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Das Antike Theater


Zusammenfassung
Fachbereich: Deutsch  
Woerter 2000
Kurzbeschreibung Das Antike Theater Inhaltverzeichnis I Vorwort 3 II Organisation 4 III Theater 6 IV Schauspieler 7 V Inszenierung 8 VI Zuschauer ...
 
 

Das Antike Theater

Das Antike

Theater































Inhaltverzeichnis




I Vorwort 3
II Organisation 4
III Theater 6
IV Schauspieler 7
V Inszenierung 8
VI Zuschauer 9
VII Vergleichmit dem heutigen Theater 10

















Vorwort
Das antike bzw. das abendländische Theater ist in Griechenlandentstanden. Es erreichte in Athen im 5 Jahrhundert seine erste großeBlütezeit. Das klassische griechische Theater, das für uns vor allemdurch die drei großen Tragiker Aischylos, Sophokles und Euripides sowiedurch die Komödien des Aristophanes repräsentiert wird, ist durch eineReihe von Wesensmerkmalen gekennzeichnet: Das antike Theater ist seinenkultischen Ursprüngen getreu erstens Festspieltheater. Auch wenn sich dieursprünglichen formalen, inhaltlichen und organisatorischen Bindungen andenDionysoskult und seine Feste bereits in Griechenland allmählich immermehr lockern und in Rom dann ganz verloren gehen, so bleiben Spieltermine undAufführungsorte trotz der schnell fortschreitenden Säkularisierung undProfessionalisierung weitgehend an die großen Götter- und Staatsfestegebunden. Daraus ergibt sich zweitens die Tatsache, daß das antike Theaterein Massentheater war. Die Festtage waren heilig; der Besuch derAufführungen war politisches Recht und religiös-moralische Pflicht desBürgers. An den Großen Dionysien strömten 14000 bis 17000Zuschauer in das Theater am Fuße der Akropolis; ähnliche Zahlenlassen sich für viele griechischeTheater und für die großenrömischen Steintheater am Ausgang der römischen Republik errechnen.Daneben gab es allerdings auch kleinere Theater; die volkstümlichenKleinformen des antiken Dramas wurden sicher in der Regel vor weit wenigerZuschauern gespielt. Drittens war das antike Theater ein Freilichttheater mitallen Möglichkeiten und Problemen, die diese Form des Theaters bietet.Diese drei genannten Charakteristika erklären, wenn auch gewiß nichtallein, das vierte und letzte Wesensmerkmal des antiken Theaters, das zurechtals Theater der Konvention aufgefaßt wird; das reicht von den festenBauformen der Griechischen Tragödie und Komödie überkonventionelle Handlungs- und Spielelemente bis zu geregelter Schauspielerzahlund obligatorischem Chor, zu Maske und Einheitsbühne.
Innerhalb des durch diese vier Konstanten gebildeten Rahmens ist die mehrals tausendjährige antike Theatergeschichte andererseits bestimmt durch denkontinuierlichen Wandel zahlloser Details in allen Bereichen. Die oft schwer zudeutenden archäologischen Funde und die wenigen erhaltenen literarischeZeugnisse zu denen als dritte ebenfalls selten eindeutige Gruppe von Quellen dieerhaltenen dramatischen Texte kommen, erlauben oft nicht mehr alsHypothesen.
Organisation
Die Frühgeschichte des griechischen Theaters liegt im Dunkeln. Alsgesichert gelten kann die Geburt des abendländischen Dramas aus primitivenMaskentänzen, die sich im Kontext des Dionysoskults über einfachechorische Vorstufen zu den drei dramatischen Genera (Tragödie, KomödieundSatyrspiel) entwickelt haben. Zumindest seit Mitte des 6. Jahrhunderts vorChristus sind die engen Beziehungen von staatlich organisierten Dionysoskult undTheater deutlich. Theateraufführungen gab es in Athen nur an zweibedeutendenDionysosfesten, d.h. zweimal im Jahr, an den zu Beginn des Jahres(Januar, Februar) stattfindenden “Lenäen” und an den sog.“Städtischen” oder “Großen Dionysien”. DiesesFest des Dionysos Eleuthereus[1], das amFrühjahrsbeginn (März, April) gefeiert wurde, war neben den nur allevier Jahre gefeierten “Panathenäen” das bedeutendste Staatsfestder Polis, in dem sich wie bereits Organisationsformen und Programmzeiten,religiöse, kulturelle und politische Aspekte unauflöslich miteinanderverbinden. Die Verantwortung für die Durchführung des Festes lag inden Händen des obersten Beamten der Stadt.
