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Klatsch & Tratsch

Cicero: Erste Rede gegen Catilina


Zusammenfassung
Fachbereich: Latein  
Woerter 3200
Kurzbeschreibung LATEIN CICEROS ERSTE REDE GEGEN CATILINA 1. Wie lange wirst du eigentlich noch unsere Geduld mißbrauchen Catilina? Wie lange wird deine Wut uns noch verspotten? Bis zu welcher Grenze wird sich <deine> zügellose Frechheit br...
 
 

Cicero: Erste Rede gegen Catilina

LATEIN

CICEROS ERSTE REDE GEGEN CATILINA
1. Wie lange wirst du eigentlich noch unsere Geduldmißbrauchen
Catilina? Wie lange wird deine Wut uns noch verspotten? Bis zuwelcher
Grenze wird sich <deine> zügellose Frechheit brüsten?Beeindruckt dich
etwa gar nicht, die nächtlichen Wachen des Paladins, dieStadtwachen,
die Furcht des Volkes, der Zusammenlauf aller Patrioten(Optimaten),
nicht dieser äußerst befestigte Ort um eine Senatssitzungabzuhalten,
nicht deren (Rede) und Anblick? Merkst du etwa nicht, daß deinePläne
offenstehen? Siehst du nicht, daß deine schon lahmgelegteVerschwörung,
durch das Wissen all derer im Griff gehalten wird (beherrschtwird)?
Glaubst du, wir wissen nicht, was du letzte und vorletzte Nachtgetan
hast, wo du gewesen bist, wen du zusammengerufen hast und welche
Beschlüsse du gefaßt hast? O, Was für eine Zeit! O, Wasfür Sitten! Der
Senat hat dies durchschaut (erkannt), der Konsul sieht es, dennochlebt
dieser. Er lebt? Nein, er kommt sogar (auch) noch in den Senat, ernimmt
teilhaftig am Staatsrat teil, er bezeichnet und kennzeichnet mitden
Augen das Blutbad eines einzelnen und dasunsrige. Wir aber, die
tapferen Männer, bilden uns ein den Staat zufriedenzustellen, wennwir
den Zorn (dessen Zorn) und die Waffen dieses da, meiden. Schonlängst
hätte man dich, Catilina, den Anführer, auf Befehl des Konsulstöten
müssen, das Unheil, das du gegen uns ersinnst, gegen dichvereinigen
müssen. Hat nicht ein höchst angesehener Mann, der OberpriesterP.
Scipio Tiberius Gracchus, weil erdie Verfassung des Staates nur
geringfügig erschütterte persönlich (als Privatmann)getötet? Wollen wir
Konsuln einen Catilina, der den Erdkreis mit Mord und Brand zuverwüsten
wünscht gewähren (vollführen) lassen? Denn ich übergehejene all zu
alten <Ereignisse>, daß C. Servilius Ahala den Sp. Maelius, dersich um
einen Umsturz bemühte mit eigener Hand tötete. Es gab, ja esgab
<tatsächlich> einstin diesem Gemeinwesen dieser Tapferkeit da,daß
tapfere Männer einen verderblichen Bürger mit härterenStrafen in
Schranken hielten, als den erbittertsten Feind. Wir haben einen
nachtrüglichen und ernsten Senatsbeschluß gegen dich Catilina;Es fehlt
dem Gemeinwesen nicht der Ratschlag oder das Ansehen diesesSenats
(Standes): Wir, wir, ich sage es offen, wir Konsuln versagen.
2. Es beschloß einst der Senat, daßder Konsul L. Opimiusdafür sorgen
solle, daß der Staat keinen Schaden empfange; Keine Nacht verging:Es
wurde wegen einem gewissen Verdacht des Aufstandes (auf Aufruhr)C.
Gracchus, dem ein äußerst berühmter Vater, Großvaterund Vorfahren
waren, getötet; Es wurde M. Fulvius, der Konsul gewesen war, mitseinen
Kindern getötet. Auf ähnlichem Senatsbeschluß wurde derStaat den
Konsuln C. Marius und L. Valerius überlassen; Hat in der Folge derTod
und die Strafe des Gemeinwesens den Volkstribun L. Saturninus undden
Praetor C. Sevilius etwa einen Tag warten lassen? Aber wir lassensogar
schon zwanzig Tage lang die Schärfe der Vollmacht derer Stumpfwerden.
Wir haben nämlich einen Senatsbeschluß dieser Art, allerdings inden
Urkundenbüchern der Quaestoren eingeschlossen, wie in einerScheide
verborgen, aufgrund dieses Senatsbeschlusses hätte es sichgehört, daß
du Catilina unverzüglich getötet werden müßtest. Dulebst, und du lebst
nicht um deine Frechheit abzulegen, sondern um sie zu festigen.Ich
wünsche meine Herren Senatoren Nachsichtig zu sein, ich wünschein einer
so großenGefahr für das Gemeinwesen nicht leichtsinnig zuerscheinen,
aber schon spreche ich mich selbst der Trägheit und der
Pflichvergessenheit schuldig. Die Lager sind in Italien in den
Schluchten Etruriens gegen das römische Volk aufgestellt, die Anzahlder
Feinde wächst von Tag zu Tag: Aber den Befehlshaber dieser Lager undden
Anführer der Feinde sehen wir innerhalb der Stadtmauern, ja sogarim
Senat, dem Gemeinwesen im Inneren tagtäglich irgendeinVerderben
schaffen (ins Werk zu setzen). Wenn ich dich Catilina auf derStelle
ergreifen lasse, wenn ich befehle dich töten zu lassen,werden
sicherlich alle Guten eher sagen, dies sei von mir zu spätgemacht
wordenals das irgendeiner grausam nennt. Aber ich werde auseinem
bestimmten Grund noch nicht veranlassen, daß zu tun (daß ichdies tue)
was schon längst hätte getan werden müssen: Dann erst sollstdu getötet
werden, wenn niemand mehr gefunden werden könnte (kann), der sodreist
so verrucht, dir so ähnlich wäre, der bekennen würde(daß er bekennen
würde), daß dies nicht mit Recht gemacht worden sei. Solange esirgend
jemand gibt, der es wagt dich zu verteidigen, wirst (sollst) duleben
und du wirst (sollst) so leben, wie du jetzt lebst, von meinen
zahlreichen und zuverlässigen Wachen (von meiner zahlreichenund
zuverlässigen Besatzung) belagert, damit du dich nicht gegendas
Gemeinwesen bewegen kannst. Auch werden dich, während (obwohl) dues
nicht merkst die Augen und Ohren vieler beobachten und bewachen wiesie
es bisher getan haben.
