich jedoch
Channel 4, wie auch die Sender des
dritten Programmkanals, über Werbung und andere
Geschäftstätigkeiten. Weiterhin gibt es im Vereinigten Königreich
rund 150 unabhängige lokale Radiostationen und viele weitere sind in
Planung. Während der neunziger Jahre nahmen die ersten drei
unabhängigen landesweiten Radiosender den Betrieb auf;
Classic FM (1991),
Virgin 1215 (1993) und
Talk Radio UK
(1995).
Das Radio- und Fernsehgesetz von 1990 brachte die
Regelungen im Privatfernsehen und privaten Rundfunk auf einen neuen Stand, der
den jüngsten Entwicklungen in diesem Bereich, wie Satelliten- und
Kabelfernsehen, Rechnung trug. 1991 wurde die Behörde IBA durch die
Independent Television Commission (ITC) und die Radio Authority
ersetzt. Gleichzeitig wurde die Cable Authority, die
Aufsichtsbehörde für das Kabelfernsehen, in die zwei neuen
Körperschaften eingegliedert. Die ITC ist für die Vergabe von
Senderechten und andere Regelungen der Programmkanäle eins und zwei
verantwortlich, Senderechte für den Kanal drei werden auf der Basis des
freien Wettbewerbs vergeben. Die Behörde ist auch für den geplanten
fünften Programmkanal zuständig sowie für Kabeldienste, private
Teletextanbieter und Satellitendienste im Vereinigten Königreich. Der
Rundfunkbehörde obliegen entsprechende Aufgaben im Bereich des
Radiobetriebs.
Im Vereinigten Königreich werden rund
124 Tages- und Sonntagszeitungen herausgegeben,
davon 11 Tages- und
9 Sonntagszeitungen landesweit, sowie über
1 300 Wochenzeitungen.
Die landesweiten Zeitungen wurden früher allesamt in der Fleet Street im
Herzen Londons gedruckt, die dadurch zum Inbegriff der Zeitungsindustrie wurde.
Inzwischen wurden alle Verlags- und Druckeinrichtungen in andere Gegenden
Londons oder aber ganz aus der Hauptstadt weg verlegt. Die Besitzrechte für
die Landespresse sind hochgradig konzentriert. Drei Verlagsgruppen, nämlich
News International, im Besitz von
Rupert
Murdoch, die Mirror-Gruppe und United Newspaper
besitzen zusammen 13 Zeitungen. Die
Presselandschaft wird häufig in drei Marktkategorien unterteilt; die
seriösen oder „Qualitäts“-Zeitungen, ein
qualitätsmäßiges Mittelfeld und die Massenpresse. Zu den
seriösen Zeitungen, sie werden im Englischen auch als broadsheets,
„Großformatige“, bezeichnet, da sie auf großformatigem
Papier gedruckt werden, zählen die ältesten und angesehensten
britischen Zeitungen, wie die Times (gegründet 1785), der
Guardian (1821), der Daily Telegraph (1855), die Financial
Times (1888), der Independent (1986) und der Observer (1791),
letztere eine Sonntagszeitung. Zur zweiten und dritten Gruppe der Massenpresse
gehören die Sun (1964), der Daily Mirror (1903) und der
Daily Star (1978). Sie werden im Englischen auch als tabloids
bezeichnet, was auf ihr kleineres Papierformat anspielt. Typisch für die
Massenblätter sind Sensationsstorys und umfangreiches Bildmaterial. Infolge
ihrer hohen Auflage sind sie sehr einflussreich.
Darüber hinaus werden im Vereinigten
Königreich fast 7 000 monatlich oder
wöchentlich erscheinende Zeitschriften veröffentlicht. Zu den
renommiertesten gehören New Scientist, New Statesman and
Society, der Spectator, der Economist und das Times
Literary Supplement. Das Vereinigte Königreich besitzt außerdem
zahlreiche berühmte Buchverlage.
Politik und Verwaltung

Das Vereinigte Königreich ist eine parlamentarische
Monarchie. Sie gründet auf einer ungeschriebenen,
d. h. nicht in Form eines einzigen Dokuments
niedergelegten Verfassung, die sich im Verlauf von Jahrhunderten entwickelte und
auf geschriebenes Gesetzesrecht (Statute Law), Gewohnheitsrecht
(Common Law: beruht auf juristischen Präzedenzfällen) und
Konventionen zurückgreift. Die Verfassung kann durch ein Parlamentsgesetz,
durch eine allgemeine Übereinkunft und durch richterliche Entscheidungen
verändert werden, wodurch sie den sich wandelnden politischen Gegebenheiten
angepasst werden kann (siehe
englische
Verfassung). Die Grundprinzipien der Verfassung und
Verfassungspraxis finden in den Regierungseinrichtungen ihren Ausdruck, die sich
zwar in ihren Funktionen berühren, jedoch grundsätzlich
eigenständige Institutionen bilden. Diese Einrichtungen sind die Krone, die
Regierung und das
Kabinett, der
Privy Council (Geheimer Rat) und das
Parlament.