Tragödien- wieKomödienaufführungen[2] waren immer inder Form von Dichterwettbewerben organisiert, zu denen seit 449 auchSchauspielerwettbewerbe hinzukamen, die in der Folgezeit immer bedeutungsvollerwurden. Die Auswahl der zu den Wettbewerben zugelassenen Dichter lag in denHänden des zuständigenBeamten, der jedem Dichter eine Choregen zurVerfügung stellte, der die Zusammenstellung und Ausstattung des Chors sowieVerpflegung und Bezahlung der Choreuten während der nichtunbeträchtlichen Probenzeit übernahm. Der Chorege, der auchdiegesamte Komparserie bezahlte, während die Schauspieler und dieBühnenausstattung aus der Staatskasse finanziert wurden, trug damit denwesentlichen Teil der Inszenierungskosten. Diese ebenso kostspielige wieehrenvolle “Choregie” war Bürgerpflicht, zu der der Archon,wenn sich nicht genügend Freiwillige zur Verfügung stellten, reicheBürger verpflichten konnte. Der finanzielle Aufwand, den ein Chorege, nichtzuletzt zum eigenen Ruhm, zu treiben bereit war, hatte maßgeblichen Anteilam Erfolg des Dichters. In den Urkunden der dramatischen Aufführungen wurdeder Chorege an erster Stelle, noch vor dem Dichter genannt. Das System, demDichter einen “Produzenten” an die Seite zu stellen, hat sich trotzgelegentlicher Schwierigkeiten lange Zeit bewährt. So wurde erst seit Endedes 4. Jahrhunderts, in der Regierungszeit des Tyrannen Demetrios von Phaleron(317-306 BC), aufgegeben. Nun übernahm ein jährlich gewählterWettkampfleiter die Organisation der Dionysien. Die erforderlichen Mittel wurdenaus der Staatskasse zur Verfügung gestellt.
Die Inszenierung lag in der Regel in den Händen des Autors, der nichtnur Regie führte, die Musik komponierte und die Chortänze arrangierteund einstudierte, sondern auch selbst als Schauspieler auftrat. Die dadurchgarantierte Einheit aller Aspekte der Inszenierung löste sich jedoch inFolge der wachsenden Spezialisierung und Professionalisierung allmählichauf; die Dichter begannen, Choreographen und Komponisten zu beschäftigen:Sophokles soll als erster die Schauspielerei aufgegeben haben, und Aristophalesschließlich überließ manchmal sogar die Regie anderen. Esscheint daß die Autoren sich, wie ihre modernen Kollegen, vom Ende des 5.Jahrhunderts an in zunehmendem Maße auf ihre Funktion alsStückeschreiber beschränkten und die szenische Umsetzung ihrer Texteden Theaterpraktikern, vor allem denProtagonisten[3],überließen.
In der Blütezeit des attischen Theaters wurde jedes Stück nureinmal gespielt. Wiederaufführungen fanden für die “GroßenDionysien” nur in Form von Neubearbeitungen durchgefallenerStückeoder als Ausnahme statt. So wurde nach dem Tod des Aischylos (456) durch einenVolksbeschluß die Wiederaufführung seiner Stücke erlaubt.Daß erfolgreiche Stücke außerhalb Athens wiederaufgeführtworden sind, ist wahrscheinlich.
Theater
Wichtigste Spielstätte des klassischen griechischen Dramas ist das“Dionysostheater”[4] amSüdostabhang der Akropolis.
Das griechische Theater besteht aus drei Hauptbestandteilen: dem Platz, andem der Chor singt und tanzt (Orchestra), dem Zuschauerraum (Theatron) und demsich erst allmählich entwickelnden Bühnenhaus, vor dem dieSchauspieler agieren (Skené).
Die Orchestra, der gewöhnlich kreisrunde (Tanz-)Platz, in dessen Mitteursprünglich der Altar des Gottes stand, um den der Chor tanzte. Da dasantike Drama aus Chortänzen entstanden ist, ist die Orchestra, die dieGestalt des griechischen Theaters nachdrücklich prägt, derälteste Bestandteil.
Das Theatron, der Ort zum Schauen und Zuschauen, liegt auf einernatürlichen Terrasse direkt an einem Berghang, welcher als Zuschauerraumgenutzt wird; später legte man am Berghang konzentrische Sitzplatzreihenan, die die Orchestra zu 2/3 einschließen.