3. Was allerdings gibt es für einen Grund, Catilina, daß du nochlänger
wartest, wenn weder die Nacht die verbrecherische (frevelhafte)
Zusammenkunft in Finsternis verbergen kann, noch dein Privathausdie
Stimmen deiner Verschwörung in seinen Wänden festhalten kann,wenn alles
aufgehellt wird, wenn alles ans Licht gebracht wird? Ändere jetztdeine
Gesinnung (diese ... da), glaube mir, vergiß Mord und Brandstiftung.Du
bist (wirst) von allen Seiten umstellt (eingeschlossen). Heller(Klarer)
als das Licht, sind uns alle deine Pläne, welche du jetzt mitmir
durchgehen magst. Erinnerst du dich, daß ich am 21. Oktober imSenat
gesagt habe, daß Gaius Manlius, der Spießgeselle deinerFrechheit, an
einem bestimmten Tag, welcher der 27. Oktober sein würde, inWaffen
stehen werde. Ist mir, Catilina, nicht etwa bloß eine so große,so
abscheuliche und so unglaubliche Sache sondern, was viel
bewundernswerter erscheint der Tagentgangen? Ebenso habe ich imSenat
gesagt, du habest den Mord der (an den) Optimaten auf den 28.Oktober
festgelegt, damals flohen viele adlige Bürger aus Rom nicht so sehrum
sich zu retten, als vielmehr um deine Pläne zu vereiteln. Kannst duetwa
leugnen, daß du gerade an jenem Tag selbst, nachdem du durchmeine
Wachposten und meine Umsicht eingeschlossen warst, dich nicht gegenden
Staat bewegen konntest, während du nach der Abreise der übrigensagtest,
daß du dich für uns, die wir zurückgeblieben waren, mit demTod mäßigst
(zufrieden gibst). Was? Als du darauf vertrautest Praeneste am 1.
November durch einen nächtlichen Handstreich zu besetzen, hast du<da>
etwa nicht bemerkt, daß jene Kolonie auf meinen Befehl hin, durchmeine
Wachmannschaften, Einzelposten und Nachtwachen befestigt war?Nichts
tust du, nichts beabsichtigst du, nichts erwägst du, was ich nichtnur
hörte, sondern auch sähe und klar (deutlich)wahrnähme.
4. Erinnere dich mit mir endlich an jene vorletzte (vorige) Nacht:Schon
erkennst du, daß ich viel eifriger über das Wohl des Staateswache, als
du über sein Verderben. Ich behaupte, daß du vorletzte Nacht indas Haus
des M. Laeca unter den Sensenmachern --- ich tue (will) nichts
verdunkeln --- gekommen bist, <eben> dort sind mehrere Gefährteneben
dieses (deines) Wahnsinns zusammengekommen. Wagst du es etwa zuleugnen?
Was schweigst du? Ich werde (es) unwiderleglich beweisen, wenn du(es)
leugnest. Denn ich sehe, daß hier im Senat einige sind, die mitdir
<zusammen> dort waren. Oh ihr Unsterblichen Götter! Wo in allerWelt
sind wir? Was für ein Staat (Gemeinwesen) haben wir? In welcherStadt
leben wir? Hier, <ja> hier in unserem Rang, meine Herren Senatoren,in
dieser tugendhaftesten und ehrwürdigsten Körperschaft der Erde,sind sie
(Menschen) die auf unser aller Untergang, die auf das Verderbendieser
(über diese) Stadt, ja sogar der <ganzen> Erde drängen!Ich, der Konsul,
sehe diese und frage sie um ihre Meinung über (zum) Staat(Gemeinwesen)
und verletze diese, welche man mitdem Schwert niedermetzelnmüßte,
nicht einmal mit der Stimme. Also bist du in jener Nacht beiLaeca
gewesen, Catilina, du hast die Rollen in Italien verteilt, duhast
beschlossen, wo es angenehm wäre, daß einjeder marschierte(hinginge),
du hast ausgewählt, welche du in Rom zurückläßt undwelche du mit dir
mitnimmst, du hast die Teile der Stadt zum Brand bezeichnet, duhast
bekräftigt, daß du selbst gleich <die Stadt> verlassenwirst, du hast
gesagt, daß dir noch ein wenig Aufenthalt sei (bliebe), weil ichlebe
(leben würde). Es wurden zwei römische Ritter gefunden, die dichvon
dieser Sorge befreien wollten und versprachen, daß sie michamMorgen
des 7. November in meinem Bett töten (und sich anboten mich injener
Nacht selbst kurz vor Tageseinbruch in meinem Bett zu töten). Diesalles
habe ich erfahren, als ihr noch kaum erst aus der Versammlungentlassen
wart; Mein Haus habe ich durch stärkere (bessere) Wachpostenbefestigt
und gestärkt, ich habe diese, welche du in den Morgenstunden zu mirzum
Gruß schicktest, abgewiesen, weil jene selbst gekommen waren, welcheich
schon vielen und wichtigstenMännern öffentlich bekannt gemachthatte,
daß sie zu mir zu dieser Stunde kommen würden.
