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Studie Energie - Sonnige Zukunft: Energieversorgun
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Fachbereich: |
Physik
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Woerter |
11800
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Kurzbeschreibung |
STUDIE ENERGIE Sonnige Zukunft: Energieversorgung jenseits von Öl und Uran Inhalt VORWORT des Herausgebers ZUSAMMENFASSUNG Der Ausstieg ist machbar Sparen als neue Energiequelle Der Greenpeace-Standpunkt ERSTER TEIL B...
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Studie Energie - Sonnige Zukunft: Energieversorgun
STUDIE ENERGIE
Sonnige Zukunft: Energieversorgung jenseits von Öl und Uran Inhalt VORWORT des Herausgebers ZUSAMMENFASSUNG Der Ausstieg ist machbar Sparen als neue Energiequelle Der Greenpeace-Standpunkt ERSTER TEIL Bilanz der Energieverschwendung Die Plünderung der Energieressourcen Temperaturanstieg ohne gleichen Grenzen der Ausbeutung: das Problem Entsorgung Klima in Gefahr Der natürliche Treibhauseffekt Der künstliche Treibhauseffekt Katastrophe als Dauerzustand? Unberechenbar: die Rückkopplungen Die globale Erwärmung: Indizien Umwelt in Gefahr Erst sterben die Wälder..., Umweltverschmutzer Auto Die tägliche Ölpest Atomenergie: geringer Nutzen, große Gefahren ZWEITER TEIL Greenpeace-Szenario Das Greenpeace-Szenario und seine Prämissen Quellen und Modelle Keine technologische Revolution auf dem Energiesektor Energiesparen als Quelle der Zukunft Erneuerbare Energien erobern den Markt Die Industrie spart Energie Wirtschaft und Bevölkerung wachsen Die Haushalte: gleicher Komfort, weniger Energie Transport und Verkehr: Vier Szenarien Dienstleistung: riesiges Sparpotential Ziele Die Ziele des alternativen Energiezenario Treibhauseffekt eindämmen Ausstieg aus fossiler Energie Globale Angleichung der Einkommen Ergebnisse Das alternative Energiesystem Geschütztes Klima Umbau des Energiesystems Maßnahmen zum Umbau des Energiesystems Preispolitik: Keine Subventionen für fossile Energie Energiemarkt: Bessere Chancen für Alternativen Forschung: Alternativen nicht zum Nulltarif Transport und Verkehr: Maßnahmenbündel Nord-Süd: Gefälle überwinden Internationale Abkommen: Wo ein Wille ist..., Internationale Energieagenturen: Neuer Wind Kosten Keine Mehrkosten für das neue Energiesystem Externe Kosten: Was kostet ein Menschenleben? DRITTER TEIL Ausblick Über das Modell hinaus Ökologische Grenzen respektieren Jahrzehnt der Entscheidung Literaturliste Die vorliegende Kurzfassung basiert auf dem Report: "Towards a fossil free energy future The Next Energy Transition" (FFES) desBoston Center des Stockholm Environment Institute (Bestelladresse: GreenpeaceInternational, Keizersgracht 176, 1016 DW Amsterdam, Niederlande) im Auftrag vonGreenpeace International, 1993 Vorwort des Herausgebers "Was die Welt uns geben kann, reicht für die Bedürfnisse, abernicht für die Habgier aller Menschen" - Mahatma Gandhi – Kohlendioxid (CO2)ist das bedeutendste Klimagas und damit verantwortlichfür mehr als die Hälfte des künstlichen Treibhauseffekts. CO2entsteht, wenn fossile Energieträger - Kohle, Erdöl, Erdgas -verbrannt werden, also bei fast allen Tätigkeiten in der industrialisiertenWelt. Jährlich beträgt der weltweite Ausstoß von CO2 22Milliarden Tonnen, wobei die Industrienationen 75 Prozent in die Luft blasen. Forscher des Intergovernmental Panel on Climate ein Pool der weltweitangesehensten kamen in ihrem Bericht "Wissenschaftliche Einschätzung desKlimawandels" zu folgendem Schluß: Die vom Menschen verursachtenEmissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen müssen sofort um 60Prozent reduziertwerden, falls ein Interesse besteht, die Erwärmung derErde auf dem jetzigen Level einzufrieren. Wie die dafür nötige Wende in der Energiepolitik aussehen kann,hat Greenpeace bereits mehrfach beschrieben. Ende 1991 erschien unter dem Titel"Ein klimaverträgliches Energiekonzept für (Gesamt-) Deutschland -ohne Atomstrom" eine Studie, die eine ökologisch wie ökonomischsinnvolle Alternative zur hiesigen Energiepolitik skizziert. 1992 gingGreenpeace mit einer Studie über "Least Cost Planning" auf ein zentralesElement für den Umbau der Energiewirtschaft ein. In der hier vorliegenden Publikation wird Greenpeace den weltweitenAusstieg aus nuklearen und fossilen Energieträgern als langfristigmachbaren und erforderlichen Weg darstellen. Wie dringend radikale Eingriffe indie Energiepolitik sind, zeigen die folgenden Trends: - Die größteinternationale Umweltkonferenz, die 1992 in Rio stattgefunden hat,verabschiedete lediglich eine unverbindliche Klimakonvention, die denUnterzeichnern keine Verpflichtungen zur Senkung der CO2- Emissionen auferlegte.- Die deutsche Regierung faßte 1990 den Beschluß, die CO2-Emissionen hierzulande um 25 bis 30 Prozent bis zum Jahr 2005 zu drosseln - unddabei blieb es. Bisher gibt es nicht im Ansatz Aktivitäten, um dieses Zielin die Tat umzusetzen. - Obwohl die dramatischen Auswirkungen auf das Klimahinreichend bekannt sind, steigen die CO2-Emissionen noch. Schätzungenzufolge werden bis zum Jahr 2010 weltweit 30 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr indie Luft geschleudert - Tendenz steigend. – In Schwellenländern wieChina, Indien, Lateinamerika oder der GUS werden die energiepolitischen Weichenjetzt gestellt. Was dort heute etabliert wird, prägt die kommendenfünfzig Jahre. Die Industrienationen, hauptverantwortlich für die Klimaänderung,zeigen nicht die geringste Neigung, die von ihnen angestoßene Entwicklungumzukehren. Im Gegenteil: Sie "exportieren" das westliche System der Energie-und Ressourcenverschwendung in die Länder des Südens. SkrupellosesWirtschaften aber untergräbt die Existenz des gesamten Planeten, derUmweltschutz gerät zunehmend ins Abseits. Die Wirtschaft könne weitere"Belastungen" nicht verkraften, tönt es aus den Schaltstellen vonWirtschaft und Politik im Hinblick auf die Rezession. Ob die Umwelt weitereLasten tragen kann, wird nicht diskutiert und das, obwohl die gesamte weitereExistenz des homo sapiens auf tönernen Füßen steht. Die gegenwärtige wirtschaftliche Krise ist keine vorübergehendeRezession, sondern eine tiefgreifende Strukturkrise unseres Wirtschaftssystems.Greenpeace ist der Ansicht, daß eine ökologisch ausgerichtete Reformdes Wirtschaftssystems überfällig ist. Ein Beispiel: Viele Produktedes täglichen Bedarfs - von der Waschmaschine bis zum Fotoapparat - sindselbst bei kleineren Defekten nur teuer oder gar nicht zu reparieren.Häufig ist es billiger, gleich ein neues Gerät zu kaufen, das altelandet nach kurzem Gebrauch auf dem Müll. Der Grund dafür ist,daß die Kosten für Ressourcen (Energie und Material) niedrig und dieAbgaben für Arbeitskraft (Lohnsteuer) hoch sind. So gehen Verschwendungund Rationalisierung von Arbeitskräften Hand in Hand. Diese Entwicklungsollte umgekehrt werden, indem die Ressourcen teurer, die staatlichen Abgabenauf die Löhne niedriger werden - mit dem Effekt einer ökologischverträglichen Produktion: mit weniger Materialeinsatz und mehr Arbeit. Matthias Stüwe Dezember 1993 Zusammenfassung Der Ausstieg ist machbar Die vorliegende Studie, die von unabhängigen Stellen, darunter dembekannten "Boston Centre des Stockholm Environment Institute" fürGreenpeace erarbeitet wurde, beweist: Ein schrittweiser Ausstieg aus fossilenEnergieträgern bis 2100 und das rasche Ende der Atomenergie bisspätestens 2010 sind technisch und wirtschaftlich machbar. An die Stelleder fossilen Brennstoffe treten allmählich effiziente Energietechniken underneuerbare Energiequellen. Mit diesen Maßnahmen ließen sich dieglobalen Kohlendioxidemissionen binnen vierzig Jahren um die Hälfte und biszum Jahr 2100 auf Null senken. Dem aberhaben viele Befürworter fossilerEnergieträger immer vehement widersprochen. 2 Nach Einschätzung derWissenschaftler ist ein Umbau des Energie-Systems machbar, ohne die Wirtschaftaus den Angeln zu heben oder mit Mehrkosten zu belasten. Dazu müssenGelder, mit dem der Staat ohnehin das Energiesystem beeinflußt, konsequentin Spartechnologien und erneuerbare Energien umgelenkt werden. StaatlicheEingriffe in das Energiesystem haben eine lange Tradition, bedenkt man die achtMilliarden Mark Subventionen für die deutsche Steinkohle oder dieamerikanischen Steuervergünstigungen für die Förderung vonErdöl. Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle wird auf der politischenBühne entschieden. Sparen als neue Energiequelle Die Industrieländer, als maßgebliche CO2-Verursacher, nehmen beider Reduktion eine Schlüsselrolle ein. Sie müssen nun damit beginnen,einen Prozeß umzukehren, den sie selbst verursacht haben. Derallmähliche Ausstieg aus fossilen Brennstoffen geht Hand in Hand mit derEinführung effizienter Energienutzung und einer umfassendenErschließung umweltschonender, erneuerbarer Energiequellen wie Sonnen- undWindenergie, Biomasse und kleineren Wasser- und Erdwärmekraftwerken.Erneuerbare Energien, die gegenwärtig 14 Prozent der weltweitenEnergieversorgung gewährleisten, würden nach diesem Szenario im Jahr2030 mehr als 60 Prozent der benötigten Energie liefern und im Jahr 2100den globalen Gesamtenergiebedarf decken. Atomstrom würde nur noch bisspätestens 2010 zum Einsatz kommen. Wenn dieses Szenario verwirklicht wird,ließen sich die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um die Hälftedrosseln. Dadurch verringerte sich der Temperaturanstieg von 0,3 Grad Celsiuspro Jahrzehnt binnen 30 Jahren auf 0,1 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Allerdingsmüßte mit dem Umbau der Energiewirtschaft sofort begonnen werden.Für jedes Jahrzehnt, das ohne einen radikalen Wandel in der Energiepolitikverstreicht, muß mit einer zusätzlichen Temperaturerhöhung um0,4 Grad Celsius gerechnet werden. Der Greenpeace-Standpunkt Den rechnerischen Simulationen liegen Prognosen der Weltbank, des IPCC(Intergovernmental Panel on Climate Change) und der Vereinten Nationen zurWirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung zugrunde. Deren Voraussagenberuhen auf konservativen Annahmen: daß Wirtschaft und Bevölkerungweiter wachsen, daß der auf Konsum ausgerichtete Lebensstil derIndustrienationen nicht angetastet wird und neue Technologien nur begrenztverfügbar sind. Greenpeace teilt diese wachstumsorientiertenEinschätzungen nicht. Das alternative Energie-szenario "Fossil Fuel EnegyScenario" (FFES) legt sie zugrunde, um mit anderen Szenarien, etwades IPCC,vergleichbar zu sein. Greenpeace geht davon aus, daß sich dieIndustrienationen in Zukunft die Frage nach dem "Wieviel" stellen und sich amPrinzip "Genug" orientieren müssen: das heißt, ein begrenzter Konsumpro Kopf und eine Industrie, die nicht mehr auf unbegrenztes Wachstum setzt. Einanhaltendes Wirtschaften in Richtung Grenzen verfügbarer Ressourcenbrächte irgendwann ähnliche politische und militärische Konflikteum Edelmetalle, Wasser oderHolz wie sie schon heute um Öl toben. Auch diewachsende Weltbevölkerung, die das Szenario zugrundelegt, hat langfristigentscheidenden Einfluß auf den Energie- bzw. Rohstoffverbrauch insgesamt.Aber selbst auf der Basis derkonservativen Annahmen des Szenarios ist an demErgebnis nicht zu rütteln: Die Welt kann in Zukunft ohne fossileBrennstoffe und Atomenergie auskommen. Der Einsatz fossiler Brennstoffe fürweitere hundert Jahre, wie die Studie ihn vorsieht, birgt allerdings Gefahren.Eine ernsthafte Beeinträchtigung des Klimas und der Ökosysteme derErde ist nicht mit Sicherheit auszuschließen. Mit dem vorliegendenSzenario kann lediglich die schlimmstmöglicheEntwicklung verhindertwerden. Die Auswirkungen eines globalen Temperaturanstiegs sind jedoch kaumkalkulierbar. Das sollte Grund genug sein, Vorsorge zu treffen und dieCO2-Emissionen noch scheller als hier vorgesehen zu drosseln. Die Studieoffenbart darüberhinaus, daß technikorientierte Antworten mittel- undlangfristig nicht mehr greifen werden und die Diskussion um Klimaschutz, bzw.Ökologie allgemein eine neue Qualität erhalten müssen. Dazugehören Überlegungen zur Eingrenzung des Bevölkerungswachstums,zur Gestaltung eines fairen Nord-Süd-Verhältnisses und zu einem Wandeldes Lebensstils in den Industrienationen. In diesem Sinne liefert die StudieBausteine zu einer globalen Erdschutzpolitik. Bilanz der Energieverschwendung Die Plünderung der Energieressourcen Mehr als 400 Millionen Jahre vergingen, bis durch chemischeUmwandlungsprozesse und Photosynthese aus organischen"Abfällen" der Naturdie fossilen Bodenschätze der Erde entstanden. Heute verbrennt dieMenschheit an einem Tag mehr fossile Energie als sich in tausend JahrenErdgeschichte gebildet haben. Seit Beginn der industriellen Revolutionkletterteder Energieverbrauch stetig. Im Zeitraum von 1860 bis 1985 stieg er um das60fache. Zwischen 1970 und 1990 wurde die unglaubliche Menge von 450 MilliardenBarrel (1 Barrel = 119,228 Liter) Erdöl, 90 Milliarden Tonnen Kohle und 31Billionen Kubikmeter Erdgas verbrannt. Der Zugriff auf die Ressourcen ist höchst ungleich verteilt: 72Prozent der Energie wird von den Industrienationen - das sind ein Viertel derWeltbevölkerung - beansprucht. Ein Europäer verbraucht beispielsweisedurchschnittlich 10 bis 30 mal mehr kommerziell gelieferte Energie als einBewohner des Landes der "Dritten Welt"; die Nordamerikaner bringen es auf das40fache. Damit emittieren die Bewohner des Nordens80 Prozent allerTreibhausgase, die die Erde künstlich aufheizen. Temperaturanstieg ohnegleichen Im vergangenen Jahrzehnt sind zahlreiche Studien über die Zukunftvon Energiewirtschaft und Klima erschienen - mit düsteren Vorhersagen:Trotz Treibhauseffekts ist in den kommenden vierzig Jahren mindestens mit einerVerdoppelung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und mit einem nochstärkeren Ausbau der Atomenergie zu rechnen – wenn die Menschen mitder Verschwendung fortfahren. Das belegen Szenarien vom Intergovernmental Panelon Climate Change (IPCC) beziehungsweise von der amerikanischen EnvironmentalProtection Agency (USEPA): Nach beiden Modellen erhöht sich der Verbrauchfossiler Brennstoffe bis zum Jahr 2030 um mehr als das Doppelte. DieKohlendioxidemissionen würden sich bis zum Jahr 2030 weltweit verdoppelnund bis 2100 um 350 bis 450 Prozent erhöhen. Inwieweit sich als Folgehiervon der CO2-Gehalt in der Atmosphäre erhöht, ist von mehrerenFaktoren abhängig, z.B. davon, wieviel CO2 in den Ozeanen oder derVegetation gespeichert wird, wie schnell die Zerstörung derRegenwälder voranschreitet und welche anderen Effekte hinzukommen(s.Rückkopplungseffekte). Die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages geht davon aus,daß sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre bei Fortführung derbisherigen Energiepolitik bis zum Jahr 2025 verdoppeln wird.4 Andere Autorensagen eine Verdoppelung bis zum Jahr 2060 voraus.5 Dies bedeutete nachEinschätzung der Autoren des "Fossil free energy scenario" (FFES) bis zumJahr 2100 einen in der Geschichte beispiellosen globalen Temperaturanstieg umvier Grad Celsius, evtl. sogar mehr. Die Folgen für das Klima wärenfatal: Auch wenn die Prognosen im Detail variieren, teilen alle Wissenschaftlerdie Aussage, daß mit einem Temperaturanstieg zu rechnen ist, derhöher ist als alle Temperaturschwankungen in den letzten 10.000 Jahren. Waswürde ein erhöhter Verbrauch von fossilen Brennstoffen in Zukunftbedeuten? Er hätte nicht nur katastrophale Folgen für das Klima. Hinzukäme ein ungeheurer, mit der Deckung des zusätzlichen Energiebedarfsverbundener technischer und finanzieller Aufwand. Nötig wären: Die Inbetriebnahme eines 1000-MW-Kohlekraftwerks alle zwei Tage Die Verdoppelung der Ölförderung in OPEC-Ländern Die Erschliessung neuer Ölfelder in der Größe des 672Kilometer großen Feldes von Prudhoe Bay in Alaska alle ein bis zwei MonateDer Bau eines neuen Atomkraftwerks alle sechs bis acht Wochen Nach Schätzungen des IPCCund der USEPA6 müßten in dennächsten dreißig Jahren allein für Kraftwerke weltweit 7.785Milliarden Dollar hingeblättert werden. Das World Energy Council (1993)beziffert den Kapitalbedarf für den weltweiten Ausbau der Energieversorgungbis 2020 auf ca. 30.000 Milliarden Dollar. Grenzen der Ausbeutung: das Problem Entsorgung Die Erde und ihre Bewohner stehen in einem Kreislauf gegenseitigerAbhängigkeit zueinander: Der Mensch entnimmt der ErdeRohstoffe undRessourcen und "entsorgt" diese später als Wärme, Müll oderLuftschadstoffe. Die Mengen dieses Rohstoff- und Energieflusses sind begrenzt.Ein limitierender Faktor ist, daß die nutzbaren Rohstoffvorkommenirgendwann zur Neige gehen. Die eigentliche Begrenzung stellt jedoch das Problemder Entsorgung dar. Beispiel Müll: Schon heute versinken dieIndustrienationen im Müll und bürden anderen ändern -vorzugsweise des Südens - in Form vonMüllexporten die Lasten ihresverschwenderischen Lebensstils auf. Der weltweite Atommüllberg wächstebenfalls stetig, aber noch immer gibt es weltweit kein Endlager für dieradioaktive Erblast dieser gefährlichen Technologie. Die Frage ist auchnicht, wann die fossilen Energieträger erschöpft sein werden, sondernwie lange das Ökosystem noch Kapazitäten hat, Schadstoffe zu"entsorgen". Entsprechend international anerkannter Strategien zum Schutz desKlimas dürfen bis zum Jahr 2100 weltweit nur noch ca. 300 Milliarden TonnenKohlenstoff freigesetzt werden, wenn der Klimakollaps verhindert werden soll.Die fossilen Brennstoffe dieses Planeten würden jedoch ausreichen, um 5000bis 10 000 Milliarden Tonnen in die Luft zu blasen. Jede Energienutzung istzudem an Rohstoffverbrauch gekoppelt; dabei entstehen weitere Abfallprodukte,die die Umwelt belasten. Eine intelligente Energienutzung wäre auch einBeitrag zur Entschärfung des Müllproblems. Ein weiteres Argument gegendie sorglose Plünderung der Ressourcen ist die zunehmende Abhängigkeitvieler Länder vom teuren Import fossiler Brennstoffe, insbesondere vonErdöl. Diese Abhängigkeit führt zur Konkurrenz um knappeEnergieträger und zu internationalen Spannungen. Für dieVolkswirtschaften zahlreicher Länder des Südens ist die finanzielleBelastung durch horrende Energieausgaben schon heute untragbar. Klima in Gefahr Der natürliche Treibhauseffekt Seit Millionen Jahren sorgt der natürliche Treibhauseffekt füreine ausgeglichene Temperatur der Erdatmosphäre. Wie die Glasscheiben einesTreibhauses lassen die Treibhausgase (Kohlendioxid, Wasserdampf, Ozon, Lachgasund Methan) die Sonnenstrahlung passieren und halten die reflektierte Wärmein Nähe der Erdoberfläche fest. Ohne den natürlichenTreibhauseffekt herrschten auf der Erde durchschnittlich minus 20 Grad Celsius,und damit wäre sie unbewohnbar. Ein in Millionen Jahren entstandenes,komplexes System ineinandergreifender biologischer und hydrologischerRegelkreise sorgt für ein stabiles Gleichgewicht der Treibhausgase. Sonehmen beispielsweise Pflanzen Kohlendioxid auf und geben es bei ihrerVerwitterung wieder an die Umwelt ab. In den vergangenen 160.000 Jahren erlebtedie Erde bislang zwei Perioden, in denen die mittlere, globale Temperatur umfünf Grad Celsius unter dem heutigen Mittelwert lag. In diesen Eiszeitenlag Nordeuropa unter meterdicken Schnee- und Eismassen begraben. DieseEntwicklungen vollzogen sich allerdings sehr langsam: Tausend Jahre dauerte es,bis die Erde sich nach einer Eiszeit wieder auf "normale" Temperaturenerwärmte. Derkünstliche Treibhauseffekt Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäreentweichen, desto mehr Wärme wird in ihnen festgehalten.Mit einem Anteil von 50 Prozent am menschengemachten Treibhauseffekt ist Kohlendioxid (CO2) der Klimakiller Nummer eins; jährlich etwa 22 Milliarden Tonnen heizen das Klima auf. Hinzu kommen andere Treibhausgase wie FCKW (17 Prozent), Methan (13 Prozent), Ozon (7 Prozent) und Lachgas (5 Prozent). Mehr