Die Skené, die Entwicklung des Chortanzes und -lieds zumdramatischen Spiel, führt zwangsläufig zur Entstehung des drittenBestandteil des Theater. Sobald Schauspielerzum Chor hinzutraten, wurde ein Ortgebraucht, wo diese sich während der Chorlieder ungesehen aufhalten undfalls erforderlich umkleiden konnten. Es ist möglich, daß dafürzunächst, im Dionysostheater und anderen Orts, Geländevorsprüngeam Rande der Orchestra ausreichten, die von dem noch nicht weit den Hanghinaufsteigenden Theatron nicht eingesehen werden konnten; bald jedoch wurde zudiesem Zweck ein Zelt oder eine Holzhütte, dieSkené[5], errichtet, die sich zueinembreiten Bühnengebäude entwickelte, das auf den Zuschauergegenüberliegenden Seite die Orchestra begrenzte; es nahm gewiß nebenSchauspielern, Statisten und technischem Personal auch Masken, Kostüme unddie Requisiten auf.
Schauspieler
Das griechische Drama ist aus Chortänzen und -liedern entstanden, undder Chor prägt auch wesentlich die voll entwickelten dramatischen Genera.Thespis soll dem Chor einen ersten Schauspieler entgegengestellt haben,Aischylosden zweiten, Sophokles schließlich den dritten. In der Folgezeitist es dann, jedenfalls in der Tragödie, immer bei der Dreizahl derSchauspieler geblieben; nur in Ausnahmefällen konnte ein vierterdazutreten. Daneben gab es natürlich, je nach Stück undInszenierungsstil des Autors, eine mehr oder minder große Zahl vonStatisten.
Für die Komödie ist die Gültigkeit derDreischauspieler-Regel umstritten. Es scheint, daß die größereRollenvielfalt der aristophaneischen Komödie mehr als drei Schauspielerverlangt, während vieles dafür spricht, daß für die“neue Komödie” die strenge Regelung der Tragödie gegoltenhat.
Die Begrenzung der zur Verfügung stehenden Schauspieler hat eine Reihebedeutungsvoller Folgen:
Jeder Schauspieler muß mehrere Rollenspielen
Gelegentlich muß eine Rolle auf zwei oder gar alle drei Schauspieleraufgeteilt werden
Es können nie mehr als drei sprechende Personen gleichzeitigagieren
Dieses hat weitreichende Folgen für die dramatische Technik.
Die kleine Gruppe der Schauspieler ist hierarchisch gegliedert. AlleSchauspieler sind Männer; wir müssen uns also die großenFrauenrollen des antiken Dramas (von Klytaimnestra, Antigone und Medea bis zuLysistrata) von Männern gespielt denken.
Zunächst spielten die Dichter selbst und wählten die weiterenSchauspieler selbst aus. Nach Einführung der Schauspielerwettbewerbe wurdenden Dichtern die Protagonisten durch Los zugeteilt; der Staat zahlte die Kostenfür die Schauspieler.
Die rasche Entwicklung und Professionalisierung der Schauspielkunst wirddurch die Einführung der Schauspieler-Agone dokumentiert undverstärkt; die Entwicklung des Dramas und des Theaterbetriebesläßt erkennen, daß die Bedeutung der Schauspieler ständigsteigt und schließlich sogar, in Aristoteles’ Urteil, die derDichter übertrifft.
Inszenierung
Leider sind uns wichtige Bereiche der Inszenierung antiker Dramenweitgehend verschlossen. Über die Schauspielkunst, die, wie dieEinführung von Schauspielerwettbewerben zeigt, bereits frühhochentwickelt und populär war, wissen wir nur sehr wenig. Immerhinerlauben die Verwendung von Masken und die Größe des Theaters denSchluß, daß subtile mimische und gestische Effekte wie sie fürdie moderne Bühnecharakteristisch sind, nicht angestrebt werdenkonnten.
Masken wurden in allen drei dramatischen Gattungen getragen. Der Gebrauchvon Masken[6] reicht tief in primitives Brauchtumund religiöse Vorstellung zurück, bietet aber auch wichtige praktischeVorteile. Die Maske ermöglicht es den Schauspielern, in kürzester Zeitvon einer Rolle in die andere zu schlüpfen; sie erleichtert die Darstellungvon Frauenrollen durch Männer, und sie erlaubt die zeichenartigeVisualisierung des Wesentlichen in einem Riesentheater, in dem individuellePhysiognomie und Mimik bedeutungslos waren.
Wie die Maske dient auch das Kostüm ursprünglich der kultischenVermummung und Verwandlung, hat jedoch später vor allem ästhetischeundbühnentechnische Funktion. In der Tr