5. Weil dies so ist, Catilina, mache dich auf (setze fort was du
begonnen hast) endlich einmal aus der Stadt hinauszugehen; DieTore
stehen offen: Marschiere (Mache dich auf). Allzu lange vermißtendich,
den Befehlshaber, jene deine Lager bei Manlia. Nimm auch alle diedeinen
mit dir, wenn nicht <alle>, möglichst viele; Reinige die Stadt.Du wirst
mich von einer großen Furcht befreien, wenn nur die Stadtmauer Romssich
zwischen dir und mir befindet. Unter uns kannst du dich nichtmehr
länger aufhalten; Ich werde es nicht ertragen, nicht dulden,nicht
zulassen. Den unsterblichen Göttern und diesem Jupiter Statorselbst,
dem äußerst alten Wächter dieser Stadt, muß mangroßen Dank sagen, daß
wir diesem so abscheulichen, so schrecklichen und dem Staat sofeindlich
gesinnten Scheusal schon so oft entflohen sind. Das Staatswohldarf
nicht öfter von einem einzigen Menschen riskiert werden (aufsSpiel
gesetzt werden). Solange du, Catilina, mir dem designierten (dembereits
gewählten, aber noch nicht amtierenden) Konsul nachstelltest habeich
mich nicht mit öffentlichen Wachposten (durch öffentlicheWachposten),
sondern mit (durch) persönlicher Sorgfalt verteidigt. Als du beider
letzten Versammlung zur Wahl der Konsuln, mich und deine Mitbewerberauf
dem Marsfeld töten wolltest, habe ich deinen ruchlosen Versuch durchdie
Hilfe und die Truppen meiner Freunde unterdrückt, ohne daßöffentliche
Unruhe erregt wurde (erregt worden war). Überhaupt, so oft du nurmich
bedroht hast, habe ich mich gegen dich gestellt, obwohl ich sah,daß
mein Verlust mit einem großen Schaden für den Staat (dasGemeinwesen)
verbunden wäre. Nun bedrohst du schon freimütig (offenkundig)den
gesamten Staat (das gesamte Gemeinwesen) , du willst den Tempelnder
unsterblichen Götter, den Häusern der Stadt, dem Leben allerBürger,
<ja> ganz Italien den Untergang und die Verwüstung bringen.Nachdem ich
daher,das was zuerst (am naheliegendsten) ist, und was meiner Machtund
den Grundsätzen der Vorfahren zutreffend ist, noch nicht wage zumachen,
will ich das machen, was weniger streng und dem Gemeinwohlnützlicher
ist. Denn wenn ich befehlen werde (würde), dich zu töten, wirddie
verbliebene Schar der Verschwörer im Staat (Gemeinwesen)zurückbleiben,
wenn du aber, wozu ich dich schon längst aufforderte, weggingst,wird
die große und schändliche Kloakedes Staates (Gemeinwesens) (vondeinen
Gefährten) aus der Stadt fortgeschafft werden. Was ist Catilina?Zögerst
du etwa, dies auf meinen Befehl hin zu machen, was du schonfreiwillig
machen wolltest? Der Konsul befiehlt dem Staatsfeind, die Stadtzu
verlassen (das der Staatsfeind aus der Stadt gehe). Du fragst mich,etwa
gar in die Verbannung? Ich befehle es <dir> nicht, aber wenn du michum
Rat fragst, rate ich es <dir>.