als 100.000 Jahre langüberstieg die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphärenie 0,028 Prozent oder 280 ppm (parts per million = Teile je Millionen Teile Luft). In nur einem Jahrhundert dagegen, vom Beginn der industriellen Revolution bis heute, ist die Konzentration des Kohlendioxids auf 357 ppm (= Teileje Millionen Teile Luft) angestiegen. Wenn die Menschen am verschwenderischen Lebensstil festhalten, wird die CO2-Konzentration in weniger als fünfzig Jahren600 ppm erreichen. Klimatologen sagen für diesenFall einen so rasanten, globalen Temperaturanstieg voraus, wie ihn die Menschheit noch nicht erlebt hat. Katastrophe als Dauerzustand? Wenn die Durchschnittstemperaturen weiter so rapide ansteigen, steht dem Planeten Erde eine nicht rückgängig zu machendeKlimaveränderung ins Haus. Die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) für die Jahre 1990und 1992 nennen einige der möglichen Auswirkungeneiner schnellen Erwärmung der Erde: - veränderte Niederschlagsverhältnisseund Ausdehnung von Dürregebieten - Verlust riesiger Landstriche aufgrund des anschwellenden Meeresspiegels und der Ausdehnung der Meere - schwierigere oder nicht mehr gewährleistete Wasserversorgung in manchen Teilen der Welt - weitgehende Beeinträchtigung der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei - ernsthafte Gesundheitsschädigung des Menschen - Aussterben zahlreicher Pflanzen- und Tierarten. Die natürlichen Ökosysteme rund um die Weltwären nicht in der Lage, sich an den raschen Temperaturanstieg anzupassen. Auf der Nordhalbkugel wäre damit beispielsweise das Absterbenriesiger Wälder verbunden, da die Flora und Fauna kontinentales, kaltgemäßigtes Klima(boreal) benötigt. Hurrikans in den Tropen und Orkanein gemäßigten Klimazonen wie Europa werden sichhäufen und heftiger werden, ein Phänomen, das schonheute zu beobachten ist. Millionen von Menschenmüßten aufgrund des steigenden Meeresspiegels, in Folge von Überschwemmungen oder Wüstenbildung ihreHeimat verlassen und zu Umweltflüchtlingen werden. In Bangladesh würden vermutlich dieertragreichsten landwirtschaftlichen Nutzflächenüberflutet, während im Mittelmeerraum mit großer Dürreund Wasserknappheit zu rechnenwäre. Unberechenbar: die Rückkopplungen Die Realität könnte diese Prognosen sogarnoch übertreffen. Der IPCC hat darauf hingewiesen,daß einige Faktoren unzureichend in die Berechnungen eingeflossen sind: Beispiel Ozeane: Ein beträchtlicher Teil desCO2 aus der Luft wird von den Ozeanen aufgenommen und von ihnen gelöst (wie Kohlensäure im Mineralwasser). Der Treibhauseffekt bewirkt auch eine Erwärmung der Ozeane, so daß diese wenigerCO2 aufnehmen. Dadurch gelangt mehr CO2 in die Atmosphäre, derTreibhauseffekt verstärkt sich,es wird noch wärmer. Dieses wird im Fachjargonals "positive Rückkopplung" bezeichnet; die Auswirkungen sind negativ. Beispiel Methan: Wenn sich Dauerfrostboden und Tundra durch den Treibhauseffekt erwärmen,können sie enorme Mengen an Methan freigeben. Im Vergleich zum heutigen Methangehalt in der Atmosphäresind die noch schlummernden, natürlichen Vorkommen dieses Gases gewaltig. Das entweichende Methan würde den Treibhauseffekt verschärfen undeine weitere, verhängnisvolle positive Rückkopplungin Gang setzen. Beide Mechanismen könnten den Treibhauseffekt explosionsartig beschleunigen und intensivieren. Es gibt auch negative Rückkopplungsmechanismen, die denTreibhauseffekt abschwächen könnten. Diskutiert wird indiesem Zusammenhang beispielsweise der Einfluß vonWolken, Wasserdampf oder Gletschern. Doch selbst wenn negative Rückkopplungen den Treibhauseffekt eindämmen, umkehren werden sie ihn nicht. Die globale Erwärmung: Indizien Die Enquête-Kommission "Schutz derErdatmosphäre" des Deutschen Bundestages schreibt 1992: "Beobachtungen innerhalb der letzten 30 bis 50 Jahre weisen eindeutig auf eine beginnende Umstellung des globalen Klimas hin". 7 Indizienfür eine beginnende Erwärmung der Erde: - Die sieben wärmsten Jahre, die seit 1860 verzeichnet wurden, fielen ins letzte Jahrzehnt, wobei die Jahre 1990 und 1991 die höchsten Temperaturmittelwerte aufwiesen. - Die Verdunstung über den tropischen Mee-renhat zwischen 1949 und 1989 um 16 Prozent zugenommen. - Die Oberflächentemperaturen der tropischenOzeane sind zwischen 1949 und 1989 um 0,5 Grad gestiegen. - Das rasch fortschreitende Ausbleichen der Korallenriffe, die sehr empfindlich auf Schwankungen der Wassertemperatur reagieren, ist ein trauriges Indiz für den beginnenden Temperaturanstieg: Die Korallen stoßen in Folgeder Erwärmung des Wassers ihre Symbiosepartner, die Braunalgen, ab. Die Algen bleichen aus und sterben innerhalb weniger Monate. - In den letzten 20 Jahren ist die Winddynamik um etwa 40 Prozent angestiegen. In den Tropen haben die Windgeschwindigkeiten um 20 Prozent und in den mittleren Breiten um 15 Prozent zugenommen. In wenigen Jahren (1988 bis 1992) traten gleich drei Hurrikane auf. - Die Gebirgsgletscher schmelzen ab. Seit 1950 haben die Gletscher in den Alpen etwa dieHälfe ihrer Eismassen verloren. - Der Meeresspiegel ist in den letzten hundert Jahren um 10 bis 20 Zentimeter angestiegen. Eskalierende Kosten jüngster Naturkatastrophen: OKT. 1987 NW-Europa Unbenannter Sturm $2,5 Mrd. SEPT.198 USA Hurrikan Hugo $5,8 Mrd. JAN. 1990 NW-Europa Orkan Daria $4,6 Mrd. FEB. 1990 NW-Europa Orkan Herta $1,3 Mrd. FEB. 1990 NW-Europa Orkan Vivian $3,2 Mrd. FEB. 1990 NW-Europa Orkan Wibke $1,3 Mrd. JULI 1990 USA Stürme in Colorado $1,0 Mrd. SEPT.1991 JAPAN Taifun Mireille $4,8 Mrd. AUG. 1992 US Hurrikan Andrew $20 Mrd. AUG. 1992 USA Wirbelsturm Iniki $1,4 Mrd. Die Versicherungen schlagen Alarm: Die Leistungsansprüche und ZahlungenimZusammenhang mit extremen Wetterlagen sind innerhalb der letzten 25 Jahre weltweit steil angestiegen. Umwelt in Gefahr Erst sterben die Wälder... Der Treibhauseffekt mit drohender Klimaänderungist nur eine einzige Folge der verfehlten Energiepolitk. Die "moderne" Art der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen verursacht aber noch andere beachtlicheSchäden. Fast 170 Millionen Tonnen Schwefel und Stickoxide werden aus Kraftwerken, Autos und aus anderen Quellen jährlich in die Luft geschleudert.Die Säureablagerung und die damit verbundene Verschmutzung führen zu Waldsterben, Umkippenvon Seen und zu Erkrankungen der menschlichen Atmungsorgane. Allein in Deutschland werden die Kosten des Waldsterbens auf jährlich neun Milliarden DM geschätzt. Und die Giftkonzentrationen steigen immer weiter. Bereinigt wurde alleine die Sprache: "Waldsterben"heißt heute "Waldschäden", der jährliche "Waldschadensbericht" mutierte zum "Waldzustandsbericht", als ob das Sterben der Wälder ein ganz normaler Zustand wäre. Umweltverschmutzer Auto Es gibt 680 Millionen Kraftfahrzeuge auf diesem Planeten, und jede Sekunde kommt ein weiteres hinzu. Das heißt: für zwei Neugeborene einneues Kraftfahrzeug. Autos verschlingen mehr als die Hälfte des gesamten Erdölverbrauchs. EinLiter Autosprit erzeugt beim Fahren 2,4 Kilogramm CO2. Die Städte ersticken in Autoabgasen, undihre Bewohner verbringen die Zeit in Verkehrsstaus. Stickoxide aus den Abgas-"Cocktails" verwandeln sich in der Luft in "Sauren Regen", der Menschen, Wäldern und Gebäuden schadet. Aus Stickoxidenund Kohlenwasserstoffen entsteht bei Sonneneinstrahlung Ozon. Dieses bodennahe Ozon (nicht zu verwechseln mit dem UV-Schutzschild der Atmosphäre) istein aggressives Reizgas und mitverantwortlich für Waldsterben sowie für Augen-, Rachen- und Lungenerkrankungen beim Menschen. Mexiko City überschreitet die Smoggrenzwerte der Weltgesundheitsorganisation die meiste Zeit im Jahr. Die tägliche Ölpest Zwischen 1980 und 1990 liefen in Westsibirien jährlich schätzungsweise 18 Millionen BarrelErdöl aus und zerstörten 55.000 Quadratkilometer des empfindlichen Permafrostökosystems. 1989strömten aus dem Tanker der Exxon Valdez vor Alaska 1,4 Millionen Barrel Öl ins Meer und verursachtenein größeres Tiersterben als jede frühereÖlpest. Vier Jahre nach dem Unfall fand man verkrüppelteFische, hirngeschädigte Robben, unfruchtbare Vögel undtote Schwertwale. Öl ist für Flora und Faunaein tödliches Gift; es kann sich im Fettgewebe der Tiere anlagern und chronische Schädenanrichten. Wenn es Kleinstlebewesen (Muscheln, Schnecken) zerstört, ist die gesamte marine Nahrungskette bedroht. So spektakulär die sichtbare Ölpestist, lediglich fünf Prozent der drei bis vierMillionen Tonnen Öl, die jährlich die Ozeane vergiften,gehen auf das Konto der Havaristen. Der Hauptanteil stammt aus Schiffen, die ihre Tanks auf hoher See waschen oder aus undichten Pipelines. Atomenergie: geringer Nutzen, große Gefahren 50 Jahre hat die Industrie an der Atomenergie gebastelt und Milliarden von Dollar in diese Technologie gepumpt. Trotz allem deckt die Atomenergie nur fünf Prozent des globalen Energiebedarfs; ihre Risiken und Gefahren sind unermeßlich. Die Katastrophe von Tschernobyl verstrahlteüber 100.000 Quadratkilometer Landund machte es unbewohnbar. Die Atomindustrie gibt die Anzahl der Strahlentoten allein in der Ukraine mit 6000 bis 8000 an, aber unabhängige Stellengehen von deutlich höheren Zahlen aus. Bei den Unfallbekämpfungsmaßnahmen waren über600.000 Katastrophenhelfer im Einsatz. Nach offiziellen Angaben kostete der Unfall die Sowjetunion von 1986 bis 1989 insgesamt 9,2 Milliarden Rubel (das sind nach alter Berechnungsgrundlage umgerechnet 200 Milliarden Mark). In der Bundesrepublik gab es im Zeitraum 1990 bis 1992 691"meldepflichtige Ereignisse" (Behördendeutsch für"Störfälle"). Diese Zahl läßt ahnen, wieviele "Ereignisse"es weltweit gegeben haben mag. Wiederaufarbeitung und "Entsorgung" von atomarem Abfall sindgefährlich, teuer und nutzlos; die Entsorgung ist noch heute ungeklärt. Boden aus der Nähe der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Sellafield, England, ist so verstrahlt, daß er 34.000 mal soviel Plutonium enthält wie deutscherAckerboden. In WAAs wie Sellafield oder dem französischenLa Hague funktioniert die "Abfallbehandlung" nicht nach Plan. Die Anlagen werden daher zu Zwischenlagern für in- und ausländischenAtommüll. Die Entsorgung radioaktiven Mülls ist 50 Jahrenach Einführung der Atomenergie ungelöst. Dashindert die Industrie jedoch nicht daran, Jahr fürJahr weltweit 150.000 Kubikmeter kontamimierteAbfälle wie Kleidung, Werkzeuge, Flüssigkeiten etc. zu produzieren; dazu kommen noch pro Jahr 10.000 Tonnen abgebrannte Brennelemente. Bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts werdenschätzungsweise 450.000 Tonnen abgebrannter Brennelemente anfallen. Bislang wurden weltweit nahezu 900 Tonnen Plutonium produziert - für eine Atomwaffe reichen siebenbis neun Kilogramm. Überhaupt ist der Gedankeeiner "friedlichen" Nutzung der Atomkraft reine Fiktion: In einer 1990 erschienen Studie der amerikanischen Carnegie Friedensstiftung heißt es: Ohne dieHilfe westdeutscher Firmen "wäre Pakistan heute nichtin der Lage, Atomwaffen zu produzieren, wäreIndiens nukleares Potential weitaus kleiner undbesäßen weder Argentinien noch Brasilien die Fähigkeitzur Herstellung spaltbaren Materials". Greenpeace-Szenario Das Greenpeace-Szenario und seine Prämissen Die zentrale Frage der Studie lautet: Ist ein stufenweiser, weltweiter Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger und der Atomenergie ineinem vorgegebenen Zeitrahmen (bis zum Jahr 2100) ökonomisch und technisch machbar?Kann aufdiese Weise die Erwärmung der Erde eingedämmt werden?Die vorliegende Studie richtet sich vor allem auf Treibhausgase, die durch die Energienutzung emittiert werden, allen voran das Kohlendioxid. Die Emission anderer Treibhausgase wurde in dem FFES in Anlehnung an bestehende Beschlüsse (Montrealer Protokoll zu FCKW) oder auf der Basis von Untersuchungen zu Methan (CH4) oder Lachgas (N2O) ( Studien der US Environmental Protection Agency, USEPA) berücksichtigt. Quellen und Modelle Das für Greenpeace erarbeitete alternative Energieszenario (FFES) verbindet im wesentlichen drei erprobte Computermodelle miteinander. Diese analysieren die Entwicklung des Energieverbrauchs, seine Auswirkung auf das Klima und die wirtschaftlichen Aspekte. Das "Stockholm Environment Institut" und der Berater Paul Waide prüften mehr als hundert Berichte über Energie-und Klimaszenarien aus den letzten Jahren. So konnten die neuesten Daten zu erneuerbaren Energiequellen (z.B. Biomasse), zu fossilen Brennstoffen und die renommierten Klimamodelle (IPCC 1990 und 1992) einfließen. Zudem nahmen die Verfasser eine detaillierte Analyse des Transportsektors vor. Durch Änderung derAnnahmen (z.B. geringeres Wirtschaftswachstum, langsamere Bevölkerungsentwicklung) entwarfen die Autoren verschiedene Varianten des FFES. Die Welt wurde in zehn Zonen unterteilt, umdie Vergleichbarkeit der Modellrechnungen mit anderen Untersuchungen zu gewährleisten. Die drei Computermodelle 1. LEAP (Longrange Energy Alternative Planning = Langfristige Alternative Energieplanung) ist ein Modell des globalen Energieendverbrauchs, das sich seit zehn Jahren bewährt hat (z.B. beim "Kenya Fuelwood Project,1980-82"). LEAP ist mit einer internationalen Umweltdatenbank (Environmental Data Base) verbunden und wurde für dieSchätzung künftiger Treibhausgasemissionen verwendet. Das Modell bewertet den regionalen und weltweiten Energieverbrauch nach Sektoren sowie Fragen zu Energieressourcen und Technologien. 2. STUGE (= Sealevel and Temperature Change Under the Greenhouse Effect) ist ein Klimamodell des Fachbereichs Klimaforschung der britischen University of East Anglia. Es befaßt sich mit Veränderungen des Meeresspiegels und desKlimas. Mit Hilfe dieses vom IPCC anerkannten Modells konnten Klimaziele entwickelt und die klimatischen Auswirkungen des FFES in seinen verschiedenen Varianten beurteilt werden. 3. ASF (= Atmospheric Stabilisation Framework) ist ein Klimamodell der US Environmental Protection Agenca (USEPA). Es setzt die Rahmenbedingungenfür eine Stabilisierung des Klimas. Dieses Modell diente dazu, die Ergebnisse von STUGE zuüberprüfen und Kostenfaktoren zu berechnen. Die Analysen zum Energiesektor basieren auf dem häufigverwendeten makroökonomischen Edmonds-Reilly-Modell (ER), welches Preis- und Einkommensfaktoren instärkerem Maße als LEAP berücksichtigt. Zusammen mitden LEAP-Ergebnissen konnten so zusätzlicheKostendaten in das Projekt integriert werden. Keine technologische Revolution auf dem Energiesektor Bei der Energieeinsparung und den erneuerbaren Energien wird auf bekannte und ausgereifte Techniken zurückgegriffen. Rasante Technologiesprünge sind nicht vorgesehen.Überholte Geräte und Apparate müssen durchenergiesparende Ausrüstungen ausgetauscht werden, stillgelegte Kraftwerke auf der Basis fossiler Brennstoffe werden zunehmend durch Systeme auf der Grundlage erneuerbarer Energien ersetzt. Effizienztechnologien und alternative Energiequellen werden jedoch erst dann installiert, wenn sie - verglichen mit herkömmlichen Energieträgern - rentabel sind.Energieintensive Produktionen wie z.B. Stahl oder Zement werden teilweise durch innovative Materialien (z.B. Keramik, Verbundwerkstoffe) ausgetauscht. Konkret soll dies z.B. innerhalb des neuen Forschungszentrums der Daimler Benz AG erfolgen: Ventile, Pleuel und Kolben aus Siliziumnitrid könnten das Gewicht von Motoren drastisch reduzieren. Untersucht werden sollen auch neue Materialien und Sandwichbauweisen für den Leichtbau. Die Studie klammert aus: Die Gewinnung von Energie aus Gezeitenkraftwerken, die Nutzung von Erdwärme durch die "Hot-Dry-Rock-Technik"und Müllverbrennungsanlagen. Der Ansatz ist damit konservativ, d.h. nur moderate Veränderungendes technologischen Status quo werden angepeilt. Ein technischer Durchbruch würde den Umbau des Energiesystems beschleunigen und qualitativ verbessern. So könnten beispielsweise fortschrittliche "Zwei-Photon"- Leuchtschichten und elektrodenlose Lampen den Energiebedarf für Beleuchtung noch um die Hälfte des im Szenario errechneten Wertes verringern. Energiesparen als Quelle der Zukunft Die wichtigste Energiequelle der Zukunft ist das Energiesparen, und so ist die Energieeffizienz der Schlüssel zum FFES. Effizient ist die Nutzungvon Energie, wenn mit wenig Einsatz von Ressourcen ein maximaler Nutzen erzielt wird. Das ist heutzutage nicht der Fall. Die USA erhöhten in denvergangenen hundert Jahren die Nutzungseffizienz von Energie nur um ein Prozent pro Jahr. Viele andereLänder überschritten zwischen 1973 und 1986 aufgrund staatlicher Maßnahmen und steigenderEnergiepreise eine Jahresrate von 2,5 Prozent. Neue steuer- und ordnungspolitische Maßnahmen sind daher fürdie Entwicklung intelligenter Techniken zentral. Obwohl die Nutzungseffizienz in den Jahren 1973 bis 1986 vielerorts erhöht wurde (Energiesparen in Folgedes Ölpreisschocks), ist das Potential der kostendämpfenden Energieeinsparung immens und bisher kaum erschlossen. Das ist sehr erstaunlich, denn es gibt bereits erprobte Technologien für Fahrzeuge, Gebäude, Apparate und Industrieverfahren, die den Energieverbrauch bei gleicher oder verbesserter Leistung um 15 bis 85 Prozent senken könnten: hochwärmegedämmteGebäude, die fast nicht beheizt werden müssen, Autos,die viermal weniger Kraftstoff verbrauchen undGeräte mit einem Stromverbrauch, der 90 Prozent niedriger ist als heute generell üblich. Das FFES setztauf eine rasche Verbesserung der Energieeffizienz. Die für eine wirtschaftliche Produktionseinheit benötigte Energiemenge vermindert sich in den kommenden 20 Jahren um 40 Prozent, bis 2030 um 60 und bis 2100 um 87 Prozent. DieEnergieintensität sinkt aufgrund intelligenter Nutzung und struktureller Änderungen in der Wirtschaft um durchschnittlich 2,5 Prozent jährlich in den kommenden vierzig Jahren und geht danach pro Jahr um weitere 0,5 Prozent zurück. Die Studie nimmtan, daß die Energieintensität bis zum Jahr 2030 um50 Prozent zu verbessern ist; danach ist eine weitere, wenn auch sehr viel langsamere Energieeinsparung um 30 Prozent zu erwarten. Bis 2030 dürften 20Prozent der Heizwärme durch Kraft-Wärme-Kopplunggeliefert werden, wobei allmählich von Erdgasbetrieb auf Biogas umgestellt wird. Erneuerbare Energien erobern den Markt "Erneuerbare Energien" verwenden dienatürlichen Energieströme der Erde und tasten dieendlichen Energievorräte wie fossile Brennstoffe und Atomenergie nicht an. Wenn alternative Energien vernünftig eingesetzt werden, sind sieökologisch verträglich. Heute decken diese Energieträger,vor allem Wasserkraft und Biomasse, bereits 14 Prozent des globalen Energiebedarfs. Seit einigen Jahren sinken die Kosten für erneuerbare Energien.Zwar sind diese Energiesysteme in der Finanzierung teurer, dafür ist der Betriebsaufwand niedrigerals bei Systemen auf fossiler Basis. Bei niedrigerem Zinssatz (acht Prozent oder weniger) sind Technologien für Windenergie,solarthermische Energie, Biomasseverbrennung, passive Solarenergienutzung in Gebäuden (wie z.B. in Wintergärten), Wasserkraft und Erdwärmegegenüber fossiler Energieversorgung in manchen Ländernheute schon konkurrenzfähig. In der Bundesrepublik beispielsweise erzeugt ein neues Kohle-Kraftwerk Strom zu 0,13 DM und 0,16 DM pro Kilowattstunde. Eine Kilowattstunde aus einer modernen Windkraftanlage ist für 0,14 DM zu haben. In abgelegenen Gebieten ist Elektrizität aus Solarzellen schon jetzt günstiger alsDieselstrom; sie dürfte sich bis 2010/2015 alskostengünstige Alternative zu herkömmlicher Energie ausfossilen Kraftwerken erweisen. Weltweit sind die Preisefür erneuerbare Energiequellen gefallen. Binnen eines Jahrzehnts ist Elektrizität aus Windenergie inden USA und Dänemark um 70 Prozent billigergeworden. Die Kosten für solarthermische Energie sindseit 1980 um 75 Prozent gesunken und werden sich bis zum Jahr 2000 um weitere 25 Prozent