Das Antike

Theater































Inhaltverzeichnis




I Vorwort 3
II Organisation 4
III Theater 6
IV Schauspieler 7
V Inszenierung 8
VI Zuschauer 9
VII Vergleichmit dem heutigen Theater 10

















Vorwort
Das antike bzw. das abendländische Theater ist in Griechenlandentstanden. Es erreichte in Athen im 5 Jahrhundert seine erste großeBlütezeit. Das klassische griechische Theater, das für uns vor allemdurch die drei großen Tragiker Aischylos, Sophokles und Euripides sowiedurch die Komödien des Aristophanes repräsentiert wird, ist durch eineReihe von Wesensmerkmalen gekennzeichnet: Das antike Theater ist seinenkultischen Ursprüngen getreu erstens Festspieltheater. Auch wenn sich dieursprünglichen formalen, inhaltlichen und organisatorischen Bindungen andenDionysoskult und seine Feste bereits in Griechenland allmählich immermehr lockern und in Rom dann ganz verloren gehen, so bleiben Spieltermine undAufführungsorte trotz der schnell fortschreitenden Säkularisierung undProfessionalisierung weitgehend an die großen Götter- und Staatsfestegebunden. Daraus ergibt sich zweitens die Tatsache, daß das antike Theaterein Massentheater war. Die Festtage waren heilig; der Besuch derAufführungen war politisches Recht und religiös-moralische Pflicht desBürgers. An den Großen Dionysien strömten 14000 bis 17000Zuschauer in das Theater am Fuße der Akropolis; ähnliche Zahlenlassen sich für viele griechischeTheater und für die großenrömischen Steintheater am Ausgang der römischen Republik errechnen.Daneben gab es allerdings auch kleinere Theater; die volkstümlichenKleinformen des antiken Dramas wurden sicher in der Regel vor weit wenigerZuschauern gespielt. Drittens war das antike Theater ein Freilichttheater mitallen Möglichkeiten und Problemen, die diese Form des Theaters bietet.Diese drei genannten Charakteristika erklären, wenn auch gewiß nichtallein, das vierte und letzte Wesensmerkmal des antiken Theaters, das zurechtals Theater der Konvention aufgefaßt wird; das reicht von den festenBauformen der Griechischen Tragödie und Komödie überkonventionelle Handlungs- und Spielelemente bis zu geregelter Schauspielerzahlund obligatorischem Chor, zu Maske und Einheitsbühne.
Innerhalb des durch diese vier Konstanten gebildeten Rahmens ist die mehrals tausendjährige antike Theatergeschichte andererseits bestimmt durch denkontinuierlichen Wandel zahlloser Details in allen Bereichen. Die oft schwer zudeutenden archäologischen Funde und die wenigen erhaltenen literarischeZeugnisse zu denen als dritte ebenfalls selten eindeutige Gruppe von Quellen dieerhaltenen dramatischen Texte kommen, erlauben oft nicht mehr alsHypothesen.
Organisation
Die Frühgeschichte des griechischen Theaters liegt im Dunkeln. Alsgesichert gelten kann die Geburt des abendländischen Dramas aus primitivenMaskentänzen, die sich im Kontext des Dionysoskults über einfachechorische Vorstufen zu den drei dramatischen Genera (Tragödie, KomödieundSatyrspiel) entwickelt haben. Zumindest seit Mitte des 6. Jahrhunderts vorChristus sind die engen Beziehungen von staatlich organisierten Dionysoskult undTheater deutlich. Theateraufführungen gab es in Athen nur an zweibedeutendenDionysosfesten, d.h. zweimal im Jahr, an den zu Beginn des Jahres(Januar, Februar) stattfindenden “Lenäen” und an den sog.“Städtischen” oder “Großen Dionysien”. DiesesFest des Dionysos Eleuthereus[1], das amFrühjahrsbeginn (März, April) gefeiert wurde, war neben den nur allevier Jahre gefeierten “Panathenäen” das bedeutendste Staatsfestder Polis, in dem sich wie bereits Organisationsformen und Programmzeiten,religiöse, kulturelle und politische Aspekte unauflöslich miteinanderverbinden. Die Verantwortung für die Durchführung des Festes lag inden Händen des obersten Beamten der Stadt.