6. Was gibt es nämlich, Catilina, was dich ferner in dieserStadt
erfreuen könnte? In dieser gibt es niemanden, außerdieser
Verschwörerbande verdorbener Menschen da, der dich nichtfürchtet,
niemanden der dich nicht haßt. Welches Kennzeichen familiärerSchande
ist in deinem Leben nicht eingebrannt? Welche Schandtat des (im)
privaten Umgangs haftet <deinem> Ruf nicht an? Welche Gier warjemals
von deinen Augen, welches Gewaltverbrechen von deinen Händen,welche
Schandtat von deinem ganzen Körper fern? Welchen Jungen, die dudurch
die Reize (Anreize) <deiner> Verführungskünste gefangenhattest, hast du
nicht entweder zur Kühnheit das Schwert oder zur Gier dieFackel
vorangetragen (gezeigt). Was aber? Hast du nicht neulich, nachdemdu
durch den Mord <deiner> vorigen Ehefrau, daß Haus für eineneue Hochzeit
feigemacht hattest, auch dieses Verbrechen, durch ein anderes
unglaubliches Verbrechen überboten? Dies übergehe ich, und lasseleicht
(mühelos) zu, es zu verschweigen, damit in diesem Staat (damit indieser
Bürgerschaft) die Grausamkeit eines so großen Verbrechens (einerso
großen Tat) weder vorhanden noch unbestraft zu sein scheint.Ich
übergehe den Einsturz deines Vermögens, den du gänzlich anden nächsten
Iden bemerken wirst; Ich komme <nun>, zu jenen <Dingen>, welchesich
nicht auf die persönliche Schmach deiner Fehler, nicht aufdeine
häuslichen finanziellen Schwierigkeiten und deine moralische
Verkommenheit, sondern auf die höchsten Staatsinteressen und aufunser
aller Leben und Wohl beziehen. Kann dir etwa dieses Licht,Catilina,
oder die Luftdieses Himmels angenehm (liebenswürdig) sein,während du
weißt (wenn du doch weißt), daß es niemanden derer gibt,der nicht weiß,
daß du am letzten Tag des Jahres 66, unter den Konsuln Lepidusund
Tullus mit einem Dolch in der Volksversammlung gestanden hast, <und>daß
du, um die Konsuln und führenden Bürger zu töten, eine Handvorbereitet
hast (bereithieltest), <und> das deinem Verbrechen und deinemWahnsinn
nicht irgendeine vernünftige Überlegung, oder deine Furcht,sondern das
Glück des römischen Volkes im Wege gestanden sind(entgegenstand). Aber
jetzt übergehe ich jene --- denn in der (Tat) sind sie wederunbekannt,
und auch später(denn auch danach) sind viele Verbrechen vondir
begangen worden --- wie oft hast du versucht mich als gewählten, wieoft
sogar als amtierenden Konsul zu töten? Wie viele deinerStöße, die so
geführt waren, daß es nicht möglich schien, sie meiden zukönnen, habe
ich durch eine ganz kleine Wendung, und wie man <so schön> sagt,mit dem
Körper vermieden. Nichts richtest du aus, nichts erreichst duund
dennoch hörst du nicht auf es zuversuchen und zu wollen. Wie oftist
dir schon dieser Dolch aus den Händen entrissen worden! Wie oft ister
<dir> durch irgendeinen Zufall herabgefallen und entglitten!Dennoch
kannst du nicht einen Tag auf diesen verzichten. Mit welchenheiligen
Handlungen dieser freilich von dir feierlich geweiht worden ist(sei),
weiß ich nicht, weil du glaubst, daß es notwendig sei, ihn inden Körper
des Konsuls hineinzubohren.
7. Jetzt vollends, was ist dieses dein Leben (was ist das fürein
Leben)? So nämlich will/werde ich nun mit dir sprechen, daß ichnicht
durch Haß bewegt erscheine, wie ich müßte, sondern durchMitleid,
welches du keineswegs verdienst (welches dir keineswegsgeschuldet
wird). Du bist vor kurzem (wenig vorher) in den Senat gekommen. Werhat
dich aus dieser so zahlreich besuchten Versammlung, wer von deinenso
vielen Freunden und engen Bekannten gegr&

LATEIN

CICEROS ERSTE REDE GEGEN CATILINA
1. Wie lange wirst du eigentlich noch unsere Geduldmißbrauchen
Catilina? Wie lange wird deine Wut uns noch verspotten? Bis zuwelcher
Grenze wird sich <deine> zügellose Frechheit brüsten?Beeindruckt dich
etwa gar nicht, die nächtlichen Wachen des Paladins, dieStadtwachen,
die Furcht des Volkes, der Zusammenlauf aller Patrioten(Optimaten),
nicht dieser äußerst befestigte Ort um eine Senatssitzungabzuhalten,
nicht deren (Rede) und Anblick? Merkst du etwa nicht, daß deinePläne
offenstehen? Siehst du nicht, daß deine schon lahmgelegteVerschwörung,
durch das Wissen all derer im Griff gehalten wird (beherrschtwird)?
Glaubst du, wir wissen nicht, was du letzte und vorletzte Nachtgetan
hast, wo du gewesen bist, wen du zusammengerufen hast und welche
Beschlüsse du gefaßt hast? O, Was für eine Zeit! O, Wasfür Sitten! Der
Senat hat dies durchschaut (erkannt), der Konsul sieht es, dennochlebt
dieser. Er lebt? Nein, er kommt sogar (auch) noch in den Senat, ernimmt
teilhaftig am Staatsrat teil, er bezeichnet und kennzeichnet mitden
Augen das Blutbad eines einzelnen und dasunsrige. Wir aber, die
tapferen Männer, bilden uns ein den Staat zufriedenzustellen, wennwir
den Zorn (dessen Zorn) und die Waffen dieses da, meiden. Schonlängst
hätte man dich, Catilina, den Anführer, auf Befehl des Konsulstöten
müssen, das Unheil, das du gegen uns ersinnst, gegen dichvereinigen
müssen. Hat nicht ein höchst angesehener Mann, der OberpriesterP.
Scipio Tiberius Gracchus, weil erdie Verfassung des Staates nur
geringfügig erschütterte persönlich (als Privatmann)getötet? Wollen wir
Konsuln einen Catilina, der den Erdkreis mit Mord und Brand zuverwüsten
wünscht gewähren (vollführen) lassen? Denn ich übergehejene all zu
alten <Ereignisse>, daß C. Servilius Ahala den Sp. Maelius, dersich um
einen Umsturz bemühte mit eigener Hand tötete. Es gab, ja esgab
<tatsächlich> einstin diesem Gemeinwesen dieser Tapferkeit da,daß
tapfere Männer einen verderblichen Bürger mit härterenStrafen in
Schranken hielten, als den erbittertsten Feind. Wir haben einen
nachtrüglichen und ernsten Senatsbeschluß gegen dich Catilina;Es fehlt
dem Gemeinwesen nicht der Ratschlag oder das Ansehen diesesSenats
(Standes): Wir, wir, ich sage es offen, wir Konsuln versagen.