reduzieren. Wenn die Anlagen und technischen Geräte in Massenproduktion gefertigt würden, könnte derPreis für Strom aus Solarzellen um 75 Prozentgesenkt werden. Heute kostet eine Kilowattstunde 1,30 DM bis 3,50 DM pro Kilowattstunde, dann würde der Kunde weniger als 0,50 DM bezahlen.11 Aus Analysen verschiedener Forschungsinstitute ergibt sich,daß erneuerbare Energien in zwanzig bis dreißigJahren mit fossilen Brennstoffen im Preis konkurrieren können. Die Studie projektiert einenanfänglich bescheidenen Beitrag der direkten Nutzung der Sonnenenergie zur Heizkraft: im Jahr 2100 maximal 20 Prozent in den sonnigsten Regionen, im Jahr 2030 schon 10 Prozent. Es wird angenommen, daßmehr Strom erzeugt wird und die Elektrizität imJahr 2100vor allem durch den Einsatz von Elektrowärmepumpen der wichtigsteEnergieträger sein wird. Eine kurzfristige Verwendung von Biomasse hängt von der schnellen Verbreitung ökologischer Landbaumethoden ab. Das bedeutet jedoch nicht, daß weiter im gegenwärtigenUmfang und Tempo Wälder abgeholzt und intensive Monokulturen betrieben werden. Biomasse und Wasserstoff decken den Großteil desrestlichen Bedarfs. Die Industrie spart Energie Der Industriesektor gliedert sich in die sechs Sektoren Eisen und Stahl, Nichteisenmetalle, Nichtmetallische Minerale, Papier und Zellstoff, Chemie sowie restliche Industrie (z.B. Nahrungsmittel-, Textil-, Maschinen- und Montanindustrie). In den Industrienationen ist mit einer rückläufigen oder gleichbleibenden Grundstoffproduktion zu rechnen, während diese Industriezweige in den südlichen Erdteilen expandieren. Die Eisen- und Stahlproduktion verschlingt gegenwärtig 27 Prozent dergesamten Energie im Industriesektor. Verbesserte Verfahren wie die Umstellung von Sauerstoff-Aufblas-Konvertern aufLichtbogenöfen würde die Effizienz auf 7,4 Gigajoule Energiepro Tonne Stahl erhöhen. Damit verdoppelt sich die Energieeffizienz in den bestenHütten; invielen Werken in China und Indien kann sie sich sogar versiebenfachen. Die Papierherstellung verschlingt fünf Prozent des gesamten industriellen Energieverbrauchs. Verbesserungen in der allgemeinen Betriebsüberwachung, der Wärmerückgewinnung und Abfallverwendung,ein verminderter Wasserverbrauch und Techniken wie Sauerstoffbleichen können bis zum Jahr 2030 zu Effizienzgewinnen von 30 Prozent führen. Das Szenario geht davon aus, daß alle zehnWeltregionen sich im projektierten Zeitraum in den wirtschaftlichen Aktivitäten angleichen. Diese Entwicklung wird von umfangreichen Einsparungen im Energiesektor begleitet. Zum Energiesparengehören: modernste Kraft-Wärme-Kopplung für Raumheizungund Warmwasserbereitung, neueste Metallproduktionsverfahren, mehr Recycling (vor allem von Aluminium), Elektromotoren mit regelbarer Drehzahl und effizientere Elektroöfen. Wirtschaft und Bevölkerung wachsen Im FFES werden zu Vergleichszwecken, wie auch in zahlreichen anderen Studien, konservative Annahmen getroffen. Die Prämissen basieren auf Prognosenzur Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung, wiedie Weltbank und das IPCC sie vornimmt. Danach wird sich die Weltbevölkerung biszum Jahr 2100 auf11,3 Milliarden Menschen verdoppeln, die Weltwirtschaftstätigkeit wird im gleichenZeitraum um 1400 Prozent ansteigen. Die nördlichenLänder halten an ihrem konsumorientierten Produktions- und Lebensstil fest, andere Länder übernehmendas Wirtschaftssystem der Industriegesellschaften. Eine erhöhte Beanspruchung der Ressourcen undBelastung der Umwelt (Wälder, Trinkwasser, Ackerland)ginge damit einher. Die Haushalte: gleicher Komfort, weniger Energie In vielen Industrienationen können bei der Raumheizung bis zu 90 Prozent Energie eingespart werden - bei gleichem Komfort. Notwendig ist die Kombination starker Wärmedämmung,optimaler Regelungsowie effiziente Geräte und Heizungsanlagen, bzw. die Installation von Fernheizungssystemen. Bei der Warmwasserbereitung besteht ein großes Potential, Energieeinzusparen und die Kohlenstoffemissionen zu drosseln, z.B. über Solarwarmwasserbereitern. Je nach Regionund Technologie kann die Effizienz um 40 bis 300 Prozent erhöht werden. Die Effizienz vonGasherden wäre um 46 Prozent, die von Elektroherden um33 Prozent zu steigern. In Kenia, Burkina Faso und Niger waren Programme für eine bessere Energienutzungbeim Kochen erfolgreich. Das FFES nimmt an, daß die Anzahl der Personen proHaushalt weltweit sinkt, damit wächst die Anzahl der Haushalte schneller als die Bevölkerung; Urbanisierung und Elektrifizierung schreiten voran. Die Haushalte erhöhen die Effizienz und stellenauf andere Energiequellen um. Die Tage energieintensiver Dienstleistungen und Gerätesind weltweit gezählt. Dieses ist einSchlüsselfaktor der Energiebedarfsprojektionen im Haushaltsektor. Das FFES rechnet damit, daß bis zum Jahr 2100 weltweit eine Standardreihe von hochleistungsfähigen Elektrogeräten verfügbarist. Der Energieaufwand für Heizung undKühlung verringert sich durch verbesserteGebäudeisolation, Wärmedämmung, passive Sonnenenergienutzungund Fernheizung in gemäßigten Klimazonen. Warmwasserbereitung mit Sonnenenergie und zunehmendeEnergieschöpfung aus Sonnenwärmeund Biomasse folgen zu einem späteren Zeitraum.Die Sonnenenergie liefert je nach Region neun bis 36 Prozent der Energie fürdieWarmwasserbereitung. Das FFES nimmt an, daß in südlichen Ländernder Energieverbrauch pro Haushalt zunimmt, da die Einkommen steigen und die Nachfrage wächst.Die effizientere Energienutzung wird hier durchgrößere Wohnflächen und höheren Komfort ausgeglichen,so daß kaum Energie einzusparen ist. Transport und Verkehr: Vier Szenarien Die FFES-Analyse des Transportsektors konzentriert sich in erster Linie auf PKW, Lieferwagen, Motorräder und LKW. Dagegen bleiben Eisenbahn/Straßenbahn, Schiffs- undFlugverkehr ausgeklammert. Der Anteil dieser Sektoren am Gesamtenergieverbrauch im Bereich Verkehr betrug 1990 etwa 30 Prozent. Heute fahren weltweit 680 Millionen Fahrzeuge umher (430 Millionen PKW, 110 Millionen Lieferwagen, 110 MillionenMotorfahrräder und 30 Millionen Schwerlastwagen). Wenn die Verkehrsspirale sich weiter dreht, sind es im Jahr 2030 1.620 Millionen Kraftfahrzeuge; bis 2100 wächst ihre Zahl dann auf stattliche 4.930 Millionen an. Mike Walsh erarbeitete vier Szenarien: ein Modell, das den Status quo unverändert läßt, und drei Szenarien, diejeweils die Auswirkungen von verschiedenen Technologien und politischen Maßnahmen auf den Energieverbrauchim Verkehrssektor beleuchten. Zu diesenMaßnahmen zählen: - Effiziente Energienutzung (sparsamere Autos) - Verbesserte Technologien zur Emissionsreduktion - Kontrollierte Zulassung von Straßenfahrzeugen - Einführung nichtfossiler Kraftstoffe im Transportsektor Szenario 1 präsentiert die Folgen für den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen, wenn wir weitermachen wie bisher. Die zwei Übergangsszenarien beschreiben die Konsequenzenfür den Fall, daß Energie besser genutzt undEmissionen reduziert werden (Szenario 2) und für den Fall,daß zusätzlich die Anzahl von Fahrzeugenbeschränkt wird (Szenario 3). Szenario 4 berücksichtigtaußer den Parametern 1-3 die Einführungnichtfossiler Kraftstoffe. Dieses Szenario wurde in das Hauptprogramm LEAP integriert. Der Benzinverbrauch für den weltweiten Fahrzeugpark verringertsich: von einem Verbrauch von 8,4 bis 7,3 Liter bei 100 Kilometern pro Stunde heute auf 4,2 bis 3,6 Liter bis zum Jahr 2030. (Auch diese Annahme ist moderat, denn es gibt schon jetzt Modelle, die 2,5Liter verbrauchen). Die Gesamtanzahl der Kraftfahrzeuge steigt bis 2010 auf maximal 960 Millionen auf, 1.150 Millionen im Jahr 2030 und auf 1.600 Millionen im Jahr 2100. Alternative Kraftstoffe kommen auf den Markt, und solarelektrische und Solar-Wasserstoff-Systeme werden zwischen 2015 und 2020 konkurrenzfähig. Sie decken im Jahr 2030etwa 30 Prozent und im Jahr 2100schon 80 Prozent des Spritverbrauchs für Kraftfahrzeuge. Dienstleistungen: riesiges Sparpotential In Gebäuden des Dienstleistungssektors bestehtein großes Energiesparpotential, da Energiefür Beleuchtung, Raumheizung und Kochen viel effizienter als bisher eingesetzt werden kann. In den USA könnte der Energieverbrauch lautAngaben des Büros für Technologieabschätzung(Congressional Office of Technology Assessment) in den nächsten25 Jahren um die Hälfte gesenkt werden. InThailand kann bei Beleuchtung 70 Prozent Energie, bei Klimatisierung und Ventilation 33 bis 26 Prozent eingespart werden - ohne finanzielle Nachteile. Im Dienstleistungsbereich wird eineVerbesserung der Energieeffizienz um jährlich 2,5 Prozent von1988 bis 2010 und um 1,8 Prozent von 2010 bis 2030 angenommen. Daraus ergibt sich, alle Regionen zusammengefaßt, bis 2030 eine 60prozentige Einsparung von Energie. Ziele Die Ziele des alternativen Energieszenarios Das Szenario hatte ein zukünftiges Energiesystemzu entwerfen, das die folgenden Vorgaben erfüllt: Treibhauseffekt eindämmen Die globale Erwärmung (von dervorindustriellen Zeit bis zum Jahr 2100) muß unter zwei GradCelsius liegen, der Temperaturanstieg je Dekade darf 0,1 Grad Celsius nicht übersteigen. DerMeeresspiegel soll sich von 1990 bis 2100 um höchstens 20 bis50 Zentimeter erhöhen, das ist ein Anstieg um zweibis fünf Zentimeter pro Jahrzehnt. Diese Zielvorgaben basieren auf der Studie "Targets and Indicators of Climate Change", (Report for the Advisory Group for Greenhouse Gases, AGGG; Swart, R.J., & Rijsbermann, F. R.), die 1990 imVorfeld des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) erstellt wurde. Ausstieg aus fossilen Energieträgern Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle wird stufenweise, aber konsequent vollzogen. Die Verbrennung fossiler Energieträger endet imJahr 2100. Die Atomenergie hat keine Zukunft: Sie ist ökologisch schädlich, birgt ungeheure Sicherheitsrisiken und dieGefahr einer Proliferation von Atomwaffen. Im FFES ist der Ausstiegstermin das Jahr 2010. Erneuerbare Energien werden schrittweise eingeführt. Bestimmte Technologien wie große Wasserkraftwerke, Müllverbrennungsanlagen sowie bestimmte Aufforstungsarten kommen aus ökologischenGründen nicht in Betracht. Globale Angleichung der Einkommen Ein Viertel der Weltbevölkerung im Norden konsumiert mehr als 70 Prozent der weltweit kommerziell bereitgestellten Energie, während dreiviertel der Weltbevölkerung (vorwiegend in "Dritte-Welt"-Ländern) mit weniger als 30Prozent Vorlieb nehmen. Das Gefälle zwischen Arm undReich ist ungerecht und unhaltbar. Und: Wo Armut, Hunger und Obdachlosigkeit herrschen, kann nicht ernsthaft der Schutz der Umwelt und des Klimas gefordert werden. Solange diese Ungleichheit fortgeschrieben wird, ist an eine durchgreifende Umweltpolitik nicht zu denken. Die Studie verfolgt daher das Ziel, die durchschnittliche Einkommensdifferenz zwischen den reichsten und den ärmsten Regionen der Weltvon heute 14:1 auf nicht mehr als 2:1 im Jahr 2100 zu verringern. Atomausstieg jetzt Die großen Energieversorger haben dieKlimagefahr entdeckt. Handeln, so verkünden sie inriesigen Anzeigen, sei das Gebot der Stunde, "damit die Erde nicht zum Treibhaus wird." Atomkraftwerke zum Schutz der Erdatmosphäre - als gebe es keine Atomkatastrophen, keine Wiederaufarbeitung, keinen ewig strahlenden Müll und keinenPlutoniumhandel. Nach 50 Jahren weltweiter Anstrengung und billionenschwerer Investitionen - allein in Deutschland waren es 12 Milliarden Mark - deckt die Atomenergie heute weniger als fünf Prozent des Primärenergiebedarfs. Atomstrom ist derteuerste und gefährlichste Weg, CO2-Emissionen zuvermeiden: Stromeinsparung, Kraft-Wärme-Kopplung und die Nutzung erneuerbarer Energien drosseln CO2, sind umweltschonend und erheblich kostengünstigerals Atomstrom. Hätten die Verantwortlichen in der deutschen Politik und Wirtschaft in den siebziger und achtziger Jahren anstatt in Atomenergie in Technologien für einen effizientenEnergieeinsatz investiert, wären die CO2- Emissionen im Jahre1987 um circa 40 Prozent niedriger gewesen. Die Atomtechnik verschlingt ungeheure Summen und blockiert alternative Entwicklungen. Der Ausstieg aus der Atomenergie würde den Weg freimachenfür den Umbau des Energiesystems und zu einem wirksamen Schutz des Klimas. Ergebnisse Das alternativeEnergiesystem Das alternative Energieszenario zeigt, daßder gesamte Energiebedarf in Zukunft ohne fossile Brennstoffe und Atomenergie gedeckt werden kann. Dieses Resultat ist selbst mit den konservativen Annahmen, wie sie die Studie zugrundelegt, zu erzielen: daß die Wirtschaft weiter wächst,daß am Lebensstil der Industrienationen nichtgerüttelt wird und die Weltbevölkerung sich verdoppelt.Wenn die im FFES vorgeschlagenen Maßnahmen auf politischer und technischer Ebene umgesetzt werden, sind folgende Ergebnisse möglich: - Die Energieintensität13 sinkt aufgrund effizienterer Nutzung und struktureller wirtschaftlicher Änderungen um 2,5 Prozent jährlich. - Der Beitrag erneuerbarer Energien zur globalen Energieversorgung erhöht sich um 540 Prozentund deckt fast zwei Drittel des weltweiten Bedarfs bis zum Jahr 2030. - Bis zum Jahr 2005 werden die CO2-Emissionen der Industrieländer um 20 Prozent gedrosselt.Global erreicht der CO2-Ausstoß aus fossilenBrennstoffen im Jahr 2000 einen Höhepunkt und nimmt danach deutlich ab. - Bis zum Jahr 2030 sinken die CO2-Emissionen weltweit um 50 Prozent (demgegenüber steigen sieum 100 Prozent, wenn nichts unternommen wird). Ab 2100, also mit dem Ausstieg, wird kein weiteres Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen mehr emittiert. - Obwohldie CO2-Emissionen sinken, erhöht sichder Gesamtenergieverbrauch im Laufe der kommenden vierzig Jahre um 16 Prozent. - Die über den Gesamtzeitraum (1988-2100) emittierte Kohlenstoffmenge übersteigt nicht 314 Milliarden Tonnen. Effiziente Energienutzung Keine andere Option eröffnet kurz- und mittelfristig so wirksame und kostengünstige Möglichkeiten, den Treibhauseffekt zu senkenwie der effiziente Einsatz von Energie. Dietatsächlich vorhandenen Einsparmöglichkeiten wurden selbstim Umfeld der Erdölkrise in den siebziger Jahrenbei weitem nicht ausgeschöpft. Bei gleicher oder besserer Energiedienstleistung bestehen z.B. im Verkehrssektor, in der Industrie, in Haushalten etc. Einsparpotentiale von 15 bis 90 Prozent. Bis zum Jahr 2030 kann der durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum steigende Energiebedarfdurch den Einsatz effizienter Technologien ausgeglichen werden. Eine verbesserte Energieintensität von jährlich 2,5 Prozent wird projektiert; nach2030 sinkt diese Rate auf 0,5 Prozent. Bedingt durch anhaltendes Wirtschafts- undBevölkerungswachstum steigt der Energieverbrauch nach 2030 stetig an. Bis zum Jahr 2030 wird durch den Umstieg von Kohle und Öl auf Erdgas ein wichtiger Beitrag zur Minderung der CO2- Emissionen erreicht. Dieser ist Teil einer umfassenden Strategie, die Energieeinsparungen klar den Vorrang gibt; Kohle und Öl werden nur dort durch Erdgas ersetzt, woder Einsatz regenerativer Energien kurzfristig nicht machbar ist. Es versteht sich von selbst, daßbeim Einsatz von Erdgas effizienteste Technologien (Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen,Brennwertkessel) verwendet werden. Da bei der Förderung und dem Transport von Erdgas Methan frei wird und die Treibhauswirksamkeit dieses Gases noch 25 malhöher ist als von CO2, ist eine effektive Minderung der Emissionen unerläßlich. Erneuerbare Energiequellen Die Weichen für den Einsatz erneuerbarer Energiequellen müssen in den nächstenJahren gestellt werden, damit diese ab dem Jahr 2030 stärkere Verbreitung finden können. Die Erschließung der vorhandenen Energieeinsparpotentiale in den nächsten Jahrzehnten ist aus ökologischen wieökonomischen Gründen Voraussetzung für den breitenEinsatz erneuerbarer Energien. Im Jahr 2000 decken die erneuerbaren Energiequellen etwas mehr als 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfs, 2010 sind es bereits 26 Prozent und 2030 über 60 Prozent. Biomasse - also Holz und organische Abfälle in festem, gasförmigem oder flüssigem Zustand -und Windenergie liefern in den kommenden vierzig Jahren den größten Teil dieser Energiequellen. Beider Biomassegewinnung werden CO2- neutrale Anbaumethoden zugrundegelegt. Nach dem Jahr 2030 nimmt der Beitrag der solarphotovoltaischen, solarthermischen Technologien und anderer Sonnenenergiesysteme, die mit Wasserstoff als Speicher- und Transportmedium arbeiten, ständigzu; der Anteil deckt im Jahre 2100 annähernd 80Prozent des Weltenergiebedarfs. Haushalt Trotz eines weltweiten Bevölkerungswachstums,der zunehmenden Zahl von Haushalten und eines insgesamt höheren Elektrifizierungsgrades sinkt der Energieverbrauch der Haushalte bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts auf etwa 47 EJ (ExaJoule) und steigt bis zum Jahr 2100 auf 54 EJ, was dem Niveau von 1988 entspricht. Im Südenverdoppelt sich der Engergieverbrauch, im Norden geht er um circa 67 Prozent zurück. Transport und Verkehr: Vergleich zweier Szenarien Die CO2-Emissionen aus fossilen Kraftstoffen sinken bis 2030 um mehr als 40 Prozent und bis 2100 um 100 Prozent. Szenario 1: Alles wie gehabt Dieses Szenario geht davon aus, daß imgesamten Zeitraum keine wesentlichen politischenMaßnahmen oder technologischen Veränderungen initiiert werden. Die in einigen Regionen bereits eingeführten Maßnahmen im Verkehrssektorfließen jedoch mit ein. Darüber hinaus wurden zweiweitere Annahmen zugrunde gelegt: - Die Kraftstoffeffizienz bei PKW und Lieferwagen erhöht sich um bescheidene zwei Prozentjährlich von 1993 bis 2030. Danach bleibt der Status quo erhalten. Motorräder, Schwerlastwagen undAutobusse verbrauchen genau so viel Sprit wie heute. - Die Zahl der Kraftfahrzeuge (heute 680 Millionen) wird nicht eingeschränkt und ein weiteresWachstum dieser Branche einkalkuliert: Im Jahr 2030 gibt es danach auf der Welt 1.620 Millionen Kraftfahrzeuge, bis 2100 wächst ihre Zahl auf 4.930 Millionen. Wenn dieses Szenario Wirklichkeit wird, steigen die CO2- Emissionen des Transportsektorsbis zum Jahr 2030 um 68 Prozent, im Jahr 2100 liegen sie um 490 Prozent höher als heute. Szenario 2: Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen Die Fahrzeuge verbrauchen weniger Kraftstoff, ihre Anzahl wird beschränkt, und allmählichkommen Vehikel auf den Markt, die nicht mit fossilem Kraftstoff betrieben werden. Folgende Annahmen wurden zugrunde gelegt: - Während die Fahrzeuge heute durchschnittlich8,4 bis 7,3 Liter auf 100 Stundenkilometer verbrauchen, sinkt der Treibstoffverbrauch bis zum Jahr 2030 auf 4,2 bis 3,6 Liter. - Die Gesamtanzahl der Fahrzeuge wird auf 960 Millionen im Jahr 2010, 1.150 Millionen im Jahr 2030 und 1.600 Millionen im Jahr 2100 eingeschränkt. - Alternative Kraftstoffe kommen auf den Markt, solarelektrische und Sonnenenergie- Wasserstoff - Systeme werden zwischen 2015 und 2020 konkurrenzfähig werden. Sie decken 2030 ca.30 Prozent und 2100 ca.80 Prozentdes Energieverbrauchs für Kraftfahrzeuge. Unter diesen Bedingungen sinken die CO2-Emissionen aus fossilen Kraftstoffen bis 2030 um mehr als 40 Prozent und bis 2100 um 100 Prozent. Industrie Zwei Hauptentwicklungen bestimmen den Energieverbrauch und die CO2- Emissionen: zum einen das Wachstum, der Strukturwandel im Industriebereich und innerhalb der einzelnen Sektoren, zum anderen die Frage, welche Technologien und welche Energieträger zumEinsatz kommen. Das FFES geht davon aus, daß der industrielle Energieverbrauch von 90 EJ (1988) auf 196 EJ (2.100) ansteigt - und zwar überwiegendnach 2030. Bis etwa 2030 greifen effizienzverbessernde Maßnahmen und können das globale Wirtschafts-und Bevölkerungswachstum sogar überkompensieren.Der Süden wird einen ähnlichen Strukturwandel wieder Norden durchmachen: von energieintensiven Industrien hin zu energiesparsameren Dienstleistungen. Dienstleistungen