Tragödien- wieKomödienaufführungen[2] waren immer inder Form von Dichterwettbewerben organisiert, zu denen seit 449 auchSchauspielerwettbewerbe hinzukamen, die in der Folgezeit immer bedeutungsvollerwurden. Die Auswahl der zu den Wettbewerben zugelassenen Dichter lag in denHänden des zuständigenBeamten, der jedem Dichter eine Choregen zurVerfügung stellte, der die Zusammenstellung und Ausstattung des Chors sowieVerpflegung und Bezahlung der Choreuten während der nichtunbeträchtlichen Probenzeit übernahm. Der Chorege, der auchdiegesamte Komparserie bezahlte, während die Schauspieler und dieBühnenausstattung aus der Staatskasse finanziert wurden, trug damit denwesentlichen Teil der Inszenierungskosten. Diese ebenso kostspielige wieehrenvolle “Choregie” war Bürgerpflicht, zu der der Archon,wenn sich nicht genügend Freiwillige zur Verfügung stellten, reicheBürger verpflichten konnte. Der finanzielle Aufwand, den ein Chorege, nichtzuletzt zum eigenen Ruhm, zu treiben bereit war, hatte maßgeblichen Anteilam Erfolg des Dichters. In den Urkunden der dramatischen Aufführungen wurdeder Chorege an erster Stelle, noch vor dem Dichter genannt. Das System, demDichter einen “Produzenten” an die Seite zu stellen, hat sich trotzgelegentlicher Schwierigkeiten lange Zeit bewährt. So wurde erst seit Endedes 4. Jahrhunderts, in der Regierungszeit des Tyrannen Demetrios von Phaleron(317-306 BC), aufgegeben. Nun übernahm ein jährlich gewählterWettkampfleiter die Organisation der Dionysien. Die erforderlichen Mittel wurdenaus der Staatskasse zur Verfügung gestellt.
Die Inszenierung lag in der Regel in den Händen des Autors, der nichtnur Regie führte, die Musik komponierte und die Chortänze arrangierteund einstudierte, sondern auch selbst als Schauspieler auftrat. Die dadurchgarantierte Einheit aller Aspekte der Inszenierung löste sich jedoch inFolge der wachsenden Spezialisierung und Professionalisierung allmählichauf; die Dichter begannen, Choreographen und Komponisten zu beschäftigen:Sophokles soll als erster die Schauspielerei aufgegeben haben, und Aristophalesschließlich überließ manchmal sogar die Regie anderen. Esscheint daß die Autoren sich, wie ihre modernen Kollegen, vom Ende des 5.Jahrhunderts an in zunehmendem Maße auf ihre Funktion alsStückeschreiber beschränkten und die szenische Umsetzung ihrer Texteden Theaterpraktikern, vor allem denProtagonisten[3],überließen.
In der Blütezeit des attischen Theaters wurde jedes Stück nureinmal gespielt. Wiederaufführungen fanden für die “GroßenDionysien” nur in Form von Neubearbeitungen durchgefallenerStückeoder als Ausnahme statt. So wurde nach dem Tod des Aischylos (456) durch einenVolksbeschluß die Wiederaufführung seiner Stücke erlaubt.Daß erfolgreiche Stücke außerhalb Athens wiederaufgeführtworden sind, ist wahrscheinlich.
Theater
Wichtigste Spielstätte des klassischen griechischen Dramas ist das“Dionysostheater”[4] amSüdostabhang der Akropolis.
Das griechische Theater besteht aus drei Hauptbestandteilen: dem Platz, andem der Chor singt und tanzt (Orchestra), dem Zuschauerraum (Theatron) und demsich erst allmählich entwickelnden Bühnenhaus, vor dem dieSchauspieler agieren (Skené).