Siehe Parliament, Houses
of.
Die Monarchie
Der Monarch des Vereinigten Königreiches ist das
Staatsoberhaupt und damit dem Gesetz nach Oberhaupt der Exekutive, wichtiges
Element der Legislative, Oberhaupt der Judikative, Oberbefehlshaber der
königlichen Truppen und Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche
(Church of England). Darüber hinaus ist er Oberhaupt des
Commonwealth of
Nations und Staatsoberhaupt der
15 Commonwealth-Staaten. Das Amt des Monarchen
ist erblich; es geht an die Söhne des Königshauses in der Reihenfolge
ihrer Geburt über oder an die Töchter, sofern keine Söhne
vorhanden sind. Der Act of Settlement, ein Erbfolgegesetz aus dem Jahr
1700, legte fest, dass nur protestantische Nachfahren von Prinzessin Sophia,
Kurfürstin von Hannover und Enkelin von König
Jakob I.
von England und VI. von Schottland, die Thronfolge antreten dürfen. Die
gegenwärtige Monarchin Königin
Elisabeth II.
bestieg den Thron am 6. Februar 1952, nach dem
Tod ihres Vaters König
Georg VI.
Thronerbe ist ihr ältester Sohn Charles, Prinz von Wales.
Die Monarchie ist die älteste der
Regierungsinstitutionen des Vereinigten Königreiches. Sie geht auf den
sächsischen König
Egbert
zurück, der 829 England unter seiner Herrschaft vereinte. Die ehemals
uneingeschränkte Macht des Königs wurde jedoch nach und nach
beschnitten. Heute handelt der Monarch auf die Empfehlungen seiner Minister hin,
die nach verfassungsmäßigem Recht nicht übergangen werden
können. In der Praxis bedeutet dies, dass das Vereinigte Königreich
heute von der Regierung ihrer Majestät im Namen der Königin und mit
Zustimmung des Parlaments regiert wird. Innerhalb dieses Rahmens kommen dem
Monarchen spezifische Funktionen zu, die als elementare Bestandteile der
verfassungsmäßigen Regierung des Vereinigten Königreiches zu
betrachten sind. Daher existieren auch für den Fall, dass der Monarch sein
Amt nicht mehr ausüben kann oder noch minderjährig ist, gesetzlich
festgelegte Bestimmungen zur Ernennung eines Regenten. Zu den spezifischen
Funktionen des Monarchen gehören die Einberufung, Vertagung und
Auflösung des Parlaments und die Zustimmung zu Gesetzesvorlagen, die in
beiden Kammern des Parlaments verabschiedet wurden. Ohne diese königliche
Zustimmung kann kein Gesetz in Kraft treten. Der Monarch ist auch für die
offizielle Ernennung des Premierministers und der Regierungsminister
zuständig sowie für die Ernennung von Richtern, Offizieren der
Streitkräfte, Gouverneuren, Diplomaten, Bischöfen und
Erzbischöfen sowie anderen höheren Geistlichen der anglikanischen
Staatskirche. Der Monarch verleiht Ehrentitel und Auszeichnungen, hat als
Staatsoberhaupt das alleinige Recht, Krieg zu erklären und Frieden zu
schließen, ausländische Staaten anzuerkennen und Verträge
abzuschließen. Im Rahmen des Regierungsalltags kommt dem Monarchen das
Recht zu, zu allen die Nation betreffenden Fragen konsultiert zu werden, wobei
er zu absoluter Unparteilichkeit verpflichtet ist. Die Königin sitzt
Treffen des Privy Councils (siehe unten) vor, empfängt
regelmäßig den Premierminister, erhält Berichte über
Kabinettsentscheidungen und unterzeichnet Staatspapiere.
Exekutive

Die Exekutivgewalt der Staatsmacht liegt zwar im
Vereinigten Königreich formal beim Monarchen, wird jedoch in der Praxis
durch die Regierung ausgeübt. Die Regierung umfasst die Gesamtheit der
Minister, an deren Spitze der Premierminister steht. Sie benötigt für
ihre Amtsausübung die Unterstützung der Mehrheit der
Parlamentsmitglieder, also der Abgeordneten im Unterhaus oder House of Commons.