In keinem anderen Bereich steigt der Sekundärenergieverbrauch so massiv an wie in diesem, wo Handel, Gesundheit, Bildung, Kommunikation und vieles mehr zusammengefaßtsind. Der Verbrauch verdreifachte sich zwischen 1988 und 2100, wobei der Strukturwandel von Schwer- und Grundstoffindustrie hin zu Dienstleistungen im Norden bereits im Gang ist. Wie in den Haushalten eröffnen sich auch im Dienstleistungsbereich immense Einsparmöglichkeiten (besonders beim Heizen, Kühlen und Beleuchten). Bei derVerwendung elektrischer Geräte (Computer, Kopierer etc)kann ebenfalls reichlich Strom eingespart werden. Untersuchungen über die USA, Thailand und die OECD-Länder weisen auf Effizienzpotentiale von40 bis 80 Prozent bis zum Jahr 2030 hin, was einer jährlichen Rate von 2,5 bis 5 Prozententspricht. Geschütztes Klima Wenn die Maßnahmen des alternativen Energieszenarios in die Tat umgesetzt werden, verringert sich die Gefahr einer akuten Klimaveränderung wesentlich. Die Mittel sindjedoch zu schwach, um eine Klimakatastrophe ganz auszuschließen. Die nächsten 40 Jahre werdenfür die Zukunft des Klimas und damit fürdie Erde entscheidend sein. Wenn weiter sorglos CO2 in die Atmosphäre geblasen wird, wird dieErwärmung voranschreiten. Jedes Jahrzehnt des Zögerns bedeutet für unserenPlaneten einen Temperaturanstieg von 0,4 Grad Celsius. Das FFES will den globalen CO2-Ausstoß binnen eines Jahrzehnts einfrieren und die Emissionen der Industrienationen bis 2005 um 20 Prozent vermindern. Wenn global die CO2- Emissionen bis zum Jahr 2030 halbiert werden und der gesamte Kohlenstoffausstoß aus fossilen Brennstoffensich bis zum Jahr 2100 auf 314Milliarden Tonnen einpendelt, wird sich der globale Temperaturmittelwert gegenüber dervorindustriellen Zeit noch immer um 1,5 Grad Celsius erhöhen. Allerdings verringert sich der Temperaturanstieg von heute 0,2 bis 0,3 Grad Celsius pro Jahrzehnt auf weniger als 0,1 Grad Celsius im Jahr 2030. Erst ab 2070 beginnt die Durchschnittstemperatur zu fallen. Der Anstieg des Meeresspiegelsübersteigt 22 Zentimeter nicht.Im FFES werden also die Zielvorgaben der Studie zum Schutz des Klimas erfüllt. Veränderungen für einen wirksamenSchutz des Klimas stellen sich langsam ein. Die bis heute angestoßene Temperaturerhöhung ist nichtrückgängig zu machen, riesige Schadstofffrachten sind bereits in die Atmosphäre entwichen. Mit den Maßnahmendes FFES kann der dramatische Trend jedoch aufgehalten werden. Ohne die Verwirklichung des Szenarios wird die Temperatur global um vier Prozent, der Meeresspiegel um 66 Zentimeter ansteigen - Tendenz weiter steigend. Aber auch wenn die Ratschlägedes FFES befolgt werden, besteht keine Gewähr,daß Klima und Umwelt wirksamen Schutz erfahren. Dieses könnte erst durch eine noch schnellereDrosselung der CO2- Emissionen bewirkt werden als hier vorgeschlagen. Umbau des Energiesystems Maßnahmen zum Umbau des Energiesystems Die Frage, ob in Zukunft ein umweltschonendes Energiesystem eine Chance hat und ein dramatischer Klimawandel abgewendet wird, entscheidet sich auf der politischen Bühne. Die technischen Mittelfür den Umbau des Energiesystems sind im wesentlichen vorhanden. Bisher brauchten neue Energieträgeretwa fünfzig Jahre, bis sie zehn Prozent des Weltenergiebedarfs decken konnten. Mit den Maßnahmen des FFES können erneuerbare Energiequellen ihren Anteil an der Gesamtenergieversorgung innerhalb der nächsten vierzig Jahre von 14 Prozent auf über 60Prozent steigern. Im gleichen Zeitraum erhöht sichdie Energieeffizienz jährlich um mehr als 2,5Prozent. Das ist keine Utopie. Bereits zwischen 1973 und 1986 wurde, ausgelöst durch die Ölkrise, invielen Ländern Energie in gleichem Umfang und mehr eingespart; politische Maßnahmen waren Motordieser Entwicklung. Folgende Maßnahmen führen lautFFES zum stufenweisen Umbau des Energiesystems mit der für den Schutzder Klimas erforderlichen Reduktion des CO2-Ausstoßes: - Ausstieg aus der Atomkraft - intelligente, d.h. effiziente Energienutzung - rasche Einführung ausgewählter Technologienzur Nutzung erneuerbarer Energiequellen - Umstellung auf fossile Brennstoffe mit geringerem Kohlenstoffgehalt - Stopp der Abholzung und ökologisch tragbare Aufforstungsmaßnahmen (zur Aufnahme von überschüssigem Kohlenstoff) Zur Umsetzung solcher Schritte sind weitreichende politische Maßnahmen erforderlich. Die Politikmuß sich in den kommenden Jahrzehnten in all jenen Bereichen umorientieren, in denen das neue Energiesystem gefördert und die Tradition der Verschwendung beendet werden kann. Dazu gehören: - Preispolitik - Energiemarkt - Forschung und Entwicklung - Transport und Verkehr - Das Nord-Süd-Gefälle - Internationale Abkommen - Internationale Energieagenturen Die Entwicklung dieser neuen Politik würdedurch verbindliche internationale Abkommen über den Schutz des Klimas initiiert. Preispolitik: Keine Subventionen für fossile Energie In den vergangenen fünfzig Jahren fördertedie Politik fossile Energieträger und Atomenergiez.B. durch Gesetzgebung und Subventionen. Damit greift diePolitik massiv in den Markt ein und behindert die Verbreitung kostengünstiger, effizienter Technologien im Bereich erneuerbarer Energien. Eine korrigierte Energiepreispolitik allein wird die globale Erwärmung nicht verhindern. Als Teileiner umfassenderen Strategie jedoch ist sieunerläßlich, da sie Investitionsentscheidungen beeinflußt. Folgende Maßnahmen führen im FFES zurUmgestaltung des Energiesystems: - Einführung einer Energiesteuer, die zunehmenddie tatsächlichenKosten der durch fossileBrennstoffe und Atomenergie verursachten Schäden berücksichtigt. Bisher werden diese Kosten (z.B.Gesundheitsschäden, Waldsterben, Luftverschmutzung)der Allgemeinheit aufgebürdet. - Eine schrittweise Erhöhung des Energiepreisesauf ein Niveau, das mindestens zweimal über dem heutigen Erdölpreis liegt. - Förderprogramme für die Entwicklungerneuerbarer Energien, wie sie in Deutschland,Großbritannien, Italien, Holland, Dänemark und verschiedenen amerikanischenBundesstaaten bereits gewährt werden. - Verpflichtung der Energieversorger, umweltschonende, erneuerbarer Energien zu angemessenen Preisen zu verkaufen. Einige Unternehmen in den USA ( z.B. Bonneville Power, Sacramento Municipal Utility und Pacific Gas und Electric (PG&E)) gehen mit gutem Beispiel voran. - Änderung der Verordnungen, innerhalb dererdie meisten Gas- und Elektrizitätsgesellschaften agieren. Finanzielle Anreize für den Verkaufvon mehr Gas oder Elektrizität darf es nicht mehr geben. - Streichung der Subventionen für die Fossilbrennstoffe und Atomindustrien, die sich allein in den USA jährlich auf 44 MilliardenDollar belaufen (Preise 1984). Auch dieSteuerfreibeträge für Erdöl- und Erdgasexplorationen sowie eineReihe anderer Zuschüsse, z. B. Steuererleichterungenfür Firmenautos, sind aufzuheben. - Keinerlei staatliche Finanzierung mehr für Forschung und Entwicklung im Bereich fossile Brennstoffe und Atomenergie, ausgenommen Mittelfür Sicherheits- oder Stillegungsmaßnahmen. Energiemarkt: Bessere Chancen für Alternativen Neben einer neuen Energiepreispolitik ist eine Marktregulierung nötig, damit dieMonopolstellung der Energiekonzerne aufgebrochen wird. In den USA, Japan und den meisten westeuropäischenLändern funktioniert die Kontrolle bei Baunormen, Geräteleistung und Sicherheit. Genausowesentlich ist sie zur Förderung einergrößeren Energieeffizienz. Die politischen Maßnahmendazu lauten: - Neue, an Effizienz orientierte, bindende Energiestandards für Geräte,Kraftfahrzeuge, Gebäude, Industriemotoren und Technologien. Staatlich festgesetzte Standards sind inLändern wie Deutschland, Japan und USA bereits wirksam. - Integrierte Ressourcenplanung (IRP): Die Gas- und Elektrizitätswirtschaft müssen verpflichtetwerden, vor dem Bau neuer Kraftwerke den finanziellen Aufwand zu projektieren (einschließlich Umweltkosten), mit den Kosten für Maßnahmenzur Effizienzverbesserung und/oder zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu vergleichen und der kostengünstigeren Variante den Vorzug zu geben. - Finanzierungsprogramme für DSM (Demand Side Management), das sich stärker anDienstleistungen für den Kunden orientiert. Bisher machten die Energieversorgungsunternehmen (EVU) dann Gewinne, wenn viel Energie verkauft wurde. Ein ständig steigenderEnergieverbrauch erschienwünschenswert, Energiesparen hingegen "schadete" den EVU. Mit der neuen Managementmethode von DSM bieten die EVU ein Service-Paket an, das dem Kunden hilft, den Energieverbrauch einzuschränken. Für dieseBeratung kommt der Kunde auf, der zum Ausgleich weniger Geld für Energie aufwenden muß. SobringtEnergiesparen beiden Seiten, Anbietern und Kunden, Nutzen und trägt gleichzeitig zur CO2-Reduktion bei. DSM-Ausgaben verdoppeln sich in den USA von 3,1 Milliarden Dollar jährlich auf etwa 7Milliarden bis zum Jahr 1995. Ausgaben zwischen 10 bis 20 Milliarden Dollar jährlich wären wirtschaftlichund würden das Klima schützen. Integrierte Ressourcenplanung und DSM sind heute in den USA an der Tagesordnung, werden in Europa in Ländernwie Holland, Dänemark und Norwegen zunehmendeingeführt und in Polen sowie der Tschechischen Republik aktiv gefördert. - Kaufprogramme nationaler und lokalerBehörden, d.h. Starthilfe für Effizienztechnologien und Solaranlagen, damit diese sich auf dem Markt behaupten können. - Gründung von Zentren fürEffizienztechnologien und erneuerbare Energien im früheren COMECON (ehemaliger Wirtschaftsverbundin Osteuropa) und in vielen südlichen Ländern,in denen fast keine Daten über Energieverbrauch, Energiepreise und Geräte bzw. Anlagenverfügbar sin
STUDIE ENERGIE
Sonnige Zukunft: Energieversorgung jenseits von Öl und Uran Inhalt VORWORT des Herausgebers ZUSAMMENFASSUNG Der Ausstieg ist machbar Sparen als neue Energiequelle Der Greenpeace-Standpunkt ERSTER TEIL Bilanz der Energieverschwendung Die Plünderung der Energieressourcen Temperaturanstieg ohne gleichen Grenzen der Ausbeutung: das Problem Entsorgung Klima in Gefahr Der natürliche Treibhauseffekt Der künstliche Treibhauseffekt Katastrophe als Dauerzustand? Unberechenbar: die Rückkopplungen Die globale Erwärmung: Indizien Umwelt in Gefahr Erst sterben die Wälder..., Umweltverschmutzer Auto Die tägliche Ölpest Atomenergie: geringer Nutzen, große Gefahren ZWEITER TEIL Greenpeace-Szenario Das Greenpeace-Szenario und seine Prämissen Quellen und Modelle Keine technologische Revolution auf dem Energiesektor Energiesparen als Quelle der Zukunft Erneuerbare Energien erobern den Markt Die Industrie spart Energie Wirtschaft und Bevölkerung wachsen Die Haushalte: gleicher Komfort, weniger Energie Transport und Verkehr: Vier Szenarien Dienstleistung: riesiges Sparpotential Ziele Die Ziele des alternativen Energiezenario Treibhauseffekt eindämmen Ausstieg aus fossiler Energie Globale Angleichung der Einkommen Ergebnisse Das alternative Energiesystem Geschütztes Klima Umbau des Energiesystems Maßnahmen zum Umbau des Energiesystems Preispolitik: Keine Subventionen für fossile Energie Energiemarkt: Bessere Chancen für Alternativen Forschung: Alternativen nicht zum Nulltarif Transport und Verkehr: Maßnahmenbündel Nord-Süd: Gefälle überwinden Internationale Abkommen: Wo ein Wille ist..., Internationale Energieagenturen: Neuer Wind Kosten Keine Mehrkosten für das neue Energiesystem Externe Kosten: Was kostet ein Menschenleben? DRITTER TEIL Ausblick Über das Modell hinaus Ökologische Grenzen respektieren Jahrzehnt der Entscheidung Literaturliste Die vorliegende Kurzfassung basiert auf dem Report: "Towards a fossil free energy future The Next Energy Transition" (FFES) desBoston Center des Stockholm Environment Institute (Bestelladresse: GreenpeaceInternational, Keizersgracht 176, 1016 DW Amsterdam, Niederlande) im Auftrag vonGreenpeace International, 1993 Vorwort des Herausgebers "Was die Welt uns geben kann, reicht für die Bedürfnisse, abernicht für die Habgier aller Menschen" - Mahatma Gandhi – Kohlendioxid (CO2)ist das bedeutendste Klimagas und damit verantwortlichfür mehr als die Hälfte des künstlichen Treibhauseffekts. CO2entsteht, wenn fossile Energieträger - Kohle, Erdöl, Erdgas -verbrannt werden, also bei fast allen Tätigkeiten in der industrialisiertenWelt. Jährlich beträgt der weltweite Ausstoß von CO2 22Milliarden Tonnen, wobei die Industrienationen 75 Prozent in die Luft blasen. Forscher des Intergovernmental Panel on Climate ein Pool der weltweitangesehensten kamen in ihrem Bericht "Wissenschaftliche Einschätzung desKlimawandels" zu folgendem Schluß: Die vom Menschen verursachtenEmissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen müssen sofort um 60Prozent reduziertwerden, falls ein Interesse besteht, die Erwärmung derErde auf dem jetzigen Level einzufrieren. Wie die dafür nötige Wende in der Energiepolitik aussehen kann,hat Greenpeace bereits mehrfach beschrieben. Ende 1991 erschien unter dem Titel"Ein klimaverträgliches Energiekonzept für (Gesamt-) Deutschland -ohne Atomstrom" eine Studie, die eine ökologisch wie ökonomischsinnvolle Alternative zur hiesigen Energiepolitik skizziert. 1992 gingGreenpeace mit einer Studie über "Least Cost Planning" auf ein zentralesElement für den Umbau der Energiewirtschaft ein. In der hier vorliegenden Publikation wird Greenpeace den weltweitenAusstieg aus nuklearen und fossilen Energieträgern als langfristigmachbaren und erforderlichen Weg darstellen. Wie dringend radikale Eingriffe indie Energiepolitik sind, zeigen die folgenden Trends: - Die größteinternationale Umweltkonferenz, die 1992 in Rio stattgefunden hat,verabschiedete lediglich eine unverbindliche Klimakonvention, die denUnterzeichnern keine Verpflichtungen zur Senkung der CO2- Emissionen auferlegte.- Die deutsche Regierung faßte 1990 den Beschluß, die CO2-Emissionen hierzulande um 25 bis 30 Prozent bis zum Jahr 2005 zu drosseln - unddabei blieb es. Bisher gibt es nicht im Ansatz Aktivitäten, um dieses Zielin die Tat umzusetzen. - Obwohl die dramatischen Auswirkungen auf das Klimahinreichend bekannt sind, steigen die CO2-Emissionen noch. Schätzungenzufolge werden bis zum Jahr 2010 weltweit 30 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr indie Luft geschleudert - Tendenz steigend. – In Schwellenländern wieChina, Indien, Lateinamerika oder der GUS werden die energiepolitischen Weichenjetzt gestellt. Was dort heute etabliert wird, prägt die kommendenfünfzig Jahre. Die Industrienationen, hauptverantwortlich für die Klimaänderung,zeigen nicht die geringste Neigung, die von ihnen angestoßene Entwicklungumzukehren. Im Gegenteil: Sie "exportieren" das westliche System der Energie-und Ressourcenverschwendung in die Länder des Südens. SkrupellosesWirtschaften aber untergräbt die Existenz des gesamten Planeten, derUmweltschutz gerät zunehmend ins Abseits. Die Wirtschaft könne weitere"Belastungen" nicht verkraften, tönt es aus den Schaltstellen vonWirtschaft und Politik im Hinblick auf die Rezession. Ob die Umwelt weitereLasten tragen kann, wird nicht diskutiert und das, obwohl die gesamte weitereExistenz des homo sapiens auf tönernen Füßen steht. Die gegenwärtige wirtschaftliche Krise ist keine vorübergehendeRezession, sondern eine tiefgreifende Strukturkrise unseres Wirtschaftssystems.Greenpeace ist der Ansicht, daß eine ökologisch ausgerichtete Reformdes Wirtschaftssystems überfällig ist. Ein Beispiel: Viele Produktedes täglichen Bedarfs - von der Waschmaschine bis zum Fotoapparat - sindselbst bei kleineren Defekten nur teuer oder gar nicht zu reparieren.Häufig ist es billiger, gleich ein neues Gerät zu kaufen, das altelandet nach kurzem Gebrauch auf dem Müll. Der Grund dafür ist,daß die Kosten für Ressourcen (Energie und Material) niedrig und dieAbgaben für Arbeitskraft (Lohnsteuer) hoch sind. So gehen Verschwendungund Rationalisierung von Arbeitskräften Hand in Hand. Diese Entwicklungsollte umgekehrt werden, indem die Ressourcen teurer, die staatlichen Abgabenauf die Löhne niedriger werden - mit dem Effekt einer ökologischverträglichen Produktion: mit weniger Materialeinsatz und mehr Arbeit. Matthias Stüwe Dezember 1993 Zusammenfassung Der Ausstieg ist machbar Die vorliegende Studie, die von unabhängigen Stellen, darunter dembekannten "Boston Centre des Stockholm Environment Institute" fürGreenpeace erarbeitet wurde, beweist: Ein schrittweiser Ausstieg aus fossilenEnergieträgern bis 2100 und das rasche Ende der Atomenergie bisspätestens 2010 sind technisch und wirtschaftlich machbar. An die Stelleder fossilen Brennstoffe treten allmählich effiziente Energietechniken underneuerbare Energiequellen. Mit diesen Maßnahmen ließen sich dieglobalen Kohlendioxidemissionen binnen vierzig Jahren um die Hälfte und biszum Jahr 2100 auf Null senken. Dem aberhaben viele Befürworter fossilerEnergieträger immer vehement widersprochen. 2 Nach Einschätzung derWissenschaftler ist ein Umbau des Energie-Systems machbar, ohne die Wirtschaftaus den Angeln zu heben oder mit Mehrkosten zu belasten. Dazu müssenGelder, mit dem der Staat ohnehin das Energiesystem beeinflußt, konsequentin Spartechnologien und erneuerbare Energien umgelenkt werden. StaatlicheEingriffe in das Energiesystem haben eine lange Tradition, bedenkt man die achtMilliarden Mark Subventionen für die deutsche Steinkohle oder dieamerikanischen Steuervergünstigungen für die Förderung vonErdöl. Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle wird auf der politischenBühne entschieden. Sparen als neue Energiequelle Die Industrieländer, als maßgebliche CO2-Verursacher, nehmen beider Reduktion eine Schlüsselrolle ein. Sie müssen nun damit beginnen,einen Prozeß umzukehren, den sie selbst verursacht haben. Derallmähliche Ausstieg aus fossilen Brennstoffen geht Hand in Hand mit derEinführung effizienter Energienutzung und einer umfassendenErschließung umweltschonender, erneuerbarer Energiequellen wie Sonnen- undWindenergie, Biomasse und kleineren Wasser- und Erdwärmekraftwerken.Erneuerbare Energien, die gegenwärtig 14 Prozent der weltweitenEnergieversorgung gewährleisten, würden nach diesem Szenario im Jahr2030 mehr als 60 Prozent der benötigten Energie liefern und im Jahr 2100den globalen Gesamtenergiebedarf decken. Atomstrom würde nur noch bisspätestens 2010 zum Einsatz kommen. Wenn dieses Szenario verwirklicht wird,ließen sich die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 um die Hälftedrosseln. Dadurch verringerte sich der Temperaturanstieg von 0,3 Grad Celsiuspro Jahrzehnt binnen 30 Jahren auf 0,1 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Allerdingsmüßte mit dem Umbau der Energiewirtschaft sofort begonnen werden.Für jedes Jahrzehnt, das ohne einen radikalen Wandel in der Energiepolitikverstreicht, muß mit einer zusätzlichen Temperaturerhöhung um0,4 Grad Celsius gerechnet werden. Der Greenpeace-Standpunkt Den rechnerischen Simulationen liegen Prognosen der Weltbank, des IPCC(Intergovernmental Panel on Climate Change) und der Vereinten Nationen zurWirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung zugrunde. Deren Voraussagenberuhen auf konservativen Annahmen: daß Wirtschaft und Bevölkerungweiter wachsen, daß der auf Konsum ausgerichtete Lebensstil derIndustrienationen nicht angetastet wird und neue Technologien nur begrenztverfügbar sind. Greenpeace teilt diese wachstumsorientiertenEinschätzungen nicht. Das alternative Energie-szenario "Fossil Fuel EnegyScenario" (FFES) legt sie zugrunde, um mit anderen Szenarien, etwades IPCC,vergleichbar zu sein. Greenpeace geht davon aus, daß sich dieIndustrienationen in Zukunft die Frage nach dem "Wieviel" stellen und sich amPrinzip "Genug" orientieren müssen: das heißt, ein begrenzter Konsumpro Kopf und eine Industrie, die nicht mehr auf unbegrenztes Wachstum setzt. Einanhaltendes Wirtschaften in Richtung Grenzen verfügbarer Ressourcenbrächte irgendwann ähnliche politische und militärische Konflikteum Edelmetalle, Wasser oderHolz wie sie schon heute um Öl toben. Auch diewachsende Weltbevölkerung, die das Szenario zugrundelegt, hat langfristigentscheidenden Einfluß auf den Energie- bzw. Rohstoffverbrauch insgesamt.Aber selbst auf der Basis derkonservativen Annahmen des Szenarios ist an demErgebnis nicht zu rütteln: Die Welt kann in Zukunft ohne fossileBrennstoffe und Atomenergie auskommen. Der Einsatz fossiler Brennstoffe fürweitere hundert Jahre, wie die Studie ihn vorsieht, birgt allerdings Gefahren.Eine ernsthafte Beeinträchtigung des Klimas und der Ökosysteme derErde ist nicht mit Sicherheit auszuschließen. Mit dem vorliegendenSzenario kann lediglich die schlimmstmöglicheEntwicklung verhindertwerden. Die Auswirkungen eines globalen Temperaturanstiegs sind jedoch kaumkalkulierbar. Das sollte Grund genug sein, Vorsorge zu treffen und dieCO2-Emissionen noch scheller als hier vorgesehen zu drosseln. Die Studieoffenbart darüberhinaus, daß technikorientierte Antworten mittel- undlangfristig nicht mehr greifen werden und die Diskussion um Klimaschutz, bzw.