Die Orchestra, der gewöhnlich kreisrunde (Tanz-)Platz, in dessen Mitteursprünglich der Altar des Gottes stand, um den der Chor tanzte. Da dasantike Drama aus Chortänzen entstanden ist, ist die Orchestra, die dieGestalt des griechischen Theaters nachdrücklich prägt, derälteste Bestandteil.
Das Theatron, der Ort zum Schauen und Zuschauen, liegt auf einernatürlichen Terrasse direkt an einem Berghang, welcher als Zuschauerraumgenutzt wird; später legte man am Berghang konzentrische Sitzplatzreihenan, die die Orchestra zu 2/3 einschließen.
Die Skené, die Entwicklung des Chortanzes und -lieds zumdramatischen Spiel, führt zwangsläufig zur Entstehung des drittenBestandteil des Theater. Sobald Schauspielerzum Chor hinzutraten, wurde ein Ortgebraucht, wo diese sich während der Chorlieder ungesehen aufhalten undfalls erforderlich umkleiden konnten. Es ist möglich, daß dafürzunächst, im Dionysostheater und anderen Orts, Geländevorsprüngeam Rande der Orchestra ausreichten, die von dem noch nicht weit den Hanghinaufsteigenden Theatron nicht eingesehen werden konnten; bald jedoch wurde zudiesem Zweck ein Zelt oder eine Holzhütte, dieSkené[5], errichtet, die sich zueinembreiten Bühnengebäude entwickelte, das auf den Zuschauergegenüberliegenden Seite die Orchestra begrenzte; es nahm gewiß nebenSchauspielern, Statisten und technischem Personal auch Masken, Kostüme unddie Requisiten auf.
Schauspieler
Das griechische Drama ist aus Chortänzen und -liedern entstanden, undder Chor prägt auch wesentlich die voll entwickelten dramatischen Genera.Thespis soll dem Chor einen ersten Schauspieler entgegengestellt haben,Aischylosden zweiten, Sophokles schließlich den dritten. In der Folgezeitist es dann, jedenfalls in der Tragödie, immer bei der Dreizahl derSchauspieler geblieben; nur in Ausnahmefällen konnte ein vierterdazutreten. Daneben gab es natürlich, je nach Stück undInszenierungsstil des Autors, eine mehr oder minder große Zahl vonStatisten.
Für die Komödie ist die Gültigkeit derDreischauspieler-Regel umstritten. Es scheint, daß die größereRollenvielfalt der aristophaneischen Komödie mehr als drei Schauspielerverlangt, während vieles dafür spricht, daß für die“neue Komödie” die strenge Regelung der Tragödie gegoltenhat.
Die Begrenzung der zur Verfügung stehenden Schauspieler hat eine Reihebedeutungsvoller Folgen:
Jeder Schauspieler muß mehrere Rollenspielen
Gelegentlich muß eine Rolle auf zwei oder gar alle drei Schauspieleraufgeteilt werden
Es können nie mehr als drei sprechende Personen gleichzeitigagieren
Dieses hat weitreichende Folgen für die dramatische Technik.
Die kleine Gruppe der Schauspieler ist hierarchisch gegliedert. AlleSchauspieler sind Männer; wir müssen uns also die großenFrauenrollen des antiken Dramas (von Klytaimnestra, Antigone und Medea bis zuLysistrata) von Männern gespielt denken.
Zunächst spielten die Dichter selbst und wählten die weiterenSchauspieler selbst aus. Nach Einführung der Schauspielerwettbewerbe wurdenden Dichtern die Protagonisten durch Los zugeteilt; der Staat zahlte die Kostenfür die Schauspieler.
Die rasche Entwicklung und Professionalisierung der Schauspielkunst wirddurch die Einführung der Schauspieler-Agone dokumentiert undverstärkt; die Entwicklung des Dramas und des Theaterbetriebesläßt erkennen, daß die Bedeutung der Schauspieler ständigsteigt und schließlich sogar, in Aristoteles’ Urteil, die derDichter übertrifft.