2. Es beschloß einst der Senat, daßder Konsul L. Opimiusdafür sorgen
solle, daß der Staat keinen Schaden empfange; Keine Nacht verging:Es
wurde wegen einem gewissen Verdacht des Aufstandes (auf Aufruhr)C.
Gracchus, dem ein äußerst berühmter Vater, Großvaterund Vorfahren
waren, getötet; Es wurde M. Fulvius, der Konsul gewesen war, mitseinen
Kindern getötet. Auf ähnlichem Senatsbeschluß wurde derStaat den
Konsuln C. Marius und L. Valerius überlassen; Hat in der Folge derTod
und die Strafe des Gemeinwesens den Volkstribun L. Saturninus undden
Praetor C. Sevilius etwa einen Tag warten lassen? Aber wir lassensogar
schon zwanzig Tage lang die Schärfe der Vollmacht derer Stumpfwerden.
Wir haben nämlich einen Senatsbeschluß dieser Art, allerdings inden
Urkundenbüchern der Quaestoren eingeschlossen, wie in einerScheide
verborgen, aufgrund dieses Senatsbeschlusses hätte es sichgehört, daß
du Catilina unverzüglich getötet werden müßtest. Dulebst, und du lebst
nicht um deine Frechheit abzulegen, sondern um sie zu festigen.Ich
wünsche meine Herren Senatoren Nachsichtig zu sein, ich wünschein einer
so großenGefahr für das Gemeinwesen nicht leichtsinnig zuerscheinen,
aber schon spreche ich mich selbst der Trägheit und der
Pflichvergessenheit schuldig. Die Lager sind in Italien in den
Schluchten Etruriens gegen das römische Volk aufgestellt, die Anzahlder
Feinde wächst von Tag zu Tag: Aber den Befehlshaber dieser Lager undden
Anführer der Feinde sehen wir innerhalb der Stadtmauern, ja sogarim
Senat, dem Gemeinwesen im Inneren tagtäglich irgendeinVerderben
schaffen (ins Werk zu setzen). Wenn ich dich Catilina auf derStelle
ergreifen lasse, wenn ich befehle dich töten zu lassen,werden
sicherlich alle Guten eher sagen, dies sei von mir zu spätgemacht
wordenals das irgendeiner grausam nennt. Aber ich werde auseinem
bestimmten Grund noch nicht veranlassen, daß zu tun (daß ichdies tue)
was schon längst hätte getan werden müssen: Dann erst sollstdu getötet
werden, wenn niemand mehr gefunden werden könnte (kann), der sodreist
so verrucht, dir so ähnlich wäre, der bekennen würde(daß er bekennen
würde), daß dies nicht mit Recht gemacht worden sei. Solange esirgend
jemand gibt, der es wagt dich zu verteidigen, wirst (sollst) duleben
und du wirst (sollst) so leben, wie du jetzt lebst, von meinen
zahlreichen und zuverlässigen Wachen (von meiner zahlreichenund
zuverlässigen Besatzung) belagert, damit du dich nicht gegendas
Gemeinwesen bewegen kannst. Auch werden dich, während (obwohl) dues
nicht merkst die Augen und Ohren vieler beobachten und bewachen wiesie
es bisher getan haben.
3. Was allerdings gibt es für einen Grund, Catilina, daß du nochlänger
wartest, wenn weder die Nacht die verbrecherische (frevelhafte)
Zusammenkunft in Finsternis verbergen kann, noch dein Privathausdie
Stimmen deiner Verschwörung in seinen Wänden festhalten kann,wenn alles
aufgehellt wird, wenn alles ans Licht gebracht wird? Ändere jetztdeine
Gesinnung (diese ... da), glaube mir, vergiß Mord und Brandstiftung.Du
bist (wirst) von allen Seiten umstellt (eingeschlossen). Heller(Klarer)
als das Licht, sind uns alle deine Pläne, welche du jetzt mitmir
durchgehen magst. Erinnerst du dich, daß ich am 21. Oktober imSenat
gesagt habe, daß Gaius Manlius, der Spießgeselle deinerFrechheit, an
einem bestimmten Tag, welcher der 27. Oktober sein würde, inWaffen
stehen werde. Ist mir, Catilina, nicht etwa bloß eine so große,so
abscheuliche und so unglaubliche Sache sondern, was viel
bewundernswerter erscheint der Tagentgangen? Ebenso habe ich imSenat
gesagt, du habest den Mord der (an den) Optimaten auf den 28.Oktober
festgelegt, damals flohen viele adlige Bürger aus Rom nicht so sehrum
sich zu retten, als vielmehr um deine Pläne zu vereiteln. Kannst duetwa
leugnen, daß du gerade an jenem Tag selbst, nachdem du durchmeine
Wachposten und meine Umsicht eingeschlossen warst, dich nicht gegenden
Staat bewegen konntest, während du nach der Abreise der übrigensagtest,
daß du dich für uns, die wir zurückgeblieben waren, mit demTod mäßigst
(zufrieden gibst). Was? Als du darauf vertrautest Praeneste am 1.
November durch einen nächtlichen Handstreich zu besetzen, hast du<da>
etwa nicht bemerkt, daß jene Kolonie auf meinen Befehl hin, durchmeine
Wachmannschaften, Einzelposten und Nachtwachen befestigt war?Nichts
tust du, nichts beabsichtigst du, nichts erwägst du, was ich nichtnur
hörte, sondern auch sähe und klar (deutlich)wahrnähme.