Ökologie allgemein eine neue Qualität erhalten müssen. Dazugehören Überlegungen zur Eingrenzung des Bevölkerungswachstums,zur Gestaltung eines fairen Nord-Süd-Verhältnisses und zu einem Wandeldes Lebensstils in den Industrienationen. In diesem Sinne liefert die StudieBausteine zu einer globalen Erdschutzpolitik. Bilanz der Energieverschwendung Die Plünderung der Energieressourcen Mehr als 400 Millionen Jahre vergingen, bis durch chemischeUmwandlungsprozesse und Photosynthese aus organischen"Abfällen" der Naturdie fossilen Bodenschätze der Erde entstanden. Heute verbrennt dieMenschheit an einem Tag mehr fossile Energie als sich in tausend JahrenErdgeschichte gebildet haben. Seit Beginn der industriellen Revolutionkletterteder Energieverbrauch stetig. Im Zeitraum von 1860 bis 1985 stieg er um das60fache. Zwischen 1970 und 1990 wurde die unglaubliche Menge von 450 MilliardenBarrel (1 Barrel = 119,228 Liter) Erdöl, 90 Milliarden Tonnen Kohle und 31Billionen Kubikmeter Erdgas verbrannt. Der Zugriff auf die Ressourcen ist höchst ungleich verteilt: 72Prozent der Energie wird von den Industrienationen - das sind ein Viertel derWeltbevölkerung - beansprucht. Ein Europäer verbraucht beispielsweisedurchschnittlich 10 bis 30 mal mehr kommerziell gelieferte Energie als einBewohner des Landes der "Dritten Welt"; die Nordamerikaner bringen es auf das40fache. Damit emittieren die Bewohner des Nordens80 Prozent allerTreibhausgase, die die Erde künstlich aufheizen. Temperaturanstieg ohnegleichen Im vergangenen Jahrzehnt sind zahlreiche Studien über die Zukunftvon Energiewirtschaft und Klima erschienen - mit düsteren Vorhersagen:Trotz Treibhauseffekts ist in den kommenden vierzig Jahren mindestens mit einerVerdoppelung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe und mit einem nochstärkeren Ausbau der Atomenergie zu rechnen – wenn die Menschen mitder Verschwendung fortfahren. Das belegen Szenarien vom Intergovernmental Panelon Climate Change (IPCC) beziehungsweise von der amerikanischen EnvironmentalProtection Agency (USEPA): Nach beiden Modellen erhöht sich der Verbrauchfossiler Brennstoffe bis zum Jahr 2030 um mehr als das Doppelte. DieKohlendioxidemissionen würden sich bis zum Jahr 2030 weltweit verdoppelnund bis 2100 um 350 bis 450 Prozent erhöhen. Inwieweit sich als Folgehiervon der CO2-Gehalt in der Atmosphäre erhöht, ist von mehrerenFaktoren abhängig, z.B. davon, wieviel CO2 in den Ozeanen oder derVegetation gespeichert wird, wie schnell die Zerstörung derRegenwälder voranschreitet und welche anderen Effekte hinzukommen(s.Rückkopplungseffekte). Die Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages geht davon aus,daß sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre bei Fortführung derbisherigen Energiepolitik bis zum Jahr 2025 verdoppeln wird.4 Andere Autorensagen eine Verdoppelung bis zum Jahr 2060 voraus.5 Dies bedeutete nachEinschätzung der Autoren des "Fossil free energy scenario" (FFES) bis zumJahr 2100 einen in der Geschichte beispiellosen globalen Temperaturanstieg umvier Grad Celsius, evtl. sogar mehr. Die Folgen für das Klima wärenfatal: Auch wenn die Prognosen im Detail variieren, teilen alle Wissenschaftlerdie Aussage, daß mit einem Temperaturanstieg zu rechnen ist, derhöher ist als alle Temperaturschwankungen in den letzten 10.000 Jahren. Waswürde ein erhöhter Verbrauch von fossilen Brennstoffen in Zukunftbedeuten? Er hätte nicht nur katastrophale Folgen für das Klima. Hinzukäme ein ungeheurer, mit der Deckung des zusätzlichen Energiebedarfsverbundener technischer und finanzieller Aufwand. Nötig wären: Die Inbetriebnahme eines 1000-MW-Kohlekraftwerks alle zwei Tage Die Verdoppelung der Ölförderung in OPEC-Ländern Die Erschliessung neuer Ölfelder in der Größe des 672Kilometer großen Feldes von Prudhoe Bay in Alaska alle ein bis zwei MonateDer Bau eines neuen Atomkraftwerks alle sechs bis acht Wochen Nach Schätzungen des IPCCund der USEPA6 müßten in dennächsten dreißig Jahren allein für Kraftwerke weltweit 7.785Milliarden Dollar hingeblättert werden. Das World Energy Council (1993)beziffert den Kapitalbedarf für den weltweiten Ausbau der Energieversorgungbis 2020 auf ca. 30.000 Milliarden Dollar. Grenzen der Ausbeutung: das Problem Entsorgung Die Erde und ihre Bewohner stehen in einem Kreislauf gegenseitigerAbhängigkeit zueinander: Der Mensch entnimmt der ErdeRohstoffe undRessourcen und "entsorgt" diese später als Wärme, Müll oderLuftschadstoffe. Die Mengen dieses Rohstoff- und Energieflusses sind begrenzt.Ein limitierender Faktor ist, daß die nutzbaren Rohstoffvorkommenirgendwann zur Neige gehen. Die eigentliche Begrenzung stellt jedoch das Problemder Entsorgung dar. Beispiel Müll: Schon heute versinken dieIndustrienationen im Müll und bürden anderen ändern -vorzugsweise des Südens - in Form vonMüllexporten die Lasten ihresverschwenderischen Lebensstils auf. Der weltweite Atommüllberg wächstebenfalls stetig, aber noch immer gibt es weltweit kein Endlager für dieradioaktive Erblast dieser gefährlichen Technologie. Die Frage ist auchnicht, wann die fossilen Energieträger erschöpft sein werden, sondernwie lange das Ökosystem noch Kapazitäten hat, Schadstoffe zu"entsorgen". Entsprechend international anerkannter Strategien zum Schutz desKlimas dürfen bis zum Jahr 2100 weltweit nur noch ca. 300 Milliarden TonnenKohlenstoff freigesetzt werden, wenn der Klimakollaps verhindert werden soll.Die fossilen Brennstoffe dieses Planeten würden jedoch ausreichen, um 5000bis 10 000 Milliarden Tonnen in die Luft zu blasen. Jede Energienutzung istzudem an Rohstoffverbrauch gekoppelt; dabei entstehen weitere Abfallprodukte,die die Umwelt belasten. Eine intelligente Energienutzung wäre auch einBeitrag zur Entschärfung des Müllproblems. Ein weiteres Argument gegendie sorglose Plünderung der Ressourcen ist die zunehmende Abhängigkeitvieler Länder vom teuren Import fossiler Brennstoffe, insbesondere vonErdöl. Diese Abhängigkeit führt zur Konkurrenz um knappeEnergieträger und zu internationalen Spannungen. Für dieVolkswirtschaften zahlreicher Länder des Südens ist die finanzielleBelastung durch horrende Energieausgaben schon heute untragbar. Klima in Gefahr Der natürliche Treibhauseffekt Seit Millionen Jahren sorgt der natürliche Treibhauseffekt füreine ausgeglichene Temperatur der Erdatmosphäre. Wie die Glasscheiben einesTreibhauses lassen die Treibhausgase (Kohlendioxid, Wasserdampf, Ozon, Lachgasund Methan) die Sonnenstrahlung passieren und halten die reflektierte Wärmein Nähe der Erdoberfläche fest. Ohne den natürlichenTreibhauseffekt herrschten auf der Erde durchschnittlich minus 20 Grad Celsius,und damit wäre sie unbewohnbar. Ein in Millionen Jahren entstandenes,komplexes System ineinandergreifender biologischer und hydrologischerRegelkreise sorgt für ein stabiles Gleichgewicht der Treibhausgase. Sonehmen beispielsweise Pflanzen Kohlendioxid auf und geben es bei ihrerVerwitterung wieder an die Umwelt ab. In den vergangenen 160.000 Jahren erlebtedie Erde bislang zwei Perioden, in denen die mittlere, globale Temperatur umfünf Grad Celsius unter dem heutigen Mittelwert lag. In diesen Eiszeitenlag Nordeuropa unter meterdicken Schnee- und Eismassen begraben. DieseEntwicklungen vollzogen sich allerdings sehr langsam: Tausend Jahre dauerte es,bis die Erde sich nach einer Eiszeit wieder auf "normale" Temperaturenerwärmte. Derkünstliche Treibhauseffekt Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäreentweichen, desto mehr Wärme wird in ihnen festgehalten.Mit einem Anteil von 50 Prozent am menschengemachten Treibhauseffekt ist Kohlendioxid (CO2) der Klimakiller Nummer eins; jährlich etwa 22 Milliarden Tonnen heizen das Klima auf. Hinzu kommen andere Treibhausgase wie FCKW (17 Prozent), Methan (13 Prozent), Ozon (7 Prozent) und Lachgas (5 Prozent). Mehr als 100.000 Jahre langüberstieg die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphärenie 0,028 Prozent oder 280 ppm (parts per million = Teile je Millionen Teile Luft). In nur einem Jahrhundert dagegen, vom Beginn der industriellen Revolution bis heute, ist die Konzentration des Kohlendioxids auf 357 ppm (= Teileje Millionen Teile Luft) angestiegen. Wenn die Menschen am verschwenderischen Lebensstil festhalten, wird die CO2-Konzentration in weniger als fünfzig Jahren600 ppm erreichen. Klimatologen sagen für diesenFall einen so rasanten, globalen Temperaturanstieg voraus, wie ihn die Menschheit noch nicht erlebt hat. Katastrophe als Dauerzustand? Wenn die Durchschnittstemperaturen weiter so rapide ansteigen, steht dem Planeten Erde eine nicht rückgängig zu machendeKlimaveränderung ins Haus. Die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) für die Jahre 1990und 1992 nennen einige der möglichen Auswirkungeneiner schnellen Erwärmung der Erde: - veränderte Niederschlagsverhältnisseund Ausdehnung von Dürregebieten - Verlust riesiger Landstriche aufgrund des anschwellenden Meeresspiegels und der Ausdehnung der Meere - schwierigere oder nicht mehr gewährleistete Wasserversorgung in manchen Teilen der Welt - weitgehende Beeinträchtigung der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei - ernsthafte Gesundheitsschädigung des Menschen - Aussterben zahlreicher Pflanzen- und Tierarten. Die natürlichen Ökosysteme rund um die Weltwären nicht in der Lage, sich an den raschen Temperaturanstieg anzupassen. Auf der Nordhalbkugel wäre damit beispielsweise das Absterbenriesiger Wälder verbunden, da die Flora und Fauna kontinentales, kaltgemäßigtes Klima(boreal) benötigt. Hurrikans in den Tropen und Orkanein gemäßigten Klimazonen wie Europa werden sichhäufen und heftiger werden, ein Phänomen, das schonheute zu beobachten ist. Millionen von Menschenmüßten aufgrund des steigenden Meeresspiegels, in Folge von Überschwemmungen oder Wüstenbildung ihreHeimat verlassen und zu Umweltflüchtlingen werden. In Bangladesh würden vermutlich dieertragreichsten landwirtschaftlichen Nutzflächenüberflutet, während im Mittelmeerraum mit großer Dürreund Wasserknappheit zu rechnenwäre. Unberechenbar: die Rückkopplungen Die Realität könnte diese Prognosen sogarnoch übertreffen. Der IPCC hat darauf hingewiesen,daß einige Faktoren unzureichend in die Berechnungen eingeflossen sind: Beispiel Ozeane: Ein beträchtlicher Teil desCO2 aus der Luft wird von den Ozeanen aufgenommen und von ihnen gelöst (wie Kohlensäure im Mineralwasser). Der Treibhauseffekt bewirkt auch eine Erwärmung der Ozeane, so daß diese wenigerCO2 aufnehmen. Dadurch gelangt mehr CO2 in die Atmosphäre, derTreibhauseffekt verstärkt sich,es wird noch wärmer. Dieses wird im Fachjargonals "positive Rückkopplung" bezeichnet; die Auswirkungen sind negativ. Beispiel Methan: Wenn sich Dauerfrostboden und Tundra durch den Treibhauseffekt erwärmen,können sie enorme Mengen an Methan freigeben. Im Vergleich zum heutigen Methangehalt in der Atmosphäresind die noch schlummernden, natürlichen Vorkommen dieses Gases gewaltig. Das entweichende Methan würde den Treibhauseffekt verschärfen undeine weitere, verhängnisvolle positive Rückkopplungin Gang setzen. Beide Mechanismen könnten den Treibhauseffekt explosionsartig beschleunigen und intensivieren. Es gibt auch negative Rückkopplungsmechanismen, die denTreibhauseffekt abschwächen könnten. Diskutiert wird indiesem Zusammenhang beispielsweise der Einfluß vonWolken, Wasserdampf oder Gletschern. Doch selbst wenn negative Rückkopplungen den Treibhauseffekt eindämmen, umkehren werden sie ihn nicht. Die globale Erwärmung: Indizien Die Enquête-Kommission "Schutz derErdatmosphäre" des Deutschen Bundestages schreibt 1992: "Beobachtungen innerhalb der letzten 30 bis 50 Jahre weisen eindeutig auf eine beginnende Umstellung des globalen Klimas hin". 7 Indizienfür eine beginnende Erwärmung der Erde: - Die sieben wärmsten Jahre, die seit 1860 verzeichnet wurden, fielen ins letzte Jahrzehnt, wobei die Jahre 1990 und 1991 die höchsten Temperaturmittelwerte aufwiesen. - Die Verdunstung über den tropischen Mee-renhat zwischen 1949 und 1989 um 16 Prozent zugenommen. - Die Oberflächentemperaturen der tropischenOzeane sind zwischen 1949 und 1989 um 0,5 Grad gestiegen. - Das rasch fortschreitende Ausbleichen der Korallenriffe, die sehr empfindlich auf Schwankungen der Wassertemperatur reagieren, ist ein trauriges Indiz für den beginnenden Temperaturanstieg: Die Korallen stoßen in Folgeder Erwärmung des Wassers ihre Symbiosepartner, die Braunalgen, ab. Die Algen bleichen aus und sterben innerhalb weniger Monate. - In den letzten 20 Jahren ist die Winddynamik um etwa 40 Prozent angestiegen. In den Tropen haben die Windgeschwindigkeiten um 20 Prozent und in den mittleren Breiten um 15 Prozent zugenommen. In wenigen Jahren (1988 bis 1992) traten gleich drei Hurrikane auf. - Die Gebirgsgletscher schmelzen ab. Seit 1950 haben die Gletscher in den Alpen etwa dieHälfe ihrer Eismassen verloren. - Der Meeresspiegel ist in den letzten hundert Jahren um 10 bis 20 Zentimeter angestiegen. Eskalierende Kosten jüngster Naturkatastrophen: OKT. 1987 NW-Europa Unbenannter Sturm $2,5 Mrd. SEPT.198 USA Hurrikan Hugo $5,8 Mrd. JAN. 1990 NW-Europa Orkan Daria $4,6 Mrd. FEB. 1990 NW-Europa Orkan Herta $1,3 Mrd. FEB. 1990 NW-Europa Orkan Vivian $3,2 Mrd. FEB. 1990 NW-Europa Orkan Wibke $1,3 Mrd. JULI 1990 USA Stürme in Colorado $1,0 Mrd. SEPT.1991 JAPAN Taifun Mireille $4,8 Mrd. AUG. 1992 US Hurrikan Andrew $20 Mrd. AUG. 1992 USA Wirbelsturm Iniki $1,4 Mrd. Die Versicherungen schlagen Alarm: Die Leistungsansprüche und ZahlungenimZusammenhang mit extremen Wetterlagen sind innerhalb der letzten 25 Jahre weltweit steil angestiegen. Umwelt in Gefahr Erst sterben die Wälder... Der Treibhauseffekt mit drohender Klimaänderungist nur eine einzige Folge der verfehlten Energiepolitk. Die "moderne" Art der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen verursacht aber noch andere beachtlicheSchäden. Fast 170 Millionen Tonnen Schwefel und Stickoxide werden aus Kraftwerken, Autos und aus anderen Quellen jährlich in die Luft geschleudert.Die Säureablagerung und die damit verbundene Verschmutzung führen zu Waldsterben, Umkippenvon Seen und zu Erkrankungen der menschlichen Atmungsorgane. Allein in Deutschland werden die Kosten des Waldsterbens auf jährlich neun Milliarden DM geschätzt. Und die Giftkonzentrationen steigen immer weiter. Bereinigt wurde alleine die Sprache: "Waldsterben"heißt heute "Waldschäden", der jährliche "Waldschadensbericht" mutierte zum "Waldzustandsbericht", als ob das Sterben der Wälder ein ganz normaler Zustand wäre. Umweltverschmutzer Auto Es gibt 680 Millionen Kraftfahrzeuge auf diesem Planeten, und jede Sekunde kommt ein weiteres hinzu. Das heißt: für zwei Neugeborene einneues Kraftfahrzeug. Autos verschlingen mehr als die Hälfte des gesamten Erdölverbrauchs. EinLiter Autosprit erzeugt beim Fahren 2,4 Kilogramm CO2. Die Städte ersticken in Autoabgasen, undihre Bewohner verbringen die Zeit in Verkehrsstaus. Stickoxide aus den Abgas-"Cocktails" verwandeln sich in der Luft in "Sauren Regen", der Menschen, Wäldern und Gebäuden schadet. Aus Stickoxidenund Kohlenwasserstoffen entsteht bei Sonneneinstrahlung Ozon. Dieses bodennahe Ozon (nicht zu verwechseln mit dem UV-Schutzschild der Atmosphäre) istein aggressives Reizgas und mitverantwortlich für Waldsterben sowie für Augen-, Rachen- und Lungenerkrankungen beim Menschen. Mexiko City überschreitet die Smoggrenzwerte der Weltgesundheitsorganisation die meiste Zeit im Jahr. Die tägliche Ölpest Zwischen 1980 und 1990 liefen in Westsibirien jährlich schätzungsweise 18 Millionen BarrelErdöl aus und zerstörten 55.000 Quadratkilometer des empfindlichen Permafrostökosystems. 1989strömten aus dem Tanker der Exxon Valdez vor Alaska 1,4 Millionen Barrel Öl ins Meer und verursachtenein größeres Tiersterben als jede frühereÖlpest. Vier Jahre nach dem Unfall fand man verkrüppelteFische, hirngeschädigte Robben, unfruchtbare Vögel undtote Schwertwale. Öl ist für Flora und Faunaein tödliches Gift; es kann sich im Fettgewebe der Tiere anlagern und chronische Schädenanrichten. Wenn es Kleinstlebewesen (Muscheln, Schnecken) zerstört, ist die gesamte marine Nahrungskette bedroht. So spektakulär die sichtbare Ölpestist, lediglich fünf Prozent der drei bis vierMillionen Tonnen Öl, die jährlich die Ozeane vergiften,gehen auf das Konto der Havaristen. Der Hauptanteil stammt aus Schiffen, die ihre Tanks auf hoher See waschen oder aus undichten Pipelines. Atomenergie: geringer Nutzen, große Gefahren 50 Jahre hat die Industrie an der Atomenergie gebastelt und Milliarden von Dollar in diese Technologie gepumpt. Trotz allem deckt die Atomenergie nur fünf Prozent des globalen Energiebedarfs; ihre Risiken und Gefahren sind unermeßlich. Die Katastrophe von Tschernobyl verstrahlteüber 100.000 Quadratkilometer Landund machte es unbewohnbar. Die Atomindustrie gibt die Anzahl der Strahlentoten allein in der Ukraine mit 6000 bis 8000 an, aber unabhängige Stellengehen von deutlich höheren Zahlen aus. Bei den Unfallbekämpfungsmaßnahmen waren über600.000 Katastrophenhelfer im Einsatz. Nach offiziellen Angaben kostete der Unfall die Sowjetunion von 1986 bis 1989 insgesamt 9,2 Milliarden Rubel (das sind nach alter Berechnungsgrundlage umgerechnet 200 Milliarden Mark). In der Bundesrepublik gab es im Zeitraum 1990 bis 1992 691"meldepflichtige Ereignisse" (Behördendeutsch für"Störfälle"). Diese Zahl läßt ahnen, wieviele "Ereignisse"es weltweit gegeben haben mag. Wiederaufarbeitung und "Entsorgung" von atomarem Abfall sindgefährlich, teuer und nutzlos; die Entsorgung ist noch heute ungeklärt. Boden aus der Nähe der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Sellafield, England, ist so verstrahlt, daß er 34.000 mal soviel Plutonium enthält wie deutscherAckerboden. In WAAs wie Sellafield oder dem französischenLa Hague funktioniert die "Abfallbehandlung" nicht nach Plan. Die Anlagen werden daher zu Zwischenlagern für in- und ausländischenAtommüll. Die Entsorgung radioaktiven Mülls ist 50 Jahrenach Einführung der Atomenergie ungelöst. Dashindert die Industrie jedoch nicht daran, Jahr fürJahr weltweit 150.000 Kubikmeter kontamimierteAbfälle wie Kleidung, Werkzeuge, Flüssigkeiten etc. zu produzieren; dazu kommen noch pro Jahr 10.000 Tonnen abgebrannte Brennelemente. Bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts werdenschätzungsweise 450.000 Tonnen abgebrannter Brennelemente anfallen. Bislang wurden weltweit nahezu 900 Tonnen Plutonium produziert - für eine Atomwaffe reichen siebenbis neun Kilogramm. Überhaupt ist der Gedankeeiner "friedlichen" Nutzung der Atomkraft reine Fiktion: In einer 1990 erschienen Studie der amerikanischen Carnegie Friedensstiftung heißt es: Ohne dieHilfe westdeutscher Firmen "wäre Pakistan heute nichtin der Lage, Atomwaffen zu produzieren, wäreIndiens nukleares Potential weitaus kleiner undbesäßen weder Argentinien noch Brasilien die Fähigkeitzur Herstellung spaltbaren Materials". Greenpeace-Szenario Das Greenpeace-Szenario und seine Prämissen Die zentrale Frage der Studie lautet: Ist ein stufenweiser, weltweiter Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger und der Atomenergie ineinem vorgegebenen Zeitrahmen (bis zum Jahr 2100) ökonomisch und technisch machbar?Kann aufdiese Weise die Erwärmung der Erde eingedämmt werden?Die vorliegende Studie richtet sich vor allem auf Treibhausgase, die durch die Energienutzung emittiert werden, allen voran das Kohlendioxid. Die Emission anderer Treibhausgase wurde in dem FFES in Anlehnung an bestehende Beschlüsse (Montrealer Protokoll zu FCKW) oder auf der Basis von Untersuchungen zu Methan (CH4) oder Lachgas (N2O) ( Studien der US Environmental Protection Agency, USEPA) berücksichtigt. Quellen und Modelle Das für Greenpeace erarbeitete alternative Energieszenario (FFES) verbindet im wesentlichen drei erprobte Computermodelle miteinander. Diese analysieren die Entwicklung des Energieverbrauchs, seine Auswirkung auf das Klima und die wirtschaftlichen Aspekte. Das "Stockholm Environment Institut" und der Berater Paul Waide prüften mehr als hundert Berichte über Energie-und Klimaszenarien aus den letzten Jahren. So konnten die neuesten Daten zu erneuerbaren Energiequellen (z.B. Biomasse), zu fossilen Brennstoffen und die renommierten Klimamodelle (IPCC 1990 und 1992) einfließen. Zudem nahmen die Verfasser eine detaillierte Analyse des Transportsektors vor. Durch Änderung derAnnahmen (z.B. geringeres Wirtschaftswachstum, langsamere Bevölkerungsentwicklung) entwarfen die Autoren verschiedene Varianten des FFES. Die Welt wurde in zehn Zonen unterteilt, umdie Vergleichbarkeit der Modellrechnungen mit anderen Untersuchungen zu gewährleisten. Die drei Computermodelle 1. LEAP (Longrange Energy Alternative Planning = Langfristige Alternative Energieplanung) ist ein Modell des globalen Energieendverbrauchs, das sich seit zehn Jahren bewährt hat (z.B. beim "Kenya Fuelwood Project,1980-82"). LEAP ist mit einer internationalen Umweltdatenbank (Environmental Data Base) verbunden und wurde für dieSchätzung künftiger Treibhausgasemissionen verwendet. Das Modell bewertet den regionalen und weltweiten Energieverbrauch nach Sektoren sowie Fragen zu Energieressourcen und Technologien. 