De facto bedeutet dies, dass die Regierung von der stärksten Partei im
Unterhaus gebildet und der Premierminister vom Parteiführer derselben
gestellt wird. Allerdings wurden in jüngerer Zeit, vor allem während
der zwei Weltkriege, die Regierungen häufig durch Koalitionen
größerer Parteien gebildet, oder es kam zu einer Minderheitsregierung
(ohne Mehrheit im Unterhaus), wie beispielsweise 1974 und 1979, als die
Labour Party ohne eigene Parlamentsmehrheit an der Regierung bleiben
konnte, da die Liberale Partei bei Abstimmungen im Allgemeinen Labour
unterstützte.
Das Amt des Premierministers bildete sich im
18. Jahrhundert unter der Regierung
Robert
Walpoles, wurde aber erst 1905 in der Verfassung
verankert. Der Premierminister, er wird vom Monarchen ernannt, wählt seine
Minister in der Regel aus dem Unterhaus, sie können jedoch auch der zweiten
Kammer des Parlaments, dem Oberhaus oder House of Lords, angehören.
Im 20. Jahrhundert ist es üblich geworden,
dass der Premierminister immer ein Mitglied des Unterhauses ist.
Traditionsgemäß trägt er außerdem den Titel eines Ersten
Lords des Schatzamtes (First Lord of the Treasury) und ist
zuständiger Minister für das Berufsbeamtentum. Zu seinen Befugnissen
gehört auch die Empfehlung von Personen für zahlreiche Ämter,
für die das Ernennungsrecht eigentlich beim Monarchen liegt. Darunter
fällt die Ernennung der oberen Geistlichen in der anglikanischen
Staatskirche, der Richter, der Mitglieder des Privy Council, des
Poeta
laureatus und des Constable des
Tower von
London.
Minister, die einem Regierungsministerium vorstehen und
Kabinettsmitglieder sind, tragen im Englischen meist die Bezeichnung
Staatssekretäre (secretaries of state). Eine Ausnahme ist der
Vorsitzende des Landwirtschaftsministeriums, der als Landwirtschaftsminister
bezeichnet wird. Einige Minister tragen historische Titel, beispielsweise der
Finanzminister, der als Schatzkanzler (Chancellor of the Exchequer)
bezeichnet wird. Neben den Kabinettsministern gibt es in den jeweiligen
Ministerien weitere untergeordnete Regierungsbeamte mit Ministerrang, wie
Ressortminister und parlamentarische Staats- oder
Unterstaatssekretäre.
Die oberste Regierungsgewalt liegt beim Kabinett, das
die eigentlichen politischen Entscheidungen trifft und sie durchführt sowie
für die Zusammenarbeit der Ministerien zuständig ist. Normalerweise
gehören dem Kabinett 15 bis 20 Mitglieder
an, die vom Premierminister ausgewählt und vom Monarchen ernannt werden.
Das Kabinett umfasst die Kabinettsminister, die den jeweiligen Ministerien
vorstehen, einige Minister ohne festen Geschäftsbereich aber mit
traditionellen Ämtern, z. B. der
Lordpräsident des Geheimen Staatsrates (Lord President of the
Council), der Oberste Zahlmeister (Paymaster General, für Lohn
und Gehalt im öffentlichen Dienst zuständig) und der
Lordsiegelbewahrer (Lord Privy Seal), sowie mitunter auch Ressortminister
(so genannte Ministers of State), die ins Kabinett berufen wurden. Das
Kabinettssystem entwickelte sich im Verlauf des
18. Jahrhunderts aus den informellen
Zusammenkünften der Mitglieder des Privy Council (Geheimer Rat);
diese, ebenfalls Regierungsminister, pflegten politische Beratungen und
Entscheidungen in relativ kleinen Ausschüssen vorzunehmen, da dies
einfacher und effektiver war. Zwei Grundsätze der Kabinettspolitik sind die
kollektive und die ministerielle Verantwortlichkeit. Kollektive
Verantwortlichkeit bedeutet, dass das Kabinett einstimmig agiert, auch wenn
nicht alle Kabinettsmitglieder zu einem Thema einer Meinung sind. Die politische
Linie der Minister muss mit der der Regierung als Ganzes übereinstimmen.
Ministerielle Verantwortlichkeit besagt, dass die Minister für die
Vorgänge in ihrem Ministerium verantwortlich sind und dafür vor dem
Parlament zur Verantwortung gezogen werden können. Sie tragen die
Konsequenzen für jegliche Fehlleistungen im Bereich der Verwaltung oder der
politischen Arbeit ihres Ministeriums.
Der Privy Council (Geheimer Rat)

Vor der Herausbildung des Kabinettssystems war der
Privy Council das Hauptinstrument der Exekutive im Staat. Seine
Ursprünge können bis an den Hof der normannischen Könige
zurückverfolgt werden. Die meisten seiner früheren Funktionen [...]

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