Inszenierung
Leider sind uns wichtige Bereiche der Inszenierung antiker Dramenweitgehend verschlossen. Über die Schauspielkunst, die, wie dieEinführung von Schauspielerwettbewerben zeigt, bereits frühhochentwickelt und populär war, wissen wir nur sehr wenig. Immerhinerlauben die Verwendung von Masken und die Größe des Theaters denSchluß, daß subtile mimische und gestische Effekte wie sie fürdie moderne Bühnecharakteristisch sind, nicht angestrebt werdenkonnten.
Masken wurden in allen drei dramatischen Gattungen getragen. Der Gebrauchvon Masken[6] reicht tief in primitives Brauchtumund religiöse Vorstellung zurück, bietet aber auch wichtige praktischeVorteile. Die Maske ermöglicht es den Schauspielern, in kürzester Zeitvon einer Rolle in die andere zu schlüpfen; sie erleichtert die Darstellungvon Frauenrollen durch Männer, und sie erlaubt die zeichenartigeVisualisierung des Wesentlichen in einem Riesentheater, in dem individuellePhysiognomie und Mimik bedeutungslos waren.
Wie die Maske dient auch das Kostüm ursprünglich der kultischenVermummung und Verwandlung, hat jedoch später vor allem ästhetischeundbühnentechnische Funktion. In der Tragödie tragen die Helden einweites, bis auf die Füße fallendes bundgemustertes Prachtgewand mitlangen Ärmeln; seine Herkunft ist ebenso umstritten wie der Zeitpunkt derEinführung, die Aischylos zugeschrieben wird, aber erst für das Endedes 5. Jahrhunderts sicher bezeugt ist. Das einteilige, den gesamten Körperbedeckende Kostüm verlieh nicht nur dem tragischen Helden Glanz undWürde, sondern ermöglichte schnelle Rollenwechsel und erleichterte dieDarstellung von Frauenrollen durch Männer. Vor der Einführung diesesprachtvollen Schauspielergewands wurde wahrscheinlich eine stilisierte, reichdifferenzierte “Alltagskleidung” getragen, und auch das neueTheatergewand erlaubte zweifellos mit Hilfe von Farben, Schmuck, signifikantenDetails und Requisiten die jeweils notwendige Differenzierung der Personen nachnatürlichen (Geschlecht, Alter), geographischen und gesellschaftlichenUnterschieden.
DasStandardkostüm der Komödie unterscheidet sich grundlegend vondem der Tragödie. Die Schauspieler trugen ein enganliegendes,fleischfarbenes (d.h. Haut symbolisierendes) Trikot, das an Bauch undGesäß grotesk ausgestopft wurde[7].Darüber trugen die männlichen Personen ein kurzes Gewand oder einenkleine Mantel, die das Leben der Ausstopfung wichtigster Attribut des komischenKostüms, den übergroßen erregierten Phallus, nichtverhüllte; die Frauen trugen stilisierte Alltagskleidung(knöchellanges, gelbes Gewand, Mantel, dazu Stirnband, Haarnetz, engeSchuhe), waren aber in derselben grotesken Weise ausgestopft wie dieMänner.
Zuschauer
Das griechische Theater war ein Massentheater. Das griechischeTheaterpublikum war ausdauernd (die Aufführungen dauerten mehrere Tage undjeweils sieben bis neun Stunden) und sachverständig. Man besuchteregelmäßig die Aufführungen, und ein nicht unerheblicher Teilder Zuschauer war in irgendeiner Funktion (als Choreut, Statist,Bühnenarbeiter) selbst an Aufführungen beteiligt gewesen (alleinfür alle Chöre wurden beinahe 1200 Sänger gebraucht): idealeVoraussetzungen für die Entstehung eines interessierten undkunstverständigen Publikums, ohne daß die literarische Qualitätund thematische Komplexität des griechischen Dramas nicht denkbarwären.