2. STUGE (= Sealevel and Temperature Change Under the Greenhouse Effect) ist ein Klimamodell des Fachbereichs Klimaforschung der britischen University of East Anglia. Es befaßt sich mit Veränderungen des Meeresspiegels und desKlimas. Mit Hilfe dieses vom IPCC anerkannten Modells konnten Klimaziele entwickelt und die klimatischen Auswirkungen des FFES in seinen verschiedenen Varianten beurteilt werden. 3. ASF (= Atmospheric Stabilisation Framework) ist ein Klimamodell der US Environmental Protection Agenca (USEPA). Es setzt die Rahmenbedingungenfür eine Stabilisierung des Klimas. Dieses Modell diente dazu, die Ergebnisse von STUGE zuüberprüfen und Kostenfaktoren zu berechnen. Die Analysen zum Energiesektor basieren auf dem häufigverwendeten makroökonomischen Edmonds-Reilly-Modell (ER), welches Preis- und Einkommensfaktoren instärkerem Maße als LEAP berücksichtigt. Zusammen mitden LEAP-Ergebnissen konnten so zusätzlicheKostendaten in das Projekt integriert werden. Keine technologische Revolution auf dem Energiesektor Bei der Energieeinsparung und den erneuerbaren Energien wird auf bekannte und ausgereifte Techniken zurückgegriffen. Rasante Technologiesprünge sind nicht vorgesehen.Überholte Geräte und Apparate müssen durchenergiesparende Ausrüstungen ausgetauscht werden, stillgelegte Kraftwerke auf der Basis fossiler Brennstoffe werden zunehmend durch Systeme auf der Grundlage erneuerbarer Energien ersetzt. Effizienztechnologien und alternative Energiequellen werden jedoch erst dann installiert, wenn sie - verglichen mit herkömmlichen Energieträgern - rentabel sind.Energieintensive Produktionen wie z.B. Stahl oder Zement werden teilweise durch innovative Materialien (z.B. Keramik, Verbundwerkstoffe) ausgetauscht. Konkret soll dies z.B. innerhalb des neuen Forschungszentrums der Daimler Benz AG erfolgen: Ventile, Pleuel und Kolben aus Siliziumnitrid könnten das Gewicht von Motoren drastisch reduzieren. Untersucht werden sollen auch neue Materialien und Sandwichbauweisen für den Leichtbau. Die Studie klammert aus: Die Gewinnung von Energie aus Gezeitenkraftwerken, die Nutzung von Erdwärme durch die "Hot-Dry-Rock-Technik"und Müllverbrennungsanlagen. Der Ansatz ist damit konservativ, d.h. nur moderate Veränderungendes technologischen Status quo werden angepeilt. Ein technischer Durchbruch würde den Umbau des Energiesystems beschleunigen und qualitativ verbessern. So könnten beispielsweise fortschrittliche "Zwei-Photon"- Leuchtschichten und elektrodenlose Lampen den Energiebedarf für Beleuchtung noch um die Hälfte des im Szenario errechneten Wertes verringern. Energiesparen als Quelle der Zukunft Die wichtigste Energiequelle der Zukunft ist das Energiesparen, und so ist die Energieeffizienz der Schlüssel zum FFES. Effizient ist die Nutzungvon Energie, wenn mit wenig Einsatz von Ressourcen ein maximaler Nutzen erzielt wird. Das ist heutzutage nicht der Fall. Die USA erhöhten in denvergangenen hundert Jahren die Nutzungseffizienz von Energie nur um ein Prozent pro Jahr. Viele andereLänder überschritten zwischen 1973 und 1986 aufgrund staatlicher Maßnahmen und steigenderEnergiepreise eine Jahresrate von 2,5 Prozent. Neue steuer- und ordnungspolitische Maßnahmen sind daher fürdie Entwicklung intelligenter Techniken zentral. Obwohl die Nutzungseffizienz in den Jahren 1973 bis 1986 vielerorts erhöht wurde (Energiesparen in Folgedes Ölpreisschocks), ist das Potential der kostendämpfenden Energieeinsparung immens und bisher kaum erschlossen. Das ist sehr erstaunlich, denn es gibt bereits erprobte Technologien für Fahrzeuge, Gebäude, Apparate und Industrieverfahren, die den Energieverbrauch bei gleicher oder verbesserter Leistung um 15 bis 85 Prozent senken könnten: hochwärmegedämmteGebäude, die fast nicht beheizt werden müssen, Autos,die viermal weniger Kraftstoff verbrauchen undGeräte mit einem Stromverbrauch, der 90 Prozent niedriger ist als heute generell üblich. Das FFES setztauf eine rasche Verbesserung der Energieeffizienz. Die für eine wirtschaftliche Produktionseinheit benötigte Energiemenge vermindert sich in den kommenden 20 Jahren um 40 Prozent, bis 2030 um 60 und bis 2100 um 87 Prozent. DieEnergieintensität sinkt aufgrund intelligenter Nutzung und struktureller Änderungen in der Wirtschaft um durchschnittlich 2,5 Prozent jährlich in den kommenden vierzig Jahren und geht danach pro Jahr um weitere 0,5 Prozent zurück. Die Studie nimmtan, daß die Energieintensität bis zum Jahr 2030 um50 Prozent zu verbessern ist; danach ist eine weitere, wenn auch sehr viel langsamere Energieeinsparung um 30 Prozent zu erwarten. Bis 2030 dürften 20Prozent der Heizwärme durch Kraft-Wärme-Kopplunggeliefert werden, wobei allmählich von Erdgasbetrieb auf Biogas umgestellt wird. Erneuerbare Energien erobern den Markt "Erneuerbare Energien" verwenden dienatürlichen Energieströme der Erde und tasten dieendlichen Energievorräte wie fossile Brennstoffe und Atomenergie nicht an. Wenn alternative Energien vernünftig eingesetzt werden, sind sieökologisch verträglich. Heute decken diese Energieträger,vor allem Wasserkraft und Biomasse, bereits 14 Prozent des globalen Energiebedarfs. Seit einigen Jahren sinken die Kosten für erneuerbare Energien.Zwar sind diese Energiesysteme in der Finanzierung teurer, dafür ist der Betriebsaufwand niedrigerals bei Systemen auf fossiler Basis. Bei niedrigerem Zinssatz (acht Prozent oder weniger) sind Technologien für Windenergie,solarthermische Energie, Biomasseverbrennung, passive Solarenergienutzung in Gebäuden (wie z.B. in Wintergärten), Wasserkraft und Erdwärmegegenüber fossiler Energieversorgung in manchen Ländernheute schon konkurrenzfähig. In der Bundesrepublik beispielsweise erzeugt ein neues Kohle-Kraftwerk Strom zu 0,13 DM und 0,16 DM pro Kilowattstunde. Eine Kilowattstunde aus einer modernen Windkraftanlage ist für 0,14 DM zu haben. In abgelegenen Gebieten ist Elektrizität aus Solarzellen schon jetzt günstiger alsDieselstrom; sie dürfte sich bis 2010/2015 alskostengünstige Alternative zu herkömmlicher Energie ausfossilen Kraftwerken erweisen. Weltweit sind die Preisefür erneuerbare Energiequellen gefallen. Binnen eines Jahrzehnts ist Elektrizität aus Windenergie inden USA und Dänemark um 70 Prozent billigergeworden. Die Kosten für solarthermische Energie sindseit 1980 um 75 Prozent gesunken und werden sich bis zum Jahr 2000 um weitere 25 Prozent reduzieren. Wenn die Anlagen und technischen Geräte in Massenproduktion gefertigt würden, könnte derPreis für Strom aus Solarzellen um 75 Prozentgesenkt werden. Heute kostet eine Kilowattstunde 1,30 DM bis 3,50 DM pro Kilowattstunde, dann würde der Kunde weniger als 0,50 DM bezahlen.11 Aus Analysen verschiedener Forschungsinstitute ergibt sich,daß erneuerbare Energien in zwanzig bis dreißigJahren mit fossilen Brennstoffen im Preis konkurrieren können. Die Studie projektiert einenanfänglich bescheidenen Beitrag der direkten Nutzung der Sonnenenergie zur Heizkraft: im Jahr 2100 maximal 20 Prozent in den sonnigsten Regionen, im Jahr 2030 schon 10 Prozent. Es wird angenommen, daßmehr Strom erzeugt wird und die Elektrizität imJahr 2100vor allem durch den Einsatz von Elektrowärmepumpen der wichtigsteEnergieträger sein wird. Eine kurzfristige Verwendung von Biomasse hängt von der schnellen Verbreitung ökologischer Landbaumethoden ab. Das bedeutet jedoch nicht, daß weiter im gegenwärtigenUmfang und Tempo Wälder abgeholzt und intensive Monokulturen betrieben werden. Biomasse und Wasserstoff decken den Großteil desrestlichen Bedarfs. Die Industrie spart Energie Der Industriesektor gliedert sich in die sechs Sektoren Eisen und Stahl, Nichteisenmetalle, Nichtmetallische Minerale, Papier und Zellstoff, Chemie sowie restliche Industrie (z.B. Nahrungsmittel-, Textil-, Maschinen- und Montanindustrie). In den Industrienationen ist mit einer rückläufigen oder gleichbleibenden Grundstoffproduktion zu rechnen, während diese Industriezweige in den südlichen Erdteilen expandieren. Die Eisen- und Stahlproduktion verschlingt gegenwärtig 27 Prozent dergesamten Energie im Industriesektor. Verbesserte Verfahren wie die Umstellung von Sauerstoff-Aufblas-Konvertern aufLichtbogenöfen würde die Effizienz auf 7,4 Gigajoule Energiepro Tonne Stahl erhöhen. Damit verdoppelt sich die Energieeffizienz in den bestenHütten; invielen Werken in China und Indien kann sie sich sogar versiebenfachen. Die Papierherstellung verschlingt fünf Prozent des gesamten industriellen Energieverbrauchs. Verbesserungen in der allgemeinen Betriebsüberwachung, der Wärmerückgewinnung und Abfallverwendung,ein verminderter Wasserverbrauch und Techniken wie Sauerstoffbleichen können bis zum Jahr 2030 zu Effizienzgewinnen von 30 Prozent führen. Das Szenario geht davon aus, daß alle zehnWeltregionen sich im projektierten Zeitraum in den wirtschaftlichen Aktivitäten angleichen. Diese Entwicklung wird von umfangreichen Einsparungen im Energiesektor begleitet. Zum Energiesparengehören: modernste Kraft-Wärme-Kopplung für Raumheizungund Warmwasserbereitung, neueste Metallproduktionsverfahren, mehr Recycling (vor allem von Aluminium), Elektromotoren mit regelbarer Drehzahl und effizientere Elektroöfen. Wirtschaft und Bevölkerung wachsen Im FFES werden zu Vergleichszwecken, wie auch in zahlreichen anderen Studien, konservative Annahmen getroffen. Die Prämissen basieren auf Prognosenzur Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung, wiedie Weltbank und das IPCC sie vornimmt. Danach wird sich die Weltbevölkerung biszum Jahr 2100 auf11,3 Milliarden Menschen verdoppeln, die Weltwirtschaftstätigkeit wird im gleichenZeitraum um 1400 Prozent ansteigen. Die nördlichenLänder halten an ihrem konsumorientierten Produktions- und Lebensstil fest, andere Länder übernehmendas Wirtschaftssystem der Industriegesellschaften. Eine erhöhte Beanspruchung der Ressourcen undBelastung der Umwelt (Wälder, Trinkwasser, Ackerland)ginge damit einher. Die Haushalte: gleicher Komfort, weniger Energie In vielen Industrienationen können bei der Raumheizung bis zu 90 Prozent Energie eingespart werden - bei gleichem Komfort. Notwendig ist die Kombination starker Wärmedämmung,optimaler Regelungsowie effiziente Geräte und Heizungsanlagen, bzw. die Installation von Fernheizungssystemen. Bei der Warmwasserbereitung besteht ein großes Potential, Energieeinzusparen und die Kohlenstoffemissionen zu drosseln, z.B. über Solarwarmwasserbereitern. Je nach Regionund Technologie kann die Effizienz um 40 bis 300 Prozent erhöht werden. Die Effizienz vonGasherden wäre um 46 Prozent, die von Elektroherden um33 Prozent zu steigern. In Kenia, Burkina Faso und Niger waren Programme für eine bessere Energienutzungbeim Kochen erfolgreich. Das FFES nimmt an, daß die Anzahl der Personen proHaushalt weltweit sinkt, damit wächst die Anzahl der Haushalte schneller als die Bevölkerung; Urbanisierung und Elektrifizierung schreiten voran. Die Haushalte erhöhen die Effizienz und stellenauf andere Energiequellen um. Die Tage energieintensiver Dienstleistungen und Gerätesind weltweit gezählt. Dieses ist einSchlüsselfaktor der Energiebedarfsprojektionen im Haushaltsektor. Das FFES rechnet damit, daß bis zum Jahr 2100 weltweit eine Standardreihe von hochleistungsfähigen Elektrogeräten verfügbarist. Der Energieaufwand für Heizung undKühlung verringert sich durch verbesserteGebäudeisolation, Wärmedämmung, passive Sonnenenergienutzungund Fernheizung in gemäßigten Klimazonen. Warmwasserbereitung mit Sonnenenergie und zunehmendeEnergieschöpfung aus Sonnenwärmeund Biomasse folgen zu einem späteren Zeitraum.Die Sonnenenergie liefert je nach Region neun bis 36 Prozent der Energie fürdieWarmwasserbereitung. Das FFES nimmt an, daß in südlichen Ländernder Energieverbrauch pro Haushalt zunimmt, da die Einkommen steigen und die Nachfrage wächst.Die effizientere Energienutzung wird hier durchgrößere Wohnflächen und höheren Komfort ausgeglichen,so daß kaum Energie einzusparen ist. Transport und Verkehr: Vier Szenarien Die FFES-Analyse des Transportsektors konzentriert sich in erster Linie auf PKW, Lieferwagen, Motorräder und LKW. Dagegen bleiben Eisenbahn/Straßenbahn, Schiffs- undFlugverkehr ausgeklammert. Der Anteil dieser Sektoren am Gesamtenergieverbrauch im Bereich Verkehr betrug 1990 etwa 30 Prozent. Heute fahren weltweit 680 Millionen Fahrzeuge umher (430 Millionen PKW, 110 Millionen Lieferwagen, 110 MillionenMotorfahrräder und 30 Millionen Schwerlastwagen). Wenn die Verkehrsspirale sich weiter dreht, sind es im Jahr 2030 1.620 Millionen Kraftfahrzeuge; bis 2100 wächst ihre Zahl dann auf stattliche 4.930 Millionen an. Mike Walsh erarbeitete vier Szenarien: ein Modell, das den Status quo unverändert läßt, und drei Szenarien, diejeweils die Auswirkungen von verschiedenen Technologien und politischen Maßnahmen auf den Energieverbrauchim Verkehrssektor beleuchten. Zu diesenMaßnahmen zählen: - Effiziente Energienutzung (sparsamere Autos) - Verbesserte Technologien zur Emissionsreduktion - Kontrollierte Zulassung von Straßenfahrzeugen - Einführung nichtfossiler Kraftstoffe im Transportsektor Szenario 1 präsentiert die Folgen für den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen, wenn wir weitermachen wie bisher. Die zwei Übergangsszenarien beschreiben die Konsequenzenfür den Fall, daß Energie besser genutzt undEmissionen reduziert werden (Szenario 2) und für den Fall,daß zusätzlich die Anzahl von Fahrzeugenbeschränkt wird (Szenario 3). Szenario 4 berücksichtigtaußer den Parametern 1-3 die Einführungnichtfossiler Kraftstoffe. Dieses Szenario wurde in das Hauptprogramm LEAP integriert. Der Benzinverbrauch für den weltweiten Fahrzeugpark verringertsich: von einem Verbrauch von 8,4 bis 7,3 Liter bei 100 Kilometern pro Stunde heute auf 4,2 bis 3,6 Liter bis zum Jahr 2030. (Auch diese Annahme ist moderat, denn es gibt schon jetzt Modelle, die 2,5Liter verbrauchen). Die Gesamtanzahl der Kraftfahrzeuge steigt bis 2010 auf maximal 960 Millionen auf, 1.150 Millionen im Jahr 2030 und auf 1.600 Millionen im Jahr 2100. Alternative Kraftstoffe kommen auf den Markt, und solarelektrische und Solar-Wasserstoff-Systeme werden zwischen 2015 und 2020 konkurrenzfähig. Sie decken im Jahr 2030etwa 30 Prozent und im Jahr 2100schon 80 Prozent des Spritverbrauchs für Kraftfahrzeuge. Dienstleistungen: riesiges Sparpotential In Gebäuden des Dienstleistungssektors bestehtein großes Energiesparpotential, da Energiefür Beleuchtung, Raumheizung und Kochen viel effizienter als bisher eingesetzt werden kann. In den USA könnte der Energieverbrauch lautAngaben des Büros für Technologieabschätzung(Congressional Office of Technology Assessment) in den nächsten25 Jahren um die Hälfte gesenkt werden. InThailand kann bei Beleuchtung 70 Prozent Energie, bei Klimatisierung und Ventilation 33 bis 26 Prozent eingespart werden - ohne finanzielle Nachteile. Im Dienstleistungsbereich wird eineVerbesserung der Energieeffizienz um jährlich 2,5 Prozent von1988 bis 2010 und um 1,8 Prozent von 2010 bis 2030 angenommen. Daraus ergibt sich, alle Regionen zusammengefaßt, bis 2030 eine 60prozentige Einsparung von Energie. Ziele Die Ziele des alternativen Energieszenarios Das Szenario hatte ein zukünftiges Energiesystemzu entwerfen, das die folgenden Vorgaben erfüllt: Treibhauseffekt eindämmen Die globale Erwärmung (von dervorindustriellen Zeit bis zum Jahr 2100) muß unter zwei GradCelsius liegen, der Temperaturanstieg je Dekade darf 0,1 Grad Celsius nicht übersteigen. DerMeeresspiegel soll sich von 1990 bis 2100 um höchstens 20 bis50 Zentimeter erhöhen, das ist ein Anstieg um zweibis fünf Zentimeter pro Jahrzehnt. Diese Zielvorgaben basieren auf der Studie "Targets and Indicators of Climate Change", (Report for the Advisory Group for Greenhouse Gases, AGGG; Swart, R.J., & Rijsbermann, F. R.), die 1990 imVorfeld des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) erstellt wurde. Ausstieg aus fossilen Energieträgern Der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle wird stufenweise, aber konsequent vollzogen. Die Verbrennung fossiler Energieträger endet imJahr 2100. Die Atomenergie hat keine Zukunft: Sie ist ökologisch schädlich, birgt ungeheure Sicherheitsrisiken und dieGefahr einer Proliferation von Atomwaffen. Im FFES ist der Ausstiegstermin das Jahr 2010. Erneuerbare Energien werden schrittweise eingeführt. Bestimmte Technologien wie große Wasserkraftwerke, Müllverbrennungsanlagen sowie bestimmte Aufforstungsarten kommen aus ökologischenGründen nicht in Betracht. Globale Angleichung der Einkommen Ein Viertel der Weltbevölkerung im Norden konsumiert mehr als 70 Prozent der weltweit kommerziell bereitgestellten Energie, während dreiviertel der Weltbevölkerung (vorwiegend in "Dritte-Welt"-Ländern) mit weniger als 30Prozent Vorlieb nehmen. Das Gefälle zwischen Arm undReich ist ungerecht und unhaltbar. Und: Wo Armut, Hunger und Obdachlosigkeit herrschen, kann nicht ernsthaft der Schutz der Umwelt und des Klimas gefordert werden. Solange diese Ungleichheit fortgeschrieben wird, ist an eine durchgreifende Umweltpolitik nicht zu denken. Die Studie verfolgt daher das Ziel, die durchschnittliche Einkommensdifferenz zwischen den reichsten und den ärmsten Regionen der Weltvon heute 