4. Erinnere dich mit mir endlich an jene vorletzte (vorige) Nacht:Schon
erkennst du, daß ich viel eifriger über das Wohl des Staateswache, als
du über sein Verderben. Ich behaupte, daß du vorletzte Nacht indas Haus
des M. Laeca unter den Sensenmachern --- ich tue (will) nichts
verdunkeln --- gekommen bist, <eben> dort sind mehrere Gefährteneben
dieses (deines) Wahnsinns zusammengekommen. Wagst du es etwa zuleugnen?
Was schweigst du? Ich werde (es) unwiderleglich beweisen, wenn du(es)
leugnest. Denn ich sehe, daß hier im Senat einige sind, die mitdir
<zusammen> dort waren. Oh ihr Unsterblichen Götter! Wo in allerWelt
sind wir? Was für ein Staat (Gemeinwesen) haben wir? In welcherStadt
leben wir? Hier, <ja> hier in unserem Rang, meine Herren Senatoren,in
dieser tugendhaftesten und ehrwürdigsten Körperschaft der Erde,sind sie
(Menschen) die auf unser aller Untergang, die auf das Verderbendieser
(über diese) Stadt, ja sogar der <ganzen> Erde drängen!Ich, der Konsul,
sehe diese und frage sie um ihre Meinung über (zum) Staat(Gemeinwesen)
und verletze diese, welche man mitdem Schwert niedermetzelnmüßte,
nicht einmal mit der Stimme. Also bist du in jener Nacht beiLaeca
gewesen, Catilina, du hast die Rollen in Italien verteilt, duhast
beschlossen, wo es angenehm wäre, daß einjeder marschierte(hinginge),
du hast ausgewählt, welche du in Rom zurückläßt undwelche du mit dir
mitnimmst, du hast die Teile der Stadt zum Brand bezeichnet, duhast
bekräftigt, daß du selbst gleich <die Stadt> verlassenwirst, du hast
gesagt, daß dir noch ein wenig Aufenthalt sei (bliebe), weil ichlebe
(leben würde). Es wurden zwei römische Ritter gefunden, die dichvon
dieser Sorge befreien wollten und versprachen, daß sie michamMorgen
des 7. November in meinem Bett töten (und sich anboten mich injener
Nacht selbst kurz vor Tageseinbruch in meinem Bett zu töten). Diesalles
habe ich erfahren, als ihr noch kaum erst aus der Versammlungentlassen
wart; Mein Haus habe ich durch stärkere (bessere) Wachpostenbefestigt
und gestärkt, ich habe diese, welche du in den Morgenstunden zu mirzum
Gruß schicktest, abgewiesen, weil jene selbst gekommen waren, welcheich
schon vielen und wichtigstenMännern öffentlich bekannt gemachthatte,
daß sie zu mir zu dieser Stunde kommen würden.
5. Weil dies so ist, Catilina, mache dich auf (setze fort was du
begonnen hast) endlich einmal aus der Stadt hinauszugehen; DieTore
stehen offen: Marschiere (Mache dich auf). Allzu lange vermißtendich,
den Befehlshaber, jene deine Lager bei Manlia. Nimm auch alle diedeinen
mit dir, wenn nicht <alle>, möglichst viele; Reinige die Stadt.Du wirst
mich von einer großen Furcht befreien, wenn nur die Stadtmauer Romssich
zwischen dir und mir befindet. Unter uns kannst du dich nichtmehr
länger aufhalten; Ich werde es nicht ertragen, nicht dulden,nicht
zulassen. Den unsterblichen Göttern und diesem Jupiter Statorselbst,
dem äußerst alten Wächter dieser Stadt, muß mangroßen Dank sagen, daß
wir diesem so abscheulichen, so schrecklichen und dem Staat sofeindlich
gesinnten Scheusal schon so oft entflohen sind. Das Staatswohldarf
nicht öfter von einem einzigen Menschen riskiert werden (aufsSpiel
gesetzt werden). Solange du, Catilina, mir dem designierten (dembereits
gewählten, aber noch nicht amtierenden) Konsul nachstelltest habeich
mich nicht mit öffentlichen Wachposten (durch öffentlicheWachposten),
sondern mit (durch) persönlicher Sorgfalt verteidigt. Als du beider
letzten Versammlung zur Wahl der Konsuln, mich und deine Mitbewerberauf
dem Marsfeld töten wolltest, habe ich deinen ruchlosen Versuch durchdie
Hilfe und die Truppen meiner Freunde unterdrückt, ohne daßöffentliche
Unruhe erregt wurde (erregt worden war). Überhaupt, so oft du nurmich
bedroht hast, habe ich mich gegen dich gestellt, obwohl ich sah,daß
mein Verlust mit einem großen Schaden für den Staat (dasGemeinwesen)
verbunden wäre. Nun bedrohst du schon freimütig (offenkundig)den
gesamten Staat (das gesamte Gemeinwesen) , du willst den Tempelnder
unsterblichen Götter, den Häusern der Stadt, dem Leben allerBürger,
<ja> ganz Italien den Untergang und die Verwüstung bringen.Nachdem ich
daher,das was zuerst (am naheliegendsten) ist, und was meiner Machtund
den Grundsätzen der Vorfahren zutreffend ist, noch nicht wage zumachen,
will ich das machen, was weniger streng und dem Gemeinwohlnützlicher
ist. Denn wenn ich befehlen werde (würde), dich zu töten, wirddie
verbliebene Schar der Verschwörer im Staat (Gemeinwesen)zurückbleiben,
wenn du aber, wozu ich dich schon längst aufforderte, weggingst,wird
die große und schändliche Kloakedes Staates (Gemeinwesens) (vondeinen
Gefährten) aus der Stadt fortgeschafft werden. Was ist Catilina?Zögerst
du etwa, dies auf meinen Befehl hin zu machen, was du schonfreiwillig
machen wolltest? Der Konsul befiehlt dem Staatsfeind, die Stadtzu
verlassen (das der Staatsfeind aus der Stadt gehe). Du fragst mich,etwa
gar in die Verbannung? Ich befehle es <dir> nicht, aber wenn du michum
Rat fragst, rate ich es <dir>.