Vergleich

Verglichen mit dem heutigenTheater zeigen sich einige, teils erheblicheUnterschiede:
Das Theater in der damaligen Form fand als eine Art Wettkampf statt, in demes darum ging, sich miteinander zu vergleichen.
Das griechische Theater wurde mehr vom Publikum akzeptiert und sogarstaatlich stark gefördert, da Theatertage damals im Gegensatz zu heute alsFesttage galten. Die große Akzeptanz beim Publikum ist darinbegründet, daß so gut wie jeder in irgendeiner Form am Theaterteilnahm, bzw. eine Rolle spielte.
Die Autoren beschäftigten sich so sehr mit ihren eigenen Stücken,daß sie in der Regel selbst eine Rolle übernahmen und so die vonihnen geschaffene Figur besser zum Ausdruck bringen konnten. Es war ihnenmöglich, die erfundenen Charactere genau darzustellen, da sie ja ihrerPhantasie entsprangen.
Die Dauer der einzelnen Aufführungen war um einiges länger alsdie heutiger Stücke.Damals ging eine Aufführung über mehrereTage mit jeweils acht bis neun Stunden, während heutige Aufführungennormalerweise nach höchstens 4 Stunden beendet sind, wobei diesegroße Differenz nicht nur mit der Technik begründbarist.
[1] Benannt nach der Herkunft des Kults ausEleutherei, einem Dorf an der attisch-böotischen Grenze
[2] Tragödie seit dem Ende des 6. Jh.;Komödie seit 486
[3] Im griechischen Theater der 1.Schauspieler, der auch die beiden anderen Schauspieler engagierte und inden
Urkunden dramatischer Aufführungen gleichberechtigt neben Dichterund Chorege genannt wurde
[4] das bedeutendste Theater dergriechischen Welt
[5] Grundbedeutung:Zelt,Hütte
[6] Die Masken erlaubten den Darstellern(nur Männer) den glaubwürdigen und schnellen Wechsel in diever-
schiedenen Rollen (Frauenrollen etc.).
[7] Diese Ausstopfung heißtSomation

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