14:1 auf nicht mehr als 2:1 im Jahr 2100 zu verringern. Atomausstieg jetzt Die großen Energieversorger haben dieKlimagefahr entdeckt. Handeln, so verkünden sie inriesigen Anzeigen, sei das Gebot der Stunde, "damit die Erde nicht zum Treibhaus wird." Atomkraftwerke zum Schutz der Erdatmosphäre - als gebe es keine Atomkatastrophen, keine Wiederaufarbeitung, keinen ewig strahlenden Müll und keinenPlutoniumhandel. Nach 50 Jahren weltweiter Anstrengung und billionenschwerer Investitionen - allein in Deutschland waren es 12 Milliarden Mark - deckt die Atomenergie heute weniger als fünf Prozent des Primärenergiebedarfs. Atomstrom ist derteuerste und gefährlichste Weg, CO2-Emissionen zuvermeiden: Stromeinsparung, Kraft-Wärme-Kopplung und die Nutzung erneuerbarer Energien drosseln CO2, sind umweltschonend und erheblich kostengünstigerals Atomstrom. Hätten die Verantwortlichen in der deutschen Politik und Wirtschaft in den siebziger und achtziger Jahren anstatt in Atomenergie in Technologien für einen effizientenEnergieeinsatz investiert, wären die CO2- Emissionen im Jahre1987 um circa 40 Prozent niedriger gewesen. Die Atomtechnik verschlingt ungeheure Summen und blockiert alternative Entwicklungen. Der Ausstieg aus der Atomenergie würde den Weg freimachenfür den Umbau des Energiesystems und zu einem wirksamen Schutz des Klimas. Ergebnisse Das alternativeEnergiesystem Das alternative Energieszenario zeigt, daßder gesamte Energiebedarf in Zukunft ohne fossile Brennstoffe und Atomenergie gedeckt werden kann. Dieses Resultat ist selbst mit den konservativen Annahmen, wie sie die Studie zugrundelegt, zu erzielen: daß die Wirtschaft weiter wächst,daß am Lebensstil der Industrienationen nichtgerüttelt wird und die Weltbevölkerung sich verdoppelt.Wenn die im FFES vorgeschlagenen Maßnahmen auf politischer und technischer Ebene umgesetzt werden, sind folgende Ergebnisse möglich: - Die Energieintensität13 sinkt aufgrund effizienterer Nutzung und struktureller wirtschaftlicher Änderungen um 2,5 Prozent jährlich. - Der Beitrag erneuerbarer Energien zur globalen Energieversorgung erhöht sich um 540 Prozentund deckt fast zwei Drittel des weltweiten Bedarfs bis zum Jahr 2030. - Bis zum Jahr 2005 werden die CO2-Emissionen der Industrieländer um 20 Prozent gedrosselt.Global erreicht der CO2-Ausstoß aus fossilenBrennstoffen im Jahr 2000 einen Höhepunkt und nimmt danach deutlich ab. - Bis zum Jahr 2030 sinken die CO2-Emissionen weltweit um 50 Prozent (demgegenüber steigen sieum 100 Prozent, wenn nichts unternommen wird). Ab 2100, also mit dem Ausstieg, wird kein weiteres Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen mehr emittiert. - Obwohldie CO2-Emissionen sinken, erhöht sichder Gesamtenergieverbrauch im Laufe der kommenden vierzig Jahre um 16 Prozent. - Die über den Gesamtzeitraum (1988-2100) emittierte Kohlenstoffmenge übersteigt nicht 314 Milliarden Tonnen. Effiziente Energienutzung Keine andere Option eröffnet kurz- und mittelfristig so wirksame und kostengünstige Möglichkeiten, den Treibhauseffekt zu senkenwie der effiziente Einsatz von Energie. Dietatsächlich vorhandenen Einsparmöglichkeiten wurden selbstim Umfeld der Erdölkrise in den siebziger Jahrenbei weitem nicht ausgeschöpft. Bei gleicher oder besserer Energiedienstleistung bestehen z.B. im Verkehrssektor, in der Industrie, in Haushalten etc. Einsparpotentiale von 15 bis 90 Prozent. Bis zum Jahr 2030 kann der durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum steigende Energiebedarfdurch den Einsatz effizienter Technologien ausgeglichen werden. Eine verbesserte Energieintensität von jährlich 2,5 Prozent wird projektiert; nach2030 sinkt diese Rate auf 0,5 Prozent. Bedingt durch anhaltendes Wirtschafts- undBevölkerungswachstum steigt der Energieverbrauch nach 2030 stetig an. Bis zum Jahr 2030 wird durch den Umstieg von Kohle und Öl auf Erdgas ein wichtiger Beitrag zur Minderung der CO2- Emissionen erreicht. Dieser ist Teil einer umfassenden Strategie, die Energieeinsparungen klar den Vorrang gibt; Kohle und Öl werden nur dort durch Erdgas ersetzt, woder Einsatz regenerativer Energien kurzfristig nicht machbar ist. Es versteht sich von selbst, daßbeim Einsatz von Erdgas effizienteste Technologien (Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen,Brennwertkessel) verwendet werden. Da bei der Förderung und dem Transport von Erdgas Methan frei wird und die Treibhauswirksamkeit dieses Gases noch 25 malhöher ist als von CO2, ist eine effektive Minderung der Emissionen unerläßlich. Erneuerbare Energiequellen Die Weichen für den Einsatz erneuerbarer Energiequellen müssen in den nächstenJahren gestellt werden, damit diese ab dem Jahr 2030 stärkere Verbreitung finden können. Die Erschließung der vorhandenen Energieeinsparpotentiale in den nächsten Jahrzehnten ist aus ökologischen wieökonomischen Gründen Voraussetzung für den breitenEinsatz erneuerbarer Energien. Im Jahr 2000 decken die erneuerbaren Energiequellen etwas mehr als 20 Prozent des Gesamtenergiebedarfs, 2010 sind es bereits 26 Prozent und 2030 über 60 Prozent. Biomasse - also Holz und organische Abfälle in festem, gasförmigem oder flüssigem Zustand -und Windenergie liefern in den kommenden vierzig Jahren den größten Teil dieser Energiequellen. Beider Biomassegewinnung werden CO2- neutrale Anbaumethoden zugrundegelegt. Nach dem Jahr 2030 nimmt der Beitrag der solarphotovoltaischen, solarthermischen Technologien und anderer Sonnenenergiesysteme, die mit Wasserstoff als Speicher- und Transportmedium arbeiten, ständigzu; der Anteil deckt im Jahre 2100 annähernd 80Prozent des Weltenergiebedarfs. Haushalt Trotz eines weltweiten Bevölkerungswachstums,der zunehmenden Zahl von Haushalten und eines insgesamt höheren Elektrifizierungsgrades sinkt der Energieverbrauch der Haushalte bis zur Mitte des nächsten Jahrhunderts auf etwa 47 EJ (ExaJoule) und steigt bis zum Jahr 2100 auf 54 EJ, was dem Niveau von 1988 entspricht. Im Südenverdoppelt sich der Engergieverbrauch, im Norden geht er um circa 67 Prozent zurück. Transport und Verkehr: Vergleich zweier Szenarien Die CO2-Emissionen aus fossilen Kraftstoffen sinken bis 2030 um mehr als 40 Prozent und bis 2100 um 100 Prozent. Szenario 1: Alles wie gehabt Dieses Szenario geht davon aus, daß imgesamten Zeitraum keine wesentlichen politischenMaßnahmen oder technologischen Veränderungen initiiert werden. Die in einigen Regionen bereits eingeführten Maßnahmen im Verkehrssektorfließen jedoch mit ein. Darüber hinaus wurden zweiweitere Annahmen zugrunde gelegt: - Die Kraftstoffeffizienz bei PKW und Lieferwagen erhöht sich um bescheidene zwei Prozentjährlich von 1993 bis 2030. Danach bleibt der Status quo erhalten. Motorräder, Schwerlastwagen undAutobusse verbrauchen genau so viel Sprit wie heute. - Die Zahl der Kraftfahrzeuge (heute 680 Millionen) wird nicht eingeschränkt und ein weiteresWachstum dieser Branche einkalkuliert: Im Jahr 2030 gibt es danach auf der Welt 1.620 Millionen Kraftfahrzeuge, bis 2100 wächst ihre Zahl auf 4.930 Millionen. Wenn dieses Szenario Wirklichkeit wird, steigen die CO2- Emissionen des Transportsektorsbis zum Jahr 2030 um 68 Prozent, im Jahr 2100 liegen sie um 490 Prozent höher als heute. Szenario 2: Ausstieg aus fossilen Kraftstoffen Die Fahrzeuge verbrauchen weniger Kraftstoff, ihre Anzahl wird beschränkt, und allmählichkommen Vehikel auf den Markt, die nicht mit fossilem Kraftstoff betrieben werden. Folgende Annahmen wurden zugrunde gelegt: - Während die Fahrzeuge heute durchschnittlich8,4 bis 7,3 Liter auf 100 Stundenkilometer verbrauchen, sinkt der Treibstoffverbrauch bis zum Jahr 2030 auf 4,2 bis 3,6 Liter. - Die Gesamtanzahl der Fahrzeuge wird auf 960 Millionen im Jahr 2010, 1.150 Millionen im Jahr 2030 und 1.600 Millionen im Jahr 2100 eingeschränkt. - Alternative Kraftstoffe kommen auf den Markt, solarelektrische und Sonnenenergie- Wasserstoff - Systeme werden zwischen 2015 und 2020 konkurrenzfähig werden. Sie decken 2030 ca.30 Prozent und 2100 ca.80 Prozentdes Energieverbrauchs für Kraftfahrzeuge. Unter diesen Bedingungen sinken die CO2-Emissionen aus fossilen Kraftstoffen bis 2030 um mehr als 40 Prozent und bis 2100 um 100 Prozent. Industrie Zwei Hauptentwicklungen bestimmen den Energieverbrauch und die CO2- Emissionen: zum einen das Wachstum, der Strukturwandel im Industriebereich und innerhalb der einzelnen Sektoren, zum anderen die Frage, welche Technologien und welche Energieträger zumEinsatz kommen. Das FFES geht davon aus, daß der industrielle Energieverbrauch von 90 EJ (1988) auf 196 EJ (2.100) ansteigt - und zwar überwiegendnach 2030. Bis etwa 2030 greifen effizienzverbessernde Maßnahmen und können das globale Wirtschafts-und Bevölkerungswachstum sogar überkompensieren.Der Süden wird einen ähnlichen Strukturwandel wieder Norden durchmachen: von energieintensiven Industrien hin zu energiesparsameren Dienstleistungen. Dienstleistungen In keinem anderen Bereich steigt der Sekundärenergieverbrauch so massiv an wie in diesem, wo Handel, Gesundheit, Bildung, Kommunikation und vieles mehr zusammengefaßtsind. Der Verbrauch verdreifachte sich zwischen 1988 und 2100, wobei der Strukturwandel von Schwer- und Grundstoffindustrie hin zu Dienstleistungen im Norden bereits im Gang ist. Wie in den Haushalten eröffnen sich auch im Dienstleistungsbereich immense Einsparmöglichkeiten (besonders beim Heizen, Kühlen und Beleuchten). Bei derVerwendung elektrischer Geräte (Computer, Kopierer etc)kann ebenfalls reichlich Strom eingespart werden. Untersuchungen über die USA, Thailand und die OECD-Länder weisen auf Effizienzpotentiale von40 bis 80 Prozent bis zum Jahr 2030 hin, was einer jährlichen Rate von 2,5 bis 5 Prozententspricht. Geschütztes Klima Wenn die Maßnahmen des alternativen Energieszenarios in die Tat umgesetzt werden, verringert sich die Gefahr einer akuten Klimaveränderung wesentlich. Die Mittel sindjedoch zu schwach, um eine Klimakatastrophe ganz auszuschließen. Die nächsten 40 Jahre werdenfür die Zukunft des Klimas und damit fürdie Erde entscheidend sein. Wenn weiter sorglos CO2 in die Atmosphäre geblasen wird, wird dieErwärmung voranschreiten. Jedes Jahrzehnt des Zögerns bedeutet für unserenPlaneten einen Temperaturanstieg von 0,4 Grad Celsius. Das FFES will den globalen CO2-Ausstoß binnen eines Jahrzehnts einfrieren und die Emissionen der Industrienationen bis 2005 um 20 Prozent vermindern. Wenn global die CO2- Emissionen bis zum Jahr 2030 halbiert werden und der gesamte Kohlenstoffausstoß aus fossilen Brennstoffensich bis zum Jahr 2100 auf 314Milliarden Tonnen einpendelt, wird sich der globale Temperaturmittelwert gegenüber dervorindustriellen Zeit noch immer um 1,5 Grad Celsius erhöhen. Allerdings verringert sich der Temperaturanstieg von heute 0,2 bis 0,3 Grad Celsius pro Jahrzehnt auf weniger als 0,1 Grad Celsius im Jahr 2030. Erst ab 2070 beginnt die Durchschnittstemperatur zu fallen. Der Anstieg des Meeresspiegelsübersteigt 22 Zentimeter nicht.Im FFES werden also die Zielvorgaben der Studie zum Schutz des Klimas erfüllt. Veränderungen für einen wirksamenSchutz des Klimas stellen sich langsam ein. Die bis heute angestoßene Temperaturerhöhung ist nichtrückgängig zu machen, riesige Schadstofffrachten sind bereits in die Atmosphäre entwichen. Mit den Maßnahmendes FFES kann der dramatische Trend jedoch aufgehalten werden. Ohne die Verwirklichung des Szenarios wird die Temperatur global um vier Prozent, der Meeresspiegel um 66 Zentimeter ansteigen - Tendenz weiter steigend. Aber auch wenn die Ratschlägedes FFES befolgt werden, besteht keine Gewähr,daß Klima und Umwelt wirksamen Schutz erfahren. Dieses könnte erst durch eine noch schnellereDrosselung der CO2- Emissionen bewirkt werden als hier vorgeschlagen. Umbau des Energiesystems Maßnahmen zum Umbau des Energiesystems Die Frage, ob in Zukunft ein umweltschonendes Energiesystem eine Chance hat und ein dramatischer Klimawandel abgewendet wird, entscheidet sich auf der politischen Bühne. Die technischen Mittelfür den Umbau des Energiesystems sind im wesentlichen vorhanden. Bisher brauchten neue Energieträgeretwa fünfzig Jahre, bis sie zehn Prozent des Weltenergiebedarfs decken konnten. Mit den Maßnahmen des FFES können erneuerbare Energiequellen ihren Anteil an der Gesamtenergieversorgung innerhalb der nächsten vierzig Jahre von 14 Prozent auf über 60Prozent steigern. Im gleichen Zeitraum erhöht sichdie Energieeffizienz jährlich um mehr als 2,5Prozent. Das ist keine Utopie. Bereits zwischen 1973 und 1986 wurde, ausgelöst durch die Ölkrise, invielen Ländern Energie in gleichem Umfang und mehr eingespart; politische Maßnahmen waren Motordieser Entwicklung. Folgende Maßnahmen führen lautFFES zum stufenweisen Umbau des Energiesystems mit der für den Schutzder Klimas erforderlichen Reduktion des CO2-Ausstoßes: - Ausstieg aus der Atomkraft - intelligente, d.h. effiziente Energienutzung - rasche Einführung ausgewählter Technologienzur Nutzung erneuerbarer Energiequellen - Umstellung auf fossile Brennstoffe mit geringerem Kohlenstoffgehalt - Stopp der Abholzung und ökologisch tragbare Aufforstungsmaßnahmen (zur Aufnahme von überschüssigem Kohlenstoff) Zur Umsetzung solcher Schritte sind weitreichende politische Maßnahmen erforderlich. Die Politikmuß sich in den kommenden Jahrzehnten in all jenen Bereichen umorientieren, in denen das neue Energiesystem gefördert und die Tradition der Verschwendung beendet werden kann. Dazu gehören: - Preispolitik - Energiemarkt - Forschung und Entwicklung - Transport und Verkehr - Das Nord-Süd-Gefälle - Internationale Abkommen - Internationale Energieagenturen Die Entwicklung dieser neuen Politik würdedurch verbindliche internationale Abkommen über den Schutz des Klimas initiiert. Preispolitik: Keine Subventionen für fossile Energie In den vergangenen fünfzig Jahren fördertedie Politik fossile Energieträger und Atomenergiez.B. durch Gesetzgebung und Subventionen. Damit greift diePolitik massiv in den Markt ein und behindert die Verbreitung kostengünstiger, effizienter Technologien im Bereich erneuerbarer Energien. Eine korrigierte Energiepreispolitik allein wird die globale Erwärmung nicht verhindern. Als Teileiner umfassenderen Strategie jedoch ist sieunerläßlich, da sie Investitionsentscheidungen beeinflußt. Folgende Maßnahmen führen im FFES zurUmgestaltung des Energiesystems: - Einführung einer Energiesteuer, die zunehmenddie tatsächlichenKosten der durch fossileBrennstoffe und Atomenergie verursachten Schäden berücksichtigt. Bisher werden diese Kosten (z.B.Gesundheitsschäden, Waldsterben, Luftverschmutzung)der Allgemeinheit aufgebürdet. - Eine schrittweise Erhöhung des Energiepreisesauf ein Niveau, das mindestens zweimal über dem heutigen Erdölpreis liegt. - Förderprogramme für die Entwicklungerneuerbarer Energien, wie sie in Deutschland,Großbritannien, Italien, Holland, Dänemark und verschiedenen amerikanischenBundesstaaten bereits gewährt werden. - Verpflichtung der Energieversorger, umweltschonende, erneuerbarer Energien zu angemessenen Preisen zu verkaufen. Einige Unternehmen in den USA ( z.B. Bonneville Power, Sacramento Municipal Utility und Pacific Gas und Electric (PG&E)) gehen mit gutem Beispiel voran. - Änderung der Verordnungen, innerhalb dererdie meisten Gas- und Elektrizitätsgesellschaften agieren. Finanzielle Anreize für den Verkaufvon mehr Gas oder Elektrizität darf es nicht mehr geben. - Streichung der Subventionen für die Fossilbrennstoffe und Atomindustrien, die sich allein in den USA jährlich auf 44 MilliardenDollar belaufen (Preise 1984). Auch dieSteuerfreibeträge für Erdöl- und Erdgasexplorationen sowie eineReihe anderer Zuschüsse, z. B. Steuererleichterungenfür Firmenautos, sind aufzuheben. - Keinerlei staatliche Finanzierung mehr für Forschung und Entwicklung im Bereich fossile Brennstoffe und Atomenergie, ausgenommen Mittelfür Sicherheits- oder Stillegungsmaßnahmen. Energiemarkt: Bessere Chancen für Alternativen Neben einer neuen Energiepreispolitik ist eine Marktregulierung nötig, damit dieMonopolstellung der Energiekonzerne aufgebrochen wird. In den USA, Japan und den meisten westeuropäischenLändern funktioniert die Kontrolle bei Baunormen, Geräteleistung und Sicherheit. Genausowesentlich ist sie zur Förderung einergrößeren Energieeffizienz. Die politischen Maßnahmendazu lauten: - Neue, an Effizienz orientierte, bindende Energiestandards für Geräte,Kraftfahrzeuge, Gebäude, Industriemotoren und Technologien. Staatlich festgesetzte Standards sind inLändern wie Deutschland, Japan und USA bereits wirksam. - Integrierte Ressourcenplanung (IRP): Die Gas- und Elektrizitätswirtschaft müssen verpflichtetwerden, vor dem Bau neuer Kraftwerke den finanziellen Aufwand zu projektieren (einschließlich Umweltkosten), mit den Kosten für Maßnahmenzur Effizienzverbesserung und/oder zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu vergleichen und der kostengünstigeren Variante den Vorzug zu geben. - Finanzierungsprogramme für DSM (Demand Side Management), das sich stärker anDienstleistungen für den Kunden orientiert. Bisher machten die Energieversorgungsunternehmen (EVU) dann Gewinne, wenn viel Energie verkauft wurde. Ein ständig steigenderEnergieverbrauch erschienwünschenswert, Energiesparen hingegen "schadete" den EVU. Mit der neuen Managementmethode von DSM bieten die EVU ein Service-Paket an, das dem Kunden hilft, den Energieverbrauch einzuschränken. Für dieseBeratung kommt der Kunde auf, der zum Ausgleich weniger Geld für Energie aufwenden muß. SobringtEnergiesparen beiden Seiten, Anbietern und Kunden, Nutzen und trägt gleichzeitig zur CO2-Reduktion bei. DSM-Ausgaben verdoppeln sich in den USA von 3,1 Milliarden Dollar jährlich auf etwa 7Milliarden bis zum Jahr 1995. Ausgaben zwischen 10 bis 20 Milliarden Dollar jährlich wären wirtschaftlichund würden das Klima schützen. Integrierte Ressourcenplanung und DSM sind heute in den USA an der Tagesordnung, werden in Europa in Ländernwie Holland, Dänemark und Norwegen zunehmendeingeführt und in Polen sowie der Tschechischen Republik aktiv gefördert. - Kaufprogramme nationaler und lokalerBehörden, d.h. Starthilfe für Effizienztechnologien und Solaranlagen, damit diese sich auf dem Markt behaupten können. - Gründung von Zentren fürEffizienztechnologien und erneuerbare Energien im früheren COMECON (ehemaliger Wirtschaftsverbundin Osteuropa) und in vielen südlichen Ländern,in denen fast keine Daten über Energieverbrauch, Energiepreise und Geräte bzw. Anlagenverfügbar sind. Forschung: Alternativen nicht zum Nulltarif Für den schrittweisen Ausstieg aus dem herkömmlichen Energiesystem ist auch einUmdenken inder Energieforschung und -entwicklung notwendig. Das zeigt schon ein Blick auf die Etats der Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur: Nur 12,5 Prozent ihres Jahresbudgets 1990 in Höhe von 7,675 Millionen Dollar waren für erneuerbare Energien und Energieeinsparung bestimmt. Mehr als 70 Prozent indessen verschlangen Förderprogramme fürfossile Brennstoffe und Atomenergie. Alle Fördergelderfür die Forschung und Entwicklung im Bereich fossiler Brennstoffe und Atomenergie müssen umgelenktwerden in erneuerbare Energien und Energieeinsparung. Transport und Verkehr: Maßnahmenbündel Eine Umstrukturierung des Energiesektors kann vor dem Transportsystem nicht haltmachen. 19 Prozent der CO2-Emissionen stammen direkt aus den Auspuffrohren der Fahrzeuge. Im Verkehrsbereich steigen die CO2-Emissionen schneller als in allen anderen Bereichen. Zu den erforderlichenMaßnahmen gehören eine integrierte Transportplanung, autofreie Innenstädte, verbindliche Standardsfür den maximalen Benzinverbrauch, die Förderung alternativer Kraftstoffe und der weitere Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Der Spritverbrauch ist drastisch zu senken und die Fahrzeuganzahl zu beschränken. Allmählich werden Fahrzeugeeingeführt werden, die keine fossilen Kraftstoffebenötigen. Nord-Süd: Gefälle überwinden Obwohl die Kohlenstoffemissionenim Südenrasch zunehmen, bleibt der Norden Vorreiter: Die wenigen Industrienationen verursachen mehr als die Hälfte des gesamten Kohlenstoffausstoßes; inden kommenden vierzig Jahren wird diese Menge noch erhöhen. Eine Milliarde Menschen, hauptsächlichauf der Südhalbkugel, verfügt nur begrenzt überEnergie zum Kochen, Heizen, Beleuchten und Transportieren. Gerade diesen Menschen bürdet der Norden die Hauptlast seiner unheilvollen Klimaaktivitätenauf. Beispielsweise würden sich die Wüsten imnördlichen Afrika,in Arabien und Zentralasien um hunderte Kilometer ausdehnen. Der Teufelskreis beginnt sich zu drehen, wenn die Armut, so schlimm sie schonfür die Leidenden ist, noch das Umwelt-Desaster verschärft. An eine durchgreifendeUmweltpolitik ist nicht zu denken, solange die Mehrzahl der Regierungen um das Überleben ihrer Bewohnerkämpfen muß. Die Industrieländer desNordens habenfür eine Korrektur der weltweit ungleichen Verteilung der Ressourcen zu sorgen. Außerdem ist esnotwendig, daß sie zu einer globalen,umweltverträglichen Entwicklungspolitik beitragen, die die Fehler der Industrieländer nicht wiederholt. Die Enquête-Kommission zum Schutz derErdatmosphäre empfiehlt deshalb: "Die absehbarenKlimaänderungen werden bisher weit überwiegend von den Industrieländern verursacht. Mit Blick auf die Folgen für das Klima ist die bisherige Wirtschaftsweise nichtverallgemeinerungsfähig; ihre Nachahmung durch die Entwicklungsländerwürde die Risiken ökologischer Katastrophen erhöhen.Die internationale Gemeinschaft wird aufgefordert, klimavertägliche Wirtschaftsformen zu finden undzu verwirklichen, in denen kein Land mehr zu Lasten anderer Länder, zu Lasten der Nachwelt und zu Lasten der natürlichen Mitwelt wirtschaftet. Folgende Maßnahmen sind in derNord-Süd-Politik erforderlich: Schuldenerlaß für den Süden Eine entscheidende Maßnahme wäre dieErleichterung derSchuldenlast. Die Verschuldung des Südens beläuft sich derzeit auf 1,4Billionen
Dollar. Die dem Süden abverlangten Tilgungs- und Zinszahlungen ziehen ein Nettokapital vonjährlich etwa 50 Milliarden Dollar vom Süden in denNorden ab. Diese enorme Schuldenlast macht vielenLändern schon die Ernährung ihrer Bürger unmöglich.Sie können sich auf keinenFall Investitionen in Effizienztechnologien und erneuerbare Energien leisten, selbst wenn dadurch langfristig Einsparungen erzielt würden. Weltbank muß umdenken Die Weltbank gibt jährlich direkt drei bisvier Milliarden Dollar für Energieprojekte aus und finanziert Kredite in Höhe von 20 Milliarden Dollar. Diese Kredite werden hauptsächlichfür riesige Staudämme, Kohlekraftwerke undStraßen verwendet, also für umweltschädigende "Mammutprojekte" ineffizienter Energienutzung. Weniger als ein Prozent der Gelder sind für Effizienztechnologien und kleine Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energie bestimmt. Die Förderung dieser beiden Energiequellen sollteaber zu einem wesentlichen Kriterium der Geldvergabe werden. Darüber hinaus müssen diegroßen multilateralen Entwicklungsbanken ihre Politik endlich an Umwelt-und Klimabelangen orientieren. Kein Export von Technologiemüll Der Norden verkauft seine ausrangierten, umweltzerstörenden Technologien gern (undbillig) in den Süden. Diese Exporte vonTechnologiemüll müssen unbedingt verhindert werden - mit finanzieller Unterstützung für die Zielländerund mit Gesetzen. Den Entwicklungsländern ist der Zugang zu neuen, umweltschonenden Technologien zu erleichtern. Damit würden sich dieMöglichkeiten jener Länder verbessern, eigene,angepaßte Technologien zu entwickeln. Internationale Abkommen: Wo ein Wille ist... Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklungin Rio de Janeiro im Juni 1992 einigten sich 150 Staaten per Unterzeichnung einer "Klimakonvention" darauf, "die Treibhausgas Konzentrationen in der Atmosphäre auf einem Niveau zu stabilisieren,auf dem ein gefährlicher, vom Menschenverursachter Wandel des globalen Klimas noch verhindert werden kann." Leider ist dieses nicht mehr als eine Willensbekundung. Das Vertragswerk verlangt von den Unterzeichnern lediglich, die Emissionen auf den Stand von 1990 einzufrieren - ohne zeitliche Vorgaben. So ist die Konvention nur als erster Schritt zu betrachten und dringend durch eine Verpflichtung der Unterzeichner zur CO2-Reduktion zuergänzen. Wenn eine neue Energiepolitik tatsächlich vorangetrieben werden soll, müssen strenge Protokolle über Energieeffizienz underneuerbare Energie ausgehandelt werden. Diese würden den Unterzeichnerstaaten massive Auflagen machen und sie zu einer Umsetzung der Maßnahmen in einem festgelgten Zeitraum verpflichten. Eine Beteiligung der Schwellen- und Entwicklungsländer ist unerläßlich. Internationale Energieagenturen: Neuer Wind Keine der etablierten internationalen Energieagenturen läßt sich vonUmweltbelangen leiten. Internationale Organisationen fördernErdöl (OPEC), Kohle (Internationale Energieagentur) und Atomkraft (Internationale Atomenergie- Organisation). Transnationale Gesellschaften machen sich für Öl, Kohle, Gas und Atomenergie stark.Es besteht keine entsprechende internationale Organisation für Effizienztechnologien und erneuerbare Energien. In den letzten zehn Jahren beliefen sich die Energiekredite multilateraler Entwicklungsbanken wie der Weltbank auf insgesamt mehr als 50 Milliarden Dollar. Weniger als ein Prozent der Weltbank-Darlehen für Energieentfiel auf die Förderung eines effizienteren Energieverbrauchs und dies, obwohl solche Investitionen rentabler sind als Aufwendungenfür neueEnergieangebote. Greenpeace befürwortetdie Gründung einer neuen internationalen Agenturfür die Entwicklung und Förderung von erneuerbaren Energien und Effizienztechnologien: TREEs (Technologies for Renewables and EnergyEfficiency). Die Agentur TREEs könnte als Zentralstellefür Energiekredite, Forschung und Entwicklung, Technologieaustausch, Ausbildung und Information dienen. Sie würde auch gewährleisten, daßdie Vereinten Nationen, Entwicklungsbanken und andere Organisationen Maßnahmen ergreifen, um die CO2- Emissionen drastisch zu senken. Eine in Industrieländern erhobene Abgabe von einemDollar auf jede Energieeinheit (entspricht einem Barrel) nicht erneuerbarer Energie würdeJahreseinnahmen von mehr als 50 Milliarden Dollar für die Finanzierung einer solchen Agentur einbringen. Kosten Keine Mehrkosten fürdas neue Energiesystem Natürlich sind ökonomische Analysen übereinen Zeitraum von hundert oder mehr Jahren mitgroßen Unwägbarkeiten verbunden.Dennoch läßt sichzeigen, daß die Kosten des fossilfreien Energieszenarios niedriger, eventuell gleich hoch sind wie die Ausgaben für eine Fortsetzung der gegenwärtigen, weltweiten Energiepolitik. Die Verbraucher bezahlen möglicherweise mehr füreine Energieeinheit, benötigen aber weniger Energiefür die gleiche Beleuchtung, Heizkraft undMobilität. Das FFES ist bei der Einführung neuerTechnologien in den nächsten zwanzig oder dreißigJahren zurückhaltend, um den finanziellen Rahmen in Grenzen zu halten. Es berücksichtigt nur Technologien, die wirtschaftlich gewinnbringend oder zumindest nicht mit erheblichen Mehrkosten verbunden sind. Der Schwerpunkt liegt auf erprobten, marktnahen Technologien. Windenergie beispielsweise ist heute in günstigen geographischen Lagen bereits wirtschaftlich, die Nutzung vonSonnenenergie hingegen rentiert sich nach diesem Modell erst zwischen den Jahren 2010 bis 2015. Das Boston Centre des Stockholm Environment Institute bewertete über 100 Studien über die potentielle Senkung des Energiebedarfsund der Kohlendioxidemissionen. Dazu gehörten die amerikanischen Studien "America`s Energy Choices" und "Energy, Efficiency, Developing Nations and Eastern Europe" sowie die europäische Studie "Energy and Climate Change". "America`s Energy Choices" zeigt, daß die CO2 Emissionen bis 2030um 70 Prozent herabgesetzt und dadurch 2,3 Milliarden Dollar eingespart werden können. "Energy Efficiency, Developing Nations and Eastern Europe", eine amerikanische Studie, kommt zu dem Schluß,daß eine effiziente Energienutzung bis zum Jahr 2025 den kumulativen Kapitalbedarf in Osteuropa und im Süden von 4.657 Milliarden auf 2.320Milliarden Dollar weltweit und von 7.785 Milliarden auf 4.111 Milliarden Dollar vermindern würde. "Energyand Climate Change" befaßt sich mit den fünfgrößten westeuropäischen Ländern und projektiert fürdas Jahr 2020 CO2-Reduktionen bis zu 58 Prozent. Daraus ergeben sich für den Verbraucher Einsparungen zwischen zwei und 27 Prozent gegenüber heute. Greenpeace-Berater Paul Waide gab die Daten in ein makroökonomisches Modell ein, dasBrennstoffpreise, Einkommen und den damit verbundenen Energiebedarf errechnet. Das Modell sieht vor, daß alleMittel aus staatlich finanzierten Forschungs- und Entwicklungsprojekten für Atomenergie undfossile Brennstoffe abgezogen und auf erneuerbare Energien und Effizienztechnologien verlagert werden. Weiter werden strenge Vorgaben für eineCO2-Reduktion, Standards für Energieeffizienz und eine Kohlenstoffsteuer vorgeschlagen, die innerhalb von 65 Jahren von 17,20 auf 150 Dollar pro Tonne ansteigt. Eine Besteuerung der Atomenergie ist nicht mehrnötig, da diese ab 2010 ausläuft. Die gesamten Energiekosten sind im FFES niedriger als in herkömmlichen Energieszenarien. Außerdem fallenim FFES die hohen Kosten der durchfossile Brennstoffe verursachten Umweltschäden weg. Damit werden umfangreiche Mittel für Investitionen in Effizienztechnologien frei. Der Einsatz regenerativer Energien und die Erhöhung der Energieeffizienz ist nicht mit Mehrkosten verbunden, wie die Studien zeigen. Externe Kosten: Was kostet ein Menschenleben? Externe Kosten sind monetarisierbare (in Geld bewertbare), negative Effekte, die nicht in die wirtschaftlichen Kalkulationen der Energieproduzenten und -verbraucher eingehen und insbesondere nicht in der Preisbildung enthalten sind.16 Was wir heute für Energie (Sprit-, Heiz-öl-, Stromrechnungen) bezahlen, spiegeltnicht annähernd die tatsächlichen Kosten wider, diemit dieser Energienutzung verbunden sind. Für die Ausgaben, die durch Waldsterben,Gebäudeschäden, Luftverschmutzung und Klimaveränderungentstehen, zahlen nichtdiejenigen, die diese Schäden verursachen. Beispiel Treibhauseffekt: Bis zum Jahr 2030 wird der Treibhauseffekt die Menschheit 907 Billionen Dollar kosten, so das 1992 veröffentlichte Ergebnis der Studie "TheCosts of Climate Changes", die von der Brüsseler EG- Kommission beim FraunhoferInstitut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Auftrag gegeben wurde. Schäden an bebauten und unbebauten Ländereien durch den ansteigenden Meeresspiegel bezifferten die Forscher mit 2,9 Billionen Dollar, Sturmschäden mit 200Milliarden Dollar und das Sinken der Agrarproduktion mit 550 Milliarden Dollar. Wenn man die Kosten für diein den nächsten Jahrzehnten auftretenden Schädenheute auf die Verursacher umlegen wollte, dannmüßten diese je Tonne ausgestoßenes CO2 485 Dollarmehr bezahlen. Dadurch würde sich der Strompreis verachtfachen und der Benzinpreis verdoppeln. Allein die Deutschen müßten für dieKlimafolgen jährlich 520 Milliarden Mark aufbringen. Die Berechnungund Bewertung von externen Kosten im Detail ist schwierig. Wieviel ist der Erholungswert des Waldes wert? Welchen Preis hat eine aussterbende Tierart? Wieviel kostet ein Menschenleben? Daß die "Internalisierung dieser externen Kosten" aber eine Vervielfachung der bisherigen Energiepreise bedeuten würde, ist unumstritten. Ausblick Über das Modell hinaus Greenpeace bat das "Stockholm Environment Institute" und andere Berater, verschiedene Varianten des FFES zu erarbeiten. Diese Varianten ergeben sich aus unterschiedlichen Annahmen: geringeres Wirtschaftswachstum, langsamere Bevölkerungsentwicklung, veränderter Lebensstilweg von Quantität und hin zu Qualität,verschiedene Kosten für Energieträger undunterschiedlich schnelle Einführung von Effizienztechnologien. Folgende Annahmen wurden in acht Varianten des FFES verändert: - ein um 20 bzw. 35 Prozent vermindertes Wirtschaftwachstum - ein wirtschaftlicher Strukturwandel (weniger Schwerindustrie, mehr Dienstleistungen) - niedrigere Weltbevölkerung (6,4 bzw. 8Milliarden Menschen, statt 11 Milliarden) - die langsamere Einführung von Effizienztechnologien - ein niedrigerer Energieverbrauch pro Kopf. Auf der Basis dieser Annahmen wird global wesentlich weniger Energie verbraucht - mit bedeutsamen Effekten: Die Bodenfläche, die bis zum Jahr2100 für die Erschließung erneuerbarerEnergie bereitgestellt werden muß, sinkt von den veranschlagten neun Prozent der Wälder, Wiesenund des Kulturlandes auf weniger als drei Prozent. Die Kohlenstoffemissionen können schnellerreduziert werden - und zwar um annähernd 60 Prozent biszum Jahr 2030. Der kumulierte Kohlenstoffausstoßder Jahre 1988 bis 2100 sinkt auf 284 Milliarden Tonnen. Allein diese Angaben legen dar, wie grundlegend ein schnelles Handeln ist. Wird dagegen die Geschwindigkeit der Einführung von Effizienztechnologien um ein Drittel herabgesetzt, erhöht sich der Kohlenstoffausstoß um 27Prozent auf fast 400 Milliarden Tonnen bis zum Jahr 2100. Ökologische Grenzen respektieren Energie ist die Grundlage des Lebens. Ohne die Sonnenwärme wäre der Planet Erde kalt undunbelebt. In den vergangenen 200 Jahren koppelten sich die Menschen zunehmend von den natürlichen Sonnenenergieströmen ab, um auf immergrößere Mengen endlicher Ressourcen wie fossile Brennstoffe und Uran zu bauen. Diese jedoch belasten die Erde und ihre Bewohner in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Der Raubbau an den Ressourcen zerstört die Ökosysteme und bedroht die Lebensgrundlage aller Lebewesen. Die Erde gibt, was die Lebewesen brauchen, in Hülle undFülle,aber nur, wenn die ökologischen Grenzen respektiert werden. Das Überschreiten dieser Grenzen, alsodie leichtsinnige Verschwendung von Energie, stellt das Überleben zukünftiger Generationen in Frage.Der Energiehandel ist ein Milliardengeschäft, an dem einige derweltweit größten und mächtigsteninternationalen Gesellschaften beteiligt sind. Die Auswirkungen dieses Geschäfts auf die Umwelt werden von den Gesellschaften, die sie verkaufen, und von den Staaten, die wirtschaftlich davonabhängen,nicht oder kaum beachtet. Das muß sich ändern, sonstwird die Zukunft in noch stärkerem Maße als heutevon chaotischen Klimaänderungen, Atomunfällen,Wald- und Artensterben und der Bedrohung unserer Gesundheit geprägt sein. Das heutigeEnergiesystem ist unzeitgemäß, es basiert auf einerextremen Ungleichheit. EinViertel der Weltbevölkerungim Norden verschleudert knapp zwei Drittel der weltweit kommerziell produzierten Energie. Der Norden muß seinen Lebensstil ändern undder Energieverschwendung Einhalt gebieten. Die Energie in Industrie, Büros, Haushalten und Transportsystemen kann problemlos auch intelligent eingesetzt werden. Wahrer Fortschritt beginnt, wo mit einem Minimum an Energie ein Maximum an Nutzen gewonnen wird. Der Ausstieg aus Atomenergie und fossilen Brennstoffen ist an der Zeit. An die Stelle dieser umweltzerstörendenEnergiegewinnung können sofort erneuerbarer Energiequellentreten. Eine effizientere Energienutzung verlangt neue Technologien, neue Industrieinfrastrukturen und neue soziale Systeme. Mit angemessener Unterstützung seitens der Politik könnendiese unerschöpflichen Energiequellen in Zukunft den weltweiten Energiebedarf zu vernünftigenPreisen decken. Wird die Wahl der erneuerbaren Energien mit Bedacht getroffen, ist mit nur geringen Schädenfür die Umwelt zu rechnen. Gigantische Staudämmeoder Monokulturaufforstungen, wie sie die Politiker favorisieren, sind nicht tragbar. DieZerstörung des globalen Ökosystems, z.B. durch weitere Abholzung, darf sich nicht fortsetzen. Alternativen in Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Industrie müssen auf vernünftigen Grundsätzen beruhenund die Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen. Jahrzehnt der Entscheidung Ziel der Entwicklung ist die weltweite Angleichung der Lebensqualität und eine VerringerungderKluft zwischen Arm und Reich. Dadurch würde ein geringeres Wachstum der Weltbevölkerung erzieltund der Energiebedarf sich verringern. Die Menschheit hat imVerlauf ihrer Geschichte wiederholt und mit enormen Konsequenzen für Umwelt und Lebewesenvon einer schädlichen Energiequelle zurnächsten gewechselt: vom Holz zur Kohle, von der Kohle zum Erdöl. Obwohl die tatsächlichen Umwälzungen inder Energieversorgung Jahre in Anspruch nehmen,fällt die Entscheidung zur Umstellung meist innerhalb relativ kurzer Zeit. Wir brauchen ein "Jahrzehnt der Entscheidung". Die Welt steht am Scheideweg. Die rapide Zerstörung von Ökosystemen,schwindende Rohstoffvorräte und eine Belastung derAtmosphäre, der die Menschheit zum Opfer fallen könnte,prägen den Alltag. Selbst wenn man die (ganz realen) Möglichkeiten einer Klimaveränderungausklammert, bestehen zwingende Gründe für eine Abkehrvon fossilen Brennstoffen und Atomenergie: schwindende Ressourcen, Luftverschmutzung, Gewässerverunreinigung, radioaktiveVerseuchung, Verbreitung von Atomwaffen, wachsendeAtommüllberge sind die zu lösenden Probleme. Greenpeace ist überzeugt, daß bei der Planung der Energieversorgung die ganz reelle Gefahr einer Klimaveränderung berücksichtigt werdenmuß. Umweltschonende Energie ist für den Schutz derErde und ihrer Bewohner unerläßlich. Die Risiken,mit Energie weiter zu prassen wie bisher, sind viel zu groß. Ein Leben ohne fossile Brennstoffe und ohne Atomenergie ist möglich.Und wenn die Bewohnerder Erde die Atmosphäre unddamit ihre eigene Zukunft schützen wollen, dann gibtes keine andere Wahl. Literaturliste Sean McCutcheon: Flüsse unter Strom -Megawattdrama James Bay/Kanada, Raben Verlag München, 1992 Al Gore: Wege zum Gleichgewicht der Erde, S. Fischer Verlag, Frankfurt/M., 1992 Ein klimaverträgliches Energiekonzept für Gesamtdeutschland - ohne Atomstrom, Greenpeace Studie, 1991 Enquête Kommission: "Schutz der Erdatmosphäre"des 12. Deutschen Bundestages, 1. Bericht, Economica Verlag, Bonn, 1992 Heinfried Wolff, Klaus Masuhr, Jan Keppler: Die externen Kosten der Energieversorgung, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, 1992 Reiner Klingholz, Hartmut Graßl: Wir KlimamacherS. Fischer Verlag, Frankfurt/M., 1990 Least-Cost Planning - Der Weg zum Umbau unseres Energieversorgungssystems, Greenpeace Studie, 1992 Meadows, Donella und Dennis: Die neuen Grenzen des Wachstums, Deutsche Verlags Anstalt Stuttgart, 1992 Eva Müller: Das Ende der Ölzeit -Strategiefür eine saubere Wirtschaft in Deutschland, Fischer Taschenbuch Verlag, 1993 Rosenkranz/Meichsner/Kriener: Die neue Offensive der Atomwirtschaft, C. H. Beck Verlag München,1992 Dieter Seifried: Gute Argumente: Energie C.H. Beck Verlag München, 1991 Solar Energy Research Institute et al: The Potential for Renewable Energy An Interlaboratory White Paper Golden Co. March, 1990 Stockholm Environment Institute-Boston Center: Towards A Fossil Free Energy Future - The Next Energy Transition, A Technical Analysis for Greenpeace International, 1993 Gerd Rainer Wagner: Unternehmung undökologische Umwelt, Verlag Franz Vahlen München, 1990 Ernst U. von Weizsäcker: Erdpolitik -Ökologische Realpolitik an der Schwelle zum Jahrhundert der Umwelt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1990 Öko - InstitutFreiburg/Br.: EnergiereportEuropa S. Fischer Verlag, Frankfurt/M., 1991 Mc Gowan 1989, T.: "Energy Efficient Lighting", Electricity: Efficient End-Use and new Generation Technologies and their Planning Implications. Lund University Press, Lund, Sweden, 1989
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