6. Was gibt es nämlich, Catilina, was dich ferner in dieserStadt
erfreuen könnte? In dieser gibt es niemanden, außerdieser
Verschwörerbande verdorbener Menschen da, der dich nichtfürchtet,
niemanden der dich nicht haßt. Welches Kennzeichen familiärerSchande
ist in deinem Leben nicht eingebrannt? Welche Schandtat des (im)
privaten Umgangs haftet <deinem> Ruf nicht an? Welche Gier warjemals
von deinen Augen, welches Gewaltverbrechen von deinen Händen,welche
Schandtat von deinem ganzen Körper fern? Welchen Jungen, die dudurch
die Reize (Anreize) <deiner> Verführungskünste gefangenhattest, hast du
nicht entweder zur Kühnheit das Schwert oder zur Gier dieFackel
vorangetragen (gezeigt). Was aber? Hast du nicht neulich, nachdemdu
durch den Mord <deiner> vorigen Ehefrau, daß Haus für eineneue Hochzeit
feigemacht hattest, auch dieses Verbrechen, durch ein anderes
unglaubliches Verbrechen überboten? Dies übergehe ich, und lasseleicht
(mühelos) zu, es zu verschweigen, damit in diesem Staat (damit indieser
Bürgerschaft) die Grausamkeit eines so großen Verbrechens (einerso
großen Tat) weder vorhanden noch unbestraft zu sein scheint.Ich
übergehe den Einsturz deines Vermögens, den du gänzlich anden nächsten
Iden bemerken wirst; Ich komme <nun>, zu jenen <Dingen>, welchesich
nicht auf die persönliche Schmach deiner Fehler, nicht aufdeine
häuslichen finanziellen Schwierigkeiten und deine moralische
Verkommenheit, sondern auf die höchsten Staatsinteressen und aufunser
aller Leben und Wohl beziehen. Kann dir etwa dieses Licht,Catilina,
oder die Luftdieses Himmels angenehm (liebenswürdig) sein,während du
weißt (wenn du doch weißt), daß es niemanden derer gibt,der nicht weiß,
daß du am letzten Tag des Jahres 66, unter den Konsuln Lepidusund
Tullus mit einem Dolch in der Volksversammlung gestanden hast, <und>daß
du, um die Konsuln und führenden Bürger zu töten, eine Handvorbereitet
hast (bereithieltest), <und> das deinem Verbrechen und deinemWahnsinn
nicht irgendeine vernünftige Überlegung, oder deine Furcht,sondern das
Glück des römischen Volkes im Wege gestanden sind(entgegenstand). Aber
jetzt übergehe ich jene --- denn in der (Tat) sind sie wederunbekannt,
und auch später(denn auch danach) sind viele Verbrechen vondir
begangen worden --- wie oft hast du versucht mich als gewählten, wieoft
sogar als amtierenden Konsul zu töten? Wie viele deinerStöße, die so
geführt waren, daß es nicht möglich schien, sie meiden zukönnen, habe
ich durch eine ganz kleine Wendung, und wie man <so schön> sagt,mit dem
Körper vermieden. Nichts richtest du aus, nichts erreichst duund
dennoch hörst du nicht auf es zuversuchen und zu wollen. Wie oftist
dir schon dieser Dolch aus den Händen entrissen worden! Wie oft ister
<dir> durch irgendeinen Zufall herabgefallen und entglitten!Dennoch
kannst du nicht einen Tag auf diesen verzichten. Mit welchenheiligen
Handlungen dieser freilich von dir feierlich geweiht worden ist(sei),
weiß ich nicht, weil du glaubst, daß es notwendig sei, ihn inden Körper
des Konsuls hineinzubohren.
7. Jetzt vollends, was ist dieses dein Leben (was ist das fürein
Leben)? So nämlich will/werde ich nun mit dir sprechen, daß ichnicht
durch Haß bewegt erscheine, wie ich müßte, sondern durchMitleid,
welches du keineswegs verdienst (welches dir keineswegsgeschuldet
wird). Du bist vor kurzem (wenig vorher) in den Senat gekommen. Werhat
dich aus dieser so zahlreich besuchten Versammlung, wer von deinenso
vielen Freunden und engen Bekannten gegrüßt? Wenn dies seitder
Erinnerung der Menschen(seit Menschengedenken), niemandemwiderfahren
ist, wartest du auf Beschimpfungen durch Worte, während du durchdas
härteste Urteil des Stillschweigens erdrückt worden bist? Wiekommt es,
daß bei deiner Ankunft diese Bänkeleergemacht wurden, daßalle Konsuln,
die du sehr oft zur Ermordung bestimmt hattest, sobald du dich
hingesetzt hast, diesen Teil der Bänke leer und unbesetztzurückließen,
mit welcher Gesinnung schließlich glaubst du <dies> ertragen zukönnen?
Beim Herkules, wenn mich meine Sklaven auf diese Weise (so)fürchteten,
wie dich alle Bürger (deine Mitbürger) fürchten, würdeich glauben
(glaubte ich) mein Haus verlassen zu müssen:Glaubst du nicht, dieStadt
verlassen zu müssen? Und wenn ich sähe, daß ich meinenMitbürgern mit
Unrecht (Frevel) so schwer verdächtigt und verhaßt bin,würde ich mich
lieber vor dem Anblick der Mitbürgerhüten, als von denfeindlichen
Augen aller angeschaut zu werden; Obwohl du im Bewußtseindeiner
Verbrechen, den Haß aller als begründet (gerecht) anerkennst undschon
lange <anerkennen> mußt, zweifelst du den Anblick und dieAnwesenheit
derer zu meiden, denen du Gesinnung und Empfindungen verletzt? Wenndich
<deine> Eltern fürchteten und haßten und du sie nichtdurch eine
vernünftige Überlegung besänftigen könntest (und dusieauf keine Weise
versöhnen könntest), würdest du dich, wie ich meine, vonderen Augen
irgendwohin entfernen. Nun haßt und fürchtet dich das Vaterland,welches
uns allen gemeinsam die (eine) Mutter ist, und es ist schon langeder
Ansicht, daß du nichts außer seinen Hochverrat (den Muttermord)im Sinn
hast. Wirst du nicht dessen Ansehen, nicht dessen Urteil folgenund
nicht dessen (seine) Macht sehr fürchten. So handelt dieses (wendetsich
an dich) Catilina, und spricht auf eben diese Weise (sozusagen)
schweigend zu dir: “Kein Verbrechen ist schon seit einigenJahren
hervorgetreten (geschehen/entstanden), außer durch dich, keineSchandtat
ohne dich; dir allein ist die Ermordung vieler Bürger, dir<allein> die
Mißhandlung und Plünderung der Bundesgenossen straflos und freigewesen;
du warst imstande nicht nur die Gesetze und Untersuchungen nichtzu
achten, sondern auch sie zu untergraben und zu durchbrechen. Jene
früheren (Schandtaten) habe ich dennoch wie (so gut) ichkonnte
ertragen, obwohl sie nicht zu ertragen waren (obwohl sieunerträglich
waren); Nun aber ist es nicht zu ertragen, daß ich wegen diralleine
ganz in Furcht bin (sein muß), daß bei jedem GeräuschCatilina
gefürchtet wird, <und> das es scheint, das kein Plan gegen michgefaßt
werden kann, der von deinem Verbrechen abweicht. Deswegen geheweg
(weiche) und entreiße mir diese Furcht; wenn sie begründet ist,damit
ich nicht bedrängt werde, wenn sie unbegründet (falsch) ist,damit ich
endlich einmal aufhören kann zu fürchten (in Furcht zusein).
8. Wenn dieses, das Vaterland, so mit dir spräche (sprechenwürde), wie
ich <es> gesagt habe, sollte es etwa nichts erreichen, auch wennes
keine Gewalt anwenden könnte? Wie kommt es, daß du dicht selbstin
Obhut/Beaufsichtigung (freie Haft) gegeben hast, das du gesagt hast,das
du, um einen Verdacht zu vermeiden bei M. Lepidus (im Hause desM.
Lepidus) wohnen wolltest (willst). Als du von diesem nichtaufgenommen
wurdest, hast du es sogar gewagt, zu mir zu kommen und hast mich
gebeten, dich in meinem Haus zu überwachen (das ich dich in meinemHaus
überwache). Als du auch von mir diese Antwort erhieltest(erhalten
hattest), daß ich auf keinen Fall mit dir in denselben Wändensicher
sein könnte, da ich doch schon in großer Gefahr sei, weil ichvon
denselben Stadtmauern umgeben werde (bin), bist du zum Praetor Q.
Metellus gegangen. Als du auch von diesem zurückgewiesen(verschmäht)
wurdest, bist du weitergegangen zu deinem Spießgesellen, demehrenwerten
Mann M. Metellus, von dem du natürlich glaubtest (annahmst), daser
<dich > sowohl am gewissenhaftesten beaufsichtigen, als aucham
scharfsinnigsten dich argwöhnisch beobachten und amtatkräftigsten dich
bestrafen werde. Aber wie weit scheint mir <einer> vomStaatsgefängnis
und den Fesseln entfernt sein zu müssen, der sich selbst schonder
Bewachung für Wert hält. Obwohl dies so ist (Obwohl diese sosind)
zögerst du noch, Catilina, wenn du <schon> nicht mitgelassener
Gesinnung (mit ruhigem Geist) sterben kannst, in irgendwelche<andere>
Länder wegzugehen und dieses Leben, daß vor vielen gerechtenund
verdienten Strafen gerettet wurde, der Verbannung und Einsamkeit
anzuvertrauen. Erstatte dem Senat Bericht, sagst du, denn diesforderst
du und du sagst, daß du dich fügen (gehorchen) wirst, wenndieser Stand
entscheiden sollte (dafürzu stimmen) dich ins Exil zu schicken.Ich
werde es nicht erwidern, weil dies von meinem Charakter (meiner
Gesinnung) abweicht und dennoch mache ich (sorge ich dafür), daßdu
erkennst, was diese <Senatoren> von dir denken (halten).Gehe ausdieser
Stadt, Catilina, befreie das Gemeinwesen von der Furcht, gehe
(marschiere) in die Verbannung, wenn du dieses Wort (Stimme)erwartest.
Was ist? Bemerkst du etwa, erkennst du etwa das Schweigen derer(der
